27-Jährige schlägt Angebot der Staatsanwaltschaft aus

Auch Frau von Ex-Sicherheitschef aus Vellmar droht Gefängnis

Am Donnerstag hat das Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen die Frau von Tim L., Ex-Chef des Sicherheitsdienstes SD 24 in Vellmar, begonnen. Der 27-jährigen Mutter droht Gefängnis.

Der ehemalige Chef des Vellmarer Sicherheitsdienstes SD 24 war im Juni vergangenen Jahres zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er die meisten seiner Mitarbeiter zur Bewachung von Sport- und Konzertveranstaltungen sowie von Flüchtlingseinrichtungen schwarz beschäftigte und Sozialabgaben sowie Lohn- und Umsatzsteuer in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro hinterzogen hat.

Nachdem Tim L. seine Revision vor dem Bundesgerichtshof gegen das Urteil zurückgezogen hat, ist dieses nun rechtskräftig. Seit Oktober verbüßt der 37-Jährige seine Strafe in der JVA Wehlheiden.

Das Verfahren gegen seine Ehefrau war damals abgetrennt worden, weil die schwangere Frau nicht verhandlungsfähig war.

Seit Donnersetag muss sie sich nun vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Zmyi-Köbel verantworten.

Staatsanwältin Kerstin Nedwed warf der trotz ihrer 27 Jahre noch mädchenhaften Frau am Donnerstag vor, als Geschäftsführerin der SD 24 rund 830.000 Euro Sozialabgaben an die Krankenversicherung und 1,6 Millionen Euro an Lohn- und Umsatzsteuer hinterzogen zu haben.

Eigentlich ist bei einer Schadenssumme jenseits der Millionengrenze eine Freiheitsstrafe unumgänglich. Richter Zmyi-Köbel sprach daher von einem recht großzügigen Verständigungs-Angebot der Staatsanwaltschaft: Sollte die Angeklagte noch vor Beginn der Hauptverhandlung 20.000 Euro als Schadens-Wiedergutmachung bezahlen und dann ein volles Geständnis ablegen, könnte eine Bewährungsstrafe für die junge Mutter möglich sein.

Dies lehnte Verteidiger Bernd Pfläging aber sofort ab. Seine Mandantin habe das Geld schlicht nicht. Zudem habe sie tatsächlich wenig bis keinen Einfluss auf die Geschäftsführung von SD 24 gehabt, die in vollem Umfang bei Tim L. gelegen habe.

Der Richter zeigte sich „verwundert“ über diese Haltung. Allerdings habe die Kammer ohnehin wenig Neigung zu einer Verständigung. Sicherlich sei Tim L. die maßgebende Kraft bei SD 24 gewesen. Es sprächen aber viele Indizien dafür, dass auch die Angeklagte von den dubiosen Geschäftspraktiken gewusst habe.

Zmyi-Köbel verwies darauf, dass eine Geldstrafe schließlich auch in Form gemeinnütziger Arbeitsstunden abgeleistet werden könne.

Zu den jetzt folgenden fünf Verhandlungstagen hat die Kammer 15 Zeugen geladen. Weiter geht es am 6. Februar um 9 Uhr in Saal E 221. Ein Urteil könnte am 1. März gesprochen werden.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.