Einsatz an der Steinbachtalsperre

DLRG-Retter aus dem Landkreis Kassel halfen im Hochwassergebiet

Ein Schlauchboot der DLRG fährt durch den überfluteten Stadtteil Kornelimünster
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Einsatz im Katastrophengebiet: Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist bei Hochwasser im Stadtteil Kornelimünster (Aachen) unterwegs.

Es war eine der guten Nachrichten unter den vielen schlechten, nachdem die Flutkatastrophe ganze Städte unbewohnbar gemacht hatte. Die Steinbachtalsperre bei Euskirchen in Nordrhein-Westfalen ist nicht gebrochen. Damit ist noch größeres Leid und Verwüstung verhindert worden.

Kreis Kassel - Wie alle anderen Helfer vor Ort war auch Jan Credé erleichtert, als die Nachricht kam. Für den Leiter des Wasserrettungszuges der DLRG des Landkreises Kassel bedeutete die Nachricht aber auch, dass sein Wasserrettungszug dort nicht zum Einsatz kommen würde. „Wir standen für diese Sperre bereit“, sagt Credé. Für den Fall, den sich niemand ausmalen wollte.

Bereits am Donnerstagabend vorvergangener Woche war der Wasserrettungszug alarmiert worden. Der Einsatzbefehl kam aus dem hessischen Innenministerium. Am frühen Freitagmorgen ging es dann für 22 der 25 Mitglieder der drei Ortsvereine Vellmar, Lohfelden/Fuldabrück und Oberweser, aus denen sich der Zug zusammensetzt, in Richtung Nordrhein-Westfalen. Mit dabei: ein Gerätewagen Wasserrettung und ein Gerätewagen Tauchen, insgesamt fünf Fahrzeuge und vier Boote. „Der Auftrag bestand darin, einen Bereitstellungsraum auf dem Messegelände Düsseldorf anzufahren“, sagt Credé.

Dort standen zu diesem Zeitpunkt weit über 1000 Einsatzkräfte bereit, erzählt der 31-Jährige. „Die werden von dort in die Schadenslagen dirigiert.“ Doch bis zur Messe kam der Wasserrettungszug zuerst gar nicht. Noch auf dem Weg dorthin wurde er ins Stadtgebiet Euskirchen beordert. „Der Landkreis war so stark geschädigt, dass sie zeitweise telefonisch nicht erreichbar waren“, sagt Credé. Der Landkreis hatte über das Amtshilfeverfahren eine Wasserrettung bestellt. Der Auftrag vor Ort lautete dann, für die 22 Helfer aus Nordhessen bereitzustehen, sollte die Steinbachtalsperre brechen. Außerdem sei es ihre Aufgabe gewesen, andere Einsatzkräfte im Einsatz abzusichern, erklärt der Leiter des Wasserrettungszuges. „Wenn ein Feuerwehrmann ins Wasser fällt, stehen wir für Absicherungsaufgaben zur Verfügung.“

Von manchen Ehrenamtlichen und auch in der Presse war kritisiert worden, dass einige Helfer vor Ort nicht im Einsatz gewesen wären, obwohl sie genau deshalb in die Region beordert worden seien. Credé kann verstehen, dass solch ein Eindruck entstehen kann. Er sei aber falsch. „Es mag den Anschein erwecken, als wenn man nichts tut, das ist aber in dem Sinne falsch. Die Einheiten standen bereit für den Fall, dass der Staudamm bricht.“ Hätten sie Keller ausgepumpt und die Sperre sei tatsächlich gebrochen, hätten sie nicht rechtzeitig dort sein können, um Menschenleben zu retten.

Nach neun Stunden wurde der Wasserrettungszug zurück nach Düsseldorf beordert, weil man „keine sinnvollen Einsatzoptionen mehr sah“, wie Credé erklärt. In der Nacht zu Samstag kamen sie auf dem Messegelände an. Dort standen sieben der insgesamt zehn hessischen Wasserrettungszüge, einer davon in sofortiger Bereitschaft. Am Sonntagmorgen um 0.30 Uhr kam der Einsatzbefehl zum Rückmarsch. Sonntagmittag waren die Helfer wieder im Landkreis Kassel.

Der Grund für den Rückzug: Die Einsatzoptionen seien derzeit erschöpft. „Wenn man sich so eine Sturzflut anschaut, sind die Helfer der Wasserrettung die Helfer der ersten Wahl“, erklärt Credé. Doch mit der Zeit sinken die Einsatzoptionen der Wasserretter. Jetzt werden hauptsächlich schwere geländegängige Fahrzeuge für die Aufräumarbeiten gebraucht. „Da muss man dann auf die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk zurückgreifen.“

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