Chinesischer Wettbewerb

Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA plant größeren Stellenabbau

Niestetal/Kassel. Der Kasseler Solartechnik-Hersteller SMA zückt erneut den Rotstift und hat am Donnerstag einen nicht näher bezifferten Personalabbau angekündigt.

Artikel wurde am 28. September um 7.36 Uhr aktualisiert. Gleichzeitig kassierte das Unternehmen seine Jahresprognose. Wie Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon im Gespräch mit der HNA erklärte, würden bis Jahresende „Strukturanpassungen“ erarbeitet und 2019 rasch und konsequent umgesetzt. „Wir müssen unsere Fixkosten reduzieren. Deshalb überprüfen wir die gesamte Struktur mit ihrer Komplexität von Entwicklungs- und Produktionsstandorten“, sagte er. Denkbar sei unter anderem die Fremdvergabe von Service-Leistungen. 

Projektverschiebungen Urbon begründete die Pläne mit der „massiven und unerwarteten Kürzung der Ausbauziele durch die chinesische Regierung“. Die Folge: Heimische Anbieter fluten die Weltmärkte mit Billigware, um ihre Produktionskapazitäten auszulasten. Dies hat den ohnehin schon harten Preiskampf weiter verschärft, wodurch Projektentwickler und Investoren in Erwartung weiter fallender Preise Großprojekte verschieben. Ein Teufelskreis, aus dem wohl nur der harte Tritt auf die Kostenbremse hilft. 

Die Konsequenz: SMA hat gestern seine Umsatzprognose von bislang 900 Millionen bis eine Milliarde Euro auf 800 bis 850 Mio. Euro nach unten korrigiert und erwartet nunmehr bestenfalls eine schwarze Null oder ein leicht negatives Ergebnis. Bislang rechnete man noch mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 90 bis 110 Mio. Euro. 

Urbon betonte aber, dass man ohne die Sonderaufwendungen von 70 Mio. Euro für die Umstrukturierung ein deutlich positives Ergebnis erzielt hätte und stellte für das kommende Jahr ein Umsatzwachstum und ein Ebitda im Plusbereich in Aussicht. Gleichzeitig unterstrich er die finanzielle und bilanzielle Stärke des Unternehmens, das gut 390 Mio. Euro auf der hohen Kante hat. Die Finanzmärkte beruhigten diese Kenntnis nicht. Die Aktie rauschte gestern in die Tiefe, verlor fast ein Viertel ihres Werts und ging bei 22 Euro aus dem Handel. Seit Mitte Mai haben die Titel nahezu zwei Drittel eingebüßt. Das Papier wird seit Wochenbeginn nicht mehr im TecDax, sondern im SDax der kleineren Börsenwerte gehandelt. 

Bereits bei Vorlage der unerwartet guten Halbjahreszahlen im August hatte sich eine weitere Verschärfung des Preiskampfes durch chinesische Dumping-Anbieter abgezeichnet. Dennoch zeigte sich der SMA-Vorstand zuversichtlich, die Jahresprognose halten zu können. 

SMA beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter, davon 2800 in Niestetal und Kassel und davon wiederum 600 Leihkräfte. Wie berichtet, hatte das Unternehmen 2015 rund 1200 Stellen sozialverträglich abgebaut. Die Betroffenen erhielten vergleichsweise hohe Abfindungen. Der Arbeitsmarkt war seinerzeit derart ausgetrocknet, dass die meisten von ihnen rasch schnelle Arbeit fanden.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.