Im Jahr zuvor noch 30 Millionen Euro Gewinn gemacht

100 Stellen fallen in Kassel und Niestetal weg: SMA macht 176 Millionen Euro Verlust

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Jetzt wird es ernst: SMA hat verkündet, dass der Verlust bei 176 Millionen Euro liegt. Insgesamt sollen in Kassel 100 Stellen gestrichen werden.

Der Preisdruck durch Konkurrenz aus Asien hat dem Solartechnikhersteller SMA einen hohen Verlust eingebrockt. Daher werden Stellen gestrichen - davon 100 in Kassel und Niestetal.

Aktualisiert um 17.55 Uhr - Wie erwartet hat der Preisdruck durch asiatische Konkurrenz dem Niestetaler Solartechnikhersteller SMA einen hohen Verlust eingebrockt. Wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, lag der Absatz zwar auf Vorjahresniveau – SMA verkaufte demnach im Jahr 2018 Wechselrichter mit einer zusammengerechneten Leistung von 8,5 Gigawatt. Allerdings ging der Umsatz von 891 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 760,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr zurück. 

Das Unternehmen machte 2018 einen Verlust von fast 176 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte es noch einen Gewinn von gut 30 Millionen Euro eingefahren. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rutschte von knapp 100 Millionen Euro im Vorjahr mit 69,1 Millionen Euro in den Negativbereich. 

Der Umsatzrückgang sei im Wesentlichen auf den abrupten Rückgang des Fotovoltaik-Markts in China zurückführen, erklärte SMA-Vorstandsschef Dr. Jürgen Reinert. Ende Mai hatte die chinesische Regierung ihre Fotovoltaik-Ausbauziele und die Solarförderung drastisch gesenkt. In der Folge drängten die chinesischen Anbieter verstärkt auf die internationalen Märkte und verursachten einen hohen Preisdruck. 

„2018 war ein herausforderndes Jahr für SMA“, räumte Reinert ein. Tatsächlich meinte es 2018 nicht gut mit dem Niestetaler Solartechnikhersteller. Dabei hatte das Geschäftsjahr laut Reinert mit einem hohen Auftragsbestand begonnen. Doch dann ging es bergab für den SDax-Konzern. In der ersten Jahreshälfte seien elektronische Bauteile seitens der Zulieferer knapp geworden, schilderte Reinert, und SMA habe seine Kunden nur eingeschränkt beliefern können. 

Ende Mai dann brach der weltweit größte Solarmarkt in China ein. Um nicht auf ihren Modulen sitzen zu bleiben, überschwemmten die einheimischen Hersteller den restlichen Weltmarkt mit Produkten zu Billigpreisen und verschärften so den ohnehin harten Preiskampf auf dem Solarmarkt. In der Hoffnung, dass die Preise noch weiter sinken würden, hätten Investoren die Umsetzung von Fotovoltaikprojekten in das Folgejahr verschoben, erläuterte Reinert. 

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SMA: 100 Stellen fallen in und um Kassel weg

Erschwerend hinzugekommen sei noch eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Batteriespeichern. In der Folge des Umsatzeinbruchs hatte SMA kürzlich angekündigt, seine chinesischen Tochtergesellschaften zu verkaufen und weltweit 425 seiner gut 3300 Vollzeitstellen abzubauen. Davon entfallen 100 auf die Standorte in Kassel und Niestetal, an denen etwa 2200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Betroffenen seien inzwischen informiert. Man habe mit allen Aufhebungsverträge geschlossen, sagte SMA-Finanzvorstand Ulrich Hadding. „Es gab keine Kündigungen, und es wird auch keine Kündigungen geben“, betonte er. 

Um wieder profitabel zu werden, will der Konzern seinen Konsolidierungskurs fortsetzen. Künftig werde SMA auf seine Kernkompetenzen, also das Wechselrichter-Geschäft, setzen, seine Produktpalette anpassen und seine Arbeitsprozesse optimieren, sagte Reinert. Ziel sei es, die Kosten um etwa 40 Millionen Euro pro Jahr zu senken. Mit dem Verkauf der chinesischen Tochtergesellschaften sowie dem Stellenabbau solle der Standort Deutschland besser ausgelastet werden. 

Statt im Ein-Schicht-Betrieb wolle der Konzern nach der Konsolidierung in Nordhessen im Zwei- oder Dreischicht-Betrieb produzieren, kündigte Hadding an. Die Produktion soll demnach in Niestetal am Sandershäuser Berg zusammengezogen werden. Die Geschäftsstelle in Kassel bleibe erhalten. Einige Immobilien des Konzerns sollten aber verkauft werden, ergänzte der Finanzchef. Welche und wie viele genau, sei noch unklar. „Es wird mehr als ein Gebäude sein“, kündigte er an. Man prüfe das derzeit. 

Trotz des – wie Hadding es nannte – „gruseligen Ergebnisses“ für 2018 blickt SMA optimistisch in die Zukunft. Der Markt wachse, Solarenergie werde zur tragenden Säule der Energieversorgung. „Unser Umsatz mit Wechselrichtern wird steigen, weil wir Marktanteile zurückgewinnen“, prognostizierten Reinert und Hadding. Der Auftragsbestand sei seit Ende Dezember bis heute um knapp 40 Prozent gestiegen. Zudem will der Konzern unter anderem mit schlüsselfertigen Komplettsystemen und der Datensammlung neue Geschäftsfelder erschließen. „Wir stehen gut da“, so Hadding. SMA habe weiterhin eine solide Finanzstruktur. „Das Jahr 2018 hat reingehauen, aber SMA kann das noch verdauen“, zeigte sich der Finanzchef zuversichtlich.

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