Landwirt und Bauernverband berichten

So bereitet sich der Landkreis Kassel auf die Vogelgrippe vor

Weiß um die Risiken, macht sich aber wenig Sorgen: der Landwirt Eckhardt Eisenach vor einem seiner mobilen Ställe am Ortsrand von Baunatal-Guntershausen.
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Weiß um die Risiken, macht sich aber wenig Sorgen: der Landwirt Eckhardt Eisenach vor einem seiner mobilen Ställe am Ortsrand von Baunatal-Guntershausen.

Neben der Afrikanischen Schweinepest gibt es eine weitere Bedrohung für heimische Landwirte: Die Geflügelpest, besser bekannt als Vogelgrippe, kommt wieder verstärkt in Deutschland vor.

Kreis Kassel - Im Dezember hat das Virus, das von wilden Wasservögeln auf Hausgeflügel übertragen wird, Hessen erreicht: Laut Umweltministerium sind dem Erreger zuletzt im Vogelsbergkreis 16 Pfauen zum Opfer gefallen. Der Landkreis ist bislang verschont geblieben. Wie schätzen ein Landwirt und der Kreisbauernverband die Lage vor Ort ein?

Der Landwirt

Knapp 10 000 Hühner wuseln auf den eingezäunten Wiesen am Hof Eisenach in Guntershausen herum. Tagsüber sind die Hennen draußen, nachts im mobilen Stall. Sie legen die Eier, die Eckhardt Eisenach später mit Bio-Siegel verkauft. „Im Grunde sind es Freilandhühner, aber wir haben ein Bio-Siegel“, erklärt der Landwirt.

Zwar laufen seine Hennen frei herum, doch beim Thema Übertragung der Vogelgrippe gibt sich der 58-Jährige gelassen: „Ich mache mir nicht Tag und Nacht darüber Sorgen.“ Er treffe Vorkehrungen: Futter- und Trinkwasser für die Tiere befänden sich im Stall. „Vor allem das Futter kann Wildvögel anlocken, die wiederum das Virus auf die Hühner übertragen.“

Nichtsdestotrotz wäre eine Infektion der Tiere auf einem Nachbarhof schon eine Herausforderung für Eisenach. „Anders als bei reinen Freilandeiern, die nach einer Aufstallungszeit nicht mehr als solche verkauft werden, könnte ich mit einer Art Wintergarten an jedem Stall reagieren, sofern ein Fall in der Nähe auftritt.“ Das müsste schnell gehen, aber er könne zumindest die Eier noch mit Bio-Siegel verkaufen und hätte keinen Wertverlust.

Eine Infektion seiner Hennen hingegen wäre schlimm, sagt Eisenach: Sie müssten wohl getötet werden. Dann würden Monate vergehen, bis er Jungtiere hätte und diese wiederum Eier legten. „Damit würde ich Stammkunden verlieren, die schauen sich in der Zwischenzeit nach anderen Anbietern um.“ Nach einem Jahr hätte er wieder Eier zu verkaufen, aber keine Abnehmer. „Dann wären da noch die Kosten, auf denen ich sitzenbleibe.“ Er hofft das Beste.

Der Bauernverband

„Weil die Tierseuche bei Wildvögeln auftritt, kann sie sich theoretisch überall hin ausbreiten“, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Kassel. Daher gehe eine Gefahr für weitere Wildvögel und Hausgeflügel aus. Das betrifft laut Schulte-Ebbert Tiere in Freilandhaltung – beispielsweise Hühner, die ihre Eier in einem Hühnermobil oder Stall legen, aber sonst viel draußen sind. Durch Kontakt mit Wildvögeln könnten sie sich infizieren.

Schulte-Ebbert bestätigt, was Eisenach sagt: Bei einem Ausbruchsverdacht könnten der betroffene und umliegende Betriebe vom Veterinäramt mit einer Stallpflicht belegt werden. Obendrein sei es möglich, dass das Veterinäramt den betroffenen Landwirt verpflichtet, regelmäßig Proben zu nehmen. Womöglich drohe sogar die Tötung.

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