1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

So trotzen Senioren in Pflegeheimen im Kreis Kassel der Hitze

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Dilling

Kommentare

null
Viel trinken und im Schatten aufhalten: Anna Görl (89, links) wird von Awo-Pflegefachkraft Melanie Collura (26) mit genügend Getränken versorgt. © Moritz Gorny

Kreis Kassel. Hitzewelle und kein Ende: Unter hohen Temperaturen leiden vor allem alte Menschen. Wir zeigen, wie sich Seniorenheime im Kreis Kassel gegen die heißen Temperaturen schützen.

2003 stieg die Sterberate von Senioren während einer ähnlichen Hitzewelle im August zum Teil weit über 100 Prozent. Doch obwohl die aktuelle Hitzeperiode den Temperaturrekord von damals wohl toppen wird, ertragen die Bewohner von Altenpflegeheimen inzwischen die Hitze dank vielfältiger Vorsorgemaßnahmen deutlich besser, wie eine nicht repräsentative Umfrage im Landkreis Kassel zeigt. Es gebe keine auffällige Zunahme von Notfalleinsätzen, bestätigt Klauspeter Franke, stellvertretender Leiter der Rettungswache des DRK-Kreisverbands Kassel-Wolfhagen.

Im Seniorenheim am Goldacker der Arbeiterwohlfahrt Nordhessen (Awo) in Baunatal summt in einer Ecke der Küche dezent ein mobiles weißes Klimagerät. Es ist warm, aber erträglich für die Senioren, die nah der Küchenzeile gerade ihre Mahlzeit einnehmen. Stephan Eigenbrodt, der Einrichtungsleiter, hat vor einer Woche die Notbremse gezogen, als in mehreren Räumen des Pflegeheims und der Tagespflege schon am Vormittag die Quecksilbersäule auf 26 Grad stieg. Kurzerhand hat er zehn mobile Klimageräte angemietet und so plaziert, dass die Senioren von der Kühle profitieren, aber sich keinen Schnupfen durch Zugluft holen. „Sonst würden die Raumtemperaturen auf über 30 Grad steigen. Wir bekommen das Haus sonst auch nachts nicht mehr ausreichend heruntergekühlt.“

null
Erholung im Schatten: Anna Görl (rechts) kommt dank der Unterstützung der AWO-Mitarbeiter Melanie Collura (links) und Stephan Noll mit der Hitze gut zurecht. Sie gehe aber nur morgens und abends ins Freie, sagt die Seniorin. © Peter Dilling

Das Gebäude ist mehr als 45 Jahre alt. Mitarbeiter laufen ständig durch das Haus, um die Temperatur in den Räumen zu messen und um die Bewohner zu ermahnen, nicht tagsüber zu lüften. Draußen wird an vielen Stellen für Schatten gesorgt. Eigenbrodt hat auch die Kleiderordnung gelockert, es gibt kostenlos Selters. „Wir müssen unsere Mitarbeiter arbeitsfähig halten“, sagt er. Diese leiden genauso unter der Hitze

Die Awo mit ihren 30 Pflegeheimen in der Region habe sich längst auf den Klimawandel eingestellt, sagt Pressesprecherin Sigrid Wieder. In einem Haus in Hessisch Lichtenau habe man etwa eine moderne Kühldecke einbauen lassen.

Man habe schon vor ein paar Jahren ein bis zwei große Klimaanlagen pro Wohnbereich installiert, berichtet Ute Schwendt, Leiterin des Pflegeheims des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) in Lohfelden. Es gebe für die Bewohner heruntergekühlte Rückzugsorte, Ventilatoren und Abkühlung mit feuchten Tüchern. Außerdem habe man den Tagesablauf umgestellt, Aktivitäten in den Abend verlagert.

null
Unterm Sonnenschirm lässt es sich aushalten: Alltagsbegleiterin Marion Noll schenkt Lieselotte Wedel (93), Alfred Rosenbusch (82) und Anne Lebherz (90) auf der Terrasse des Seniorenzentrums Waldhof Wasser nach. © Peter Dilling

Keine Probleme mit der Hitze hat auch das Seniorenzentrum Waldhof in Helsa. Die Mauern des geschichtsträchtigen Gebäudes des ehemaligen Nazi-Arbeitslagers sind so dick, dass im Innern auch ohne Klimaanlagen erträgliche Temperaturen herrschen. „Wir haben zusätzliche Trinkstationen eingerichtet“, sagt Jens Ilenburg vom Führungsteam. Pizza und Lasagne sind momentan tabu, leichte Kost steht auf dem Speiseplan. Und Schatten gibt es auf dem weitläufigen Gelände zu jeder Tageszeit irgendwo.

Auch interessant

Kommentare