Mann war ohne Winterkleidung im Wald unterwegs

„Niemand hatte angehalten“: Busfahrer Ferhat Yilmaz rettete Senior vor dem Erfrieren

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An seinem Arbeitsplatz: Ferhat Yilmaz fährt seit über zehn Jahren Bus und hat schon viele Menschen transportiert. Dass er aber einsam wandernde Herren aufsammeln muss, das war dann doch neu. 

Busfahrer Ferhat Yilmaz rettete einen hilflosen Senior, der allein durch die Söhre irrte. Erst hat er es gar keinem erzählt, nicht mal seiner Frau. 

„Ich habe mir gar nichts dabei gedacht“, sagt Ferhat Yilmaz. Jemandem in Not zu helfen, das müsse man halt einfach tun. Yilmaz ist der Busfahrer, der vor zwei Wochen einen offenbar hilflosen, älteren Herren auf der Landesstraße zwischen Eiterhagen und Wattenbach aufgesammelt hatte.

Yilmaz erinnert sich an den Donnerstagabend: „Es war schon dunkel und ziemlich kalt.“ Bereits auf der Hinfahrt von Wattenbach nach Eiterhagen sei ihm der Mann aufgefallen, der entlang der Leitplanke in Richtung Wattenbach lief „und nicht besonders winterfest gekleidet war“. Schon da habe er sich überlegt: „Wenn er auf der Rückfahrt noch da ist, nehm' ich ihn mit.“

Das war auch der Fall. Nachdem Yilmaz in Eiterhagen gewendet hatte, war der Senior noch immer in dem einsamen Waldgebiet unterwegs. Anscheinend hatte in der Zwischenzeit niemand angehalten, so Yilmaz. „Als wir zurückkamen, ruhte er sich schon aus und lehnte an der Leitplanke.“ Yilmaz hielt an.

„Ich weiß, das darf man nicht, aber in dem Fall muss das halt mal sein“, so der 33-Jährige. Der alte Herr sei auch sofort bereitwillig eingestiegen. „Er erzählte, er habe in Melsungen seine Mutter besucht“, so Yilmaz. Jetzt wolle er heimlaufen, nach Hessisch Lichtenau. Die Geschichte machte Yilmaz stutzig, schließlich war Söhrewald von beiden Orten über zehn Kilometer entfernt. Yilmaz rief die Polizei an. Erst habe man sich an der Endstation seiner Route treffen wollen. „Schließlich muss ich auch meinen Fahrplan einhalten“, sagt Yilmaz. Zudem seien auch andere Fahrgäste an Bord gewesen. Dann habe er den dankbaren Senior aber schon an der Stegerwaldstraße in Kassel in die Obhut der Polizei übergeben. Der 72 Jahre alte Mann, der in Söhrewald beheimatet ist, war laut Polizei schon vermisst worden.

Die Polizei lobt Yilmaz' Zivilcourage: „Das war genau richtig so und eine klasse Sache“, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Eine solche Situation, in der ein verwirrter älterer Mensch allein draußen in der Kälte unterwegs sei, könne für den Betroffenen schnell schlimme Folgen haben.

So etwas sei ihm in über zehn Jahren Busfahrerdasein auch noch nicht passiert, erklärt Yilmaz. Privat allerdings schon: Da hat er etwa jemandem geholfen, der umgefallen war. Überhaupt ist ihm Zivilcourage extrem wichtig. 2007 erhielt er eine Kasseler Polizeimedaille, nachdem er einen Autoknacker verfolgt und der Polizei später bei der Identifizierung des Täters geholfen hatte.

Warum er das macht? Ganz einfach: „In solchen Situationen kann ich einfach nicht wegschauen. Ich finde, wenn jemand in Not ist, muss man helfen.“ Auch seinen Arbeitgeber, die Deutsche Bahn, freut das Engagement ihres langjährigen Mitarbeiters. Sie war es auch, die den Kontakt zu dem 33-Jährigen herstellte, der mit Frau und drei Kindern in Baunatal wohnt. „Das macht mich schon richtig stolz“, sagt Teamleiter Falko Minke.

Aus dem Archiv: Nach Unfallübung bei Wellerode: Autofahrer wehrt sich gegen Vorwürfe

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