Coronavirus im Landkreis Kassel

Wattenbacher Dorfgasthäuser unter der Corona-Krise - Grüne Soße gibt es zum Abholen

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Hoffen, bald wieder Gäste im Waldschlösschen begrüßen zu dürfen: Peter Michael und Max Fritsche. 

Auch in Wattenbach im Landkreis Kassel ist die Corona-Krise spürbar. Die Gasthäuser müssen geschlossen bleiben und die Einnahmen fehlen. 

  • Der Coronavirus breitet sich in der Region Kassel weiter aus 
  • Auch in Wattenbach ist die Corona-Krise spürbar 
  • Die Dorf-Gasthäuser müssen geschlossen bleiben 

Wattenbach - Zwei Gasthäuser, 1041 Einwohner und ein Problem: Was tun, wenn die Gäste wegen des Coronavirus nicht mehr zum Essen kommen dürfen? Die beiden Wattenbacher Häuser (Landkreis Kassel) „Waldschlösschen“ und „Zum Söhrewald“ gehen zwei ganz unterschiedliche Wege.

Corona im Landkreis Kassel: Viele Stornierungen 

Eigentlich verdient Peter Michael im Frühjahr gut: Hochzeiten, Konfirmationen und andere Veranstaltungen sorgen für ein Klingeln in der Kasse des Waldschlösschens. Jetzt klingelt allerdings nur das Telefon: „Es kommen viele Stornierungen rein“, sagt der Wirt, dem man auch nach 29 Jahren in der Söhre noch den Berliner Dialekt anhört.

Jetzt übernachten nur noch ein bis zwei Monteure in der Pension. „Momentan können wir nicht mal die Fixkosten decken,“ sagt Michael. Lange dürfe das so nicht weitergehen, dann stehe die Existenz auf dem Spiel. Das finanzielle Polster sei aufgrund der umfangreichen Renovierungen in den vergangenen Jahren sowieso nicht groß. Besonders bitter ist die Situation für Sohn Max Fritsche. Der 24-Jährige war erst im vergangenen Jahr ins Geschäft eingestiegen. „Die Selbstständigkeit hatte ich mir auch einfacher vorgestellt. Aber ich bin optimistisch, es wird schon weitergehen.“

Corona im Landkreis Kassel: Aktionsangebote in der Krise 

Damit das klappt, setzten die beiden auch auf Aktionsangebote. „Wir wollen am Gründonnerstag Grüne Soße und am Ostersonntag ein spargelbasiertes Menü auf Vorbestellung zur Abholung und Lieferung anbieten“, sagt Fritsche. Auch mit dem Kauf von Gutscheinen und Wein könnten die Kunden das Lokal unterstützen. 

Die beiden haben sich gegen einen tägliche Liefer- oder Abholservice entschieden. „Der Aufwand ist zu hoch“, sagt Michael. Man müsse täglich alle Geräte hochfahren, was Energie kostet, und Frischware vorhalten. Außerdem bezweifeln sie, dass das Interesse an einem solchen Service in einem 1000-Seelen-Dorf groß genug ist.

Corona im Landkreis Kassel: Aufbau eines Lieferservice 

Etwa 100 Meter weiter die Straße hinab sieht man das anders: Dort hat das Gasthaus „Zum Söhrewald“ am vergangenen Wochenende einen Lieferservice aufgebaut. „Freitag haben wir die Flyer im Ort verteilt. Bis Sonntagabend waren wir bei 190 Essen“, sagt Chefin Andrea von Schumann-Ebert. Montag seien dann noch einmal 50 Bestellungen eingegangen. „Das läuft viel besser als erwartet.“ 

Drei Gerichte gebe es zur Auswahl, die könne man telefonisch vorbestellen und dann abholen. Innerhalb von Wattenbach kann bei Bedarf auch geliefert werden. Kleine Anpassungen, wie bei der Soße, seien kein Problem, sagt von Schumann-Ebert. Auch Übernachtungsgäste habe sie noch einige. Gemeinsames Frühstücken gebe es aber nicht mehr. Trotzdem: „Die bekommen ihr Frühstück inklusive Kaffee jetzt einfach To Go.“ 

Aufgeben, den Kopf in den Sand stecken, das gehe in der Krise gar nicht, findet sie. „Wenn man nichts macht, wird es auch nicht besser. Unsere Einbußen halten sich in Grenzen.“ Sogar zu Späßen ist sie noch aufgelegt: „Also meine grauen Haare, die ich habe, hab ich nicht wegen Corona. Ich habe sogar das Gefühl, ich bin momentan öfter bei der SB Union als in normalen Wochen.“

Weitere Neuigkeiten zum Coronavirus in der Region Kassel sind im Newsticker zu finden. 

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