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Drohnen helfen in Söhrewald beim Hochwasserschutz

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Von: Michaela Pflug

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Die Simulation zeigt den Verlauf eines Starkregenereignisses in Wellerode ohne Rückhaltebecken am Schwarzebach.
So sieht die Simulation aus: Der Verlauf eines Starkregenereignisses in Wellerode ohne Rückhaltebecken am Schwarzebach. Das Bild weiter unten zeigt den Verlauf mit Becken. © KC Becker/Alexandra Seitz

Lokale Flutkatastrophen häufen sich. Viele Kommunen rüsten bei der Prävention daher auf, etwa mit Fließpfad- und Starkregengefahrenkarten. Ganz genau wollte es die Gemeinde Söhrewald wissen.

Söhrewald – In deren Auftrag hat das Unternehmen KC Becker das Gebiet von Wellerode mit Drohnen überflogen, kartiert und vermessen. Entstanden ist dabei unter anderem eine Karte mit Höhenprofil, die innerorts bis auf 2,5 Zentimeter genau ist, wie Thomas Becker von KC Becker erklärt. Unter Einbeziehung bestehender Daten etwa zum Kanalnetz, Bauwerken und Wettermustern entstand eine Datenbank.

Auf deren Grundlage hat KC Becker schließlich Modelle erstellt. „Wir können so verschieden starke Regenfronten simulieren und potenzielle Gefahrenstellen identifizieren“, erklärt Becker den Sinn des Projekts. „Unsere Berechnungen haben wir dann auch mit realen Ereignissen verglichen und unsere Modelle noch weiter angepasst“, sagt Becker.

So sieht die Simulation mit Rückhaltebecken aus: Der Verlauf eines Starkregenereignisses in Wellerode am Schwarzebach.
So sieht die Simulation mit Rückhaltebecken aus: Der Verlauf eines Starkregenereignisses in Wellerode am Schwarzebach. © KC Becker/Alexandra Seitz

Ein großer Mehrwert des Programms dürfte sein, dass auch Auswirkungen präventiver Maßnahmen wie Rückhaltebecken, Bachverbreiterungen oder Dämme simuliert werden können. „Wir haben uns zum Beispiel angeschaut, was passiert, wenn man am Schwarzebach ein Rückhaltebecken schaffen würde“, erklärt Becker. Bei einem Starkregen über sechs Stunden mit 190 Millimeter würden nämlich auch Teile der Kita überschwemmt werden. Mit Becken wäre das nicht der Fall, wie die Simulation zeige.

Allerdings ist das ein Regenereignis, so Bauamtsleiter Stefan Weise, das noch etwa 25 Prozent heftiger als das Hochwasser Ende Juni und damit nicht besonders wahrscheinlich wäre. Es zeige aber das Potenzial des Programms. Becker warnt aber auch: „Virtuell geht natürlich viel, aber man muss sich dann in der Praxis genau anschauen, was umsetzbar ist“. Schließlich spielten auch rechtliche Vorgaben und Besitzverhältnisse eine Rolle.

In Zukunft sei so eine bessere Planung von Bau- und Infrastrukturprojekten möglich, erklärt Weise. Auch der Feuerwehr könnten durch die Simulationen gewonnene Erkenntnisse und Gefahrenanalysen bei ihren Einsätzen helfen. Zusätzlich profitierten auch die Nachbarkommunen Kassel und Lohfelden, mit denen die Kooperation in den vergangenen Jahren intensiviert wurde. „Es geht uns grundsätzlich darum, mit dieser detaillierten Bestandsaufnahme besser planen zu können und eine gute Grundlage für politische Entscheidungen zu bieten“, sagt er. Daher werde das Projekt nun den politischen Gremien und sobald es die Coronalage zulasse auch den Bürgern detailliert vorgestellt.

Viel gekostet hat das Projekt die Gemeinde übrigens nicht, 80 Prozent der knapp 50 000 Euro könnten über Fördergelder zum Hochwasserschutz gedeckt werden, so Weise. (Michaela Pflug)

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