Zwei Wohnhäuser brannten

Familientragödie in Wattenbach? Mann tot aus seinem Haus geborgen

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Die Hausnummer 7: Aus diesem Wohnhaus an der Kapelle in Söhrewald-Wattenbach wurde ein 40-Jähriger tot geborgen. Manche zerbrochenen Scheiben zeugen noch vom Brand.

Zwei Brände, ein Toter und hunderttausende Euro Schaden: Das ist die Bilanz der Nacht zu Mittwoch in Söhrewald. Eine Nachbarin und die Polizei sprechen über die Hintergründe.

„Ich war mir zu 99 Prozent sicher, dass mein Nachbar noch in dem brennenden Haus ist.“ Heike Siegner steht am Mittwochmorgen gegen zehn Uhr an der Straße „An der Kapelle“ vor dem Haus Nummer sieben, das in der Nacht zu Mittwoch in Flammen stand. Seit etwa 2.20 Uhr ist sie auf den Beinen – ihre Tochter war durch den Rauchgeruch aus dem Nachbarhaus wach geworden und hatte die Familie geweckt. 

„Wir mussten unser Haus verlassen, die Flammen hätten überschlagen können“, sagt die Mutter von zwei Kindern, die mit ihrem Mann in der Nummer neun lebt. Angst um sich, ihre Familie und ihr Haus habe sie nicht gehabt. „Aber um die Familie, die an der Brunnenstraße in dem Gebäude lebt, das auch gebrannt hat, hab ich mir Sorgen gemacht.“

Hier befanden sich die Brandstellen in Wattenbach.

Zu besagtem Haus wurden Feuerwehr und Polizei gegen 2.10 Uhr gerufen. „Als wir ein paar Minuten später eintrafen, stand der Dachstuhl bereits in Vollbrand, die dreiköpfige Familie, die im Erdgeschoss lebt, war aber in Sicherheit“, sagt Gemeindebrandinspektor Stefan Saftig. 

Die Ereignisse überschlugen sich: „Auf dem Weg in die Brunnenstraße wurden wir über den Brand ein paar Meter weiter an der Straße An der Kapelle informiert.“ Es musste an zwei Orten parallel gelöscht werden. „An der Kapelle war das Feuer um drei Uhr aus“, sagt Saftig.

Obwohl es an der Kapelle schnell ging mit dem Löschen, bestätigte sich die Annahme von Heike Siegner: Ihr Nachbar hatte sich beim Brand tatsächlich im Haus befunden, die Feuerwehr barg seinen leblosen Körper. „Mein Mann hatte ihn am Dienstagabend gegen 23.30 Uhr noch beim Blumengießen getroffen“, erzählt Siegner. Wie es dazu gekommen sein könnte, dazu möchte sie nichts sagen.

Die Polizei sagt mehr: „Wir gehen davon aus, dass der Mann die Brände selbst gelegt und in Kauf genommen hat, dass seine Mieter mit ihrer Tochter an der Brunnenstraße Schaden nehmen“, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Ebenso hätten die Ermittlungen ergeben, dass der Mann wohl Suizid begangen habe. „Die Hypothese ist, dass er zuerst das Feuer an der Brunnenstraße und dann das an der Kapelle gelegt hat, da er in dem Haus an der Kapelle gefunden wurde, in dem er lebte“, sagt Mänz. Es handele sich vermutlich um schwere Brandstiftung, ein versuchtes Tötungsdelikt und Suizid.

Zwei Großbrände in Söhrewald-Wattenbach

 © HessennewsTV
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 © Moritz Gorny
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Wie der 40-Jährige die Brände gelegt und bewusst seine Mieter in Gefahr gebracht hat, dazu will Mänz noch nichts sagen. „Das würde unsere Ermittlungen tangieren.“ Die Polizei habe keine Hinweise auf familiäre Beziehungen zwischen dem 40-Jährigen und seinen Mietern. Dennoch gehe man von einem „Motiv im familiären Bereich aus“. Der Mann habe Familie, jedoch sei keines seiner Familienmitglieder mit im Haus gewesen, so Mänz.

Der Brand am Gebäude an der Brunnenstraße konnte gegen 8.45 Uhr gelöscht werden. Laut Polizei ist hier ein Schaden von rund 300.000 Euro entstanden. An der Kapelle seien es ebenfalls mehrere hunderttausend Euro.

80 Feuerwehrleute waren im Einsatz, aus Söhrewald, Lohfelden, Hessisch Lichtenau und Kassel. Vor Ort waren auch ein DRK-Betreuungszug, zwei Rettungs- und ein Notarztwagen.

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