Hessenforst: Viele Spaziergänger ignorieren die Sperrungen

Im Wald herrscht Lebensgefahr

Ein großes Banner am Anfang des Wanderweges soll die Menschen auf die lebensgefährlichen Arbeiten hinweisen. Darauf machen Matthias Haase (Revierleiter von Wellerode) und Petra Westphal (Leiterin des Forstamt Melsungen) am Wanderparkplatz „Am Brandt“ aufmerksam.
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Ein großes Banner am Anfang des Wanderweges soll die Menschen auf die lebensgefährlichen Arbeiten hinweisen. Darauf machen Matthias Haase (Revierleiter von Wellerode) und Petra Westphal (Leiterin des Forstamt Melsungen) am Wanderparkplatz „Am Brandt“ aufmerksam.

Wenn die Waldarbeiter Bäume fällen, ist Vorsicht geboten, denn es besteht Lebensgefahr. Deshalb werden die Waldwege zur Sicherheit der Besucher gesperrt – jedoch halten sich nicht alle daran. Gerade wegen Corona seien vermehrt Spaziergänger unterwegs, da es kaum andere Freizeitmöglichkeiten gibt. Manchmal tauchen bis zu 30 Personen an einem Tag bei den Waldarbeiten auf.

Kreis Kassel/Söhrewald – Das hat das Forstamt Melsungen bei den momentanen Waldarbeiten bei Söhrewald festgestellt. Doch auch andere Forstämter, wie Wolfhagen und Hessisch Lichtenau, berichten von diesen Vorfällen.

Da viele Bäume durch die Trockenheit geschädigt sind oder vom Borkenkäfer befallen, müssen sie gefällt werden. Das geschieht letztendlich auch zum Schutz der Waldbesucher, da Kronenteile der Bäume jederzeit spontan abbrechen oder der ganze Baum umfallen könnten. „Das Ziel ist eine höhere Sicherheit entlang der Waldwege, bevor es Frühling wird“, sagt Petra Westphal, Leiterin des Forstamt Melsungen. Die Arbeiten im ganzen Revier sollen etwa bis März andauern.

Am Wanderparkplatz „Am Brandt“ ist ein großes Banner angebracht. Da ist klar erkenntlich: Der Durchgang ist verboten. Zusätzlich steht am Rand ein weiteres Plakat, das die lebensgefährliche Situation im Wald beschreibt. „Wir hoffen damit auf mehr Verständnis“, sagt Westphal.

Viele Menschen unterschätzen die Situation und bringen sowohl sich als auch andere in Gefahr. Die Bäume könnten wie bei einem Dominoeffekt umfallen. „Eine starke Buche kann sogar fünf Tonnen wiegen“, erklärt Matthias Haase, Revierleiter von Wellerode. Zusätzlich werden die Forstwirte einer Gefahr ausgesetzt. „Die Arbeit erfordert hundertprozentige Konzentration“, so Westphal.

Deshalb gebe es noch genügend andere Wege, die von den Besuchern genutzt werden können. Doch trotzdem sollten die Leute achtsam sein, da nicht immer alle Pfade abgesperrt werden können. „Wenn sie eine Motorsäge hören, sollten sie besser zurückgehen“, erklärt Westphal. Die Probleme, die die Forstämter schildern, erleben die Arbeiter direkt vor Ort. „Es gibt immer Leute, die die Banner ignorieren“, sagt Forstwirtschaftsmeister Walter Schley. Außerdem sei es extrem gefährlich an den Maschinen vorbei zugehen. Es könnte etwas runterfallen oder ein Schlauch könnte platzen. „Das ganze System kommt ins Wanken“, sagt sein Kollege Roger Schmidt.

Auch das Forstamt Wolfhagen berichtet von Besuchern, die die Absperrungen ignorieren und sich und andere damit in Lebensgefahr bringen. „Das sollte aber nicht vorkommen“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamts. Es könnten tonnenschwere Bäume herunterfallen. Die Waldarbeiter müssen sich jedoch auf den Baum und die eigene Sicherheit konzentrieren. „Die Leute müssen sich zwingend an die Sperrungen halten“, sagt Zindel.

Auch beim Forstamt Hessisch Lichtenau komme es vor, dass Leute die Absperrungen ignorieren, jedoch sei das kein Dauerproblem. Im ländlichen Raum würden sich die Menschen vermehrt an die Regeln halten, wie Forstamtsleiter Matthias Dumm schildert.

(Samira Müller)

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