Schädlingsbekämpfung

Mit dem Spezial-Harvester gegen die Borkenkäfer in der Söhre

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So sehen die Bäume aus nachdem der Harvester mit Debarking-Kopf im Einsatz war: Der kann nicht nur bei Fichten, sondern auch bei vielen anderen Baumarten zum Einsatz kommen.

Dem Wald in Nordhessen geht es schlecht. Dürre und Borkenkäfer setzen ihm zu. Ein spezieller Kopf für den Harvester soll jetzt im Kampf gegen Schädlinge helfen. 

Wer durch die Söhre spaziert, dem fällt auf: Dem Wald geht es nicht gut. Zwischen den Bäumen tun sich kahle Stellen auf, Windbruch liegt auf dem Boden, am Wegesrand stapeln sich die Stämme in Lagern meterhoch. Einen aber freut, was Fachleute beim Ortstermin als „Katastrophe“ und „Drama“ bezeichnen, ganz besonders: den Borkenkäfer. Um diesem den Garaus zu machen, fahren das Forstamt Melsungen und Hessen Forst jetzt ein schweres Geschütz auf: eine Holzerntemaschine mit speziellem Entrindekopf. In ganz Hessen gibt es laut Hessen Forst nur drei Harvester mit solcher Ausstattung.

„Dieser Debarking Head (deutsch: Entrindekopf) wurde eigentlich für die Bewirtschaftung von Eukalyptusplantagen entwickelt. Hier wird er jetzt für unsere Verhältnisse erprobt“, erklärt Steffen Wildmann vom Forstamt Melsungen. Erst seit einer Woche sei der Entrindekopf im Einsatz, doch man sei zuversichtlich, dass sein Einsatz sich als ein Gewinn für den Wald und in der Schlacht gegen den Borkenkäfer erweisen werde. Das Besondere an diesem Aufsatz sei nämlich, dass er den Baum nicht nur von Ästen befreit, sondern auch die Rinde komplett abschält. Damit verliert der Borkenkäfer seine Brutstätte.

„Es ist gut, dass wir momentan frieren. Die Kälte gibt uns mehr Zeit“, erklärt Petra Westphal, Leiterin des Forstamtes. Das Zeitfenster, um den Borkenkäfer im richtigen Entwicklungsstadium zu erwischen, verlängere sich durch die Kälte von vier auf sechs Wochen. Die Larven vertrockneten dann in der abgeschälten Rinde und könnten nicht weiter die saftführenden Schichten des Baumes und damit seine Lebensader zerfressen.

Der Kopf ist so groß wie ein Mensch: Im Hintergrund Peter Sobel, der normalerweise den Harvesters steuert.

„Der Borkenkäfer ist so stark, weil der Wald geschwächt ist“, sagt die Hessische Umweltministerin Priska Hinz, die vor Ort den Einsatz des Harvesters begutachtete. In Nordhessen würden die Folgen des Klimawandels in Form von Wetterextremen besonders deutlich. „Erst kam Sturm Frederike, dann die Dürre im Sommer. Auch dieser Winter war zu trocken und dann war da noch Sturmtief Eberhard“, erklärt Hinz. Der Wald sei stark geschwächt und hätte so Schädlingen und Krankheiten wenig entgegenzusetzen. „2018 war eine echte Katastrophe für unseren Wald“, sagt auch Westphal. „Wir setzen alles daran, für den Wald zu kämpfen, aber es ist noch nicht absehbar, ob das gelingt.“

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Ein Puzzlestein ist der Harvester, aber auch mit Borkenkäfermeldeapp und Folienlagern versuchen die Forstleute innovativ für die Waldgesundheit zu kämpfen. Für die Waldarbeiter sprang Hinz noch einmal in die Bresche und versuchte das Argument zu entkräften, man betreibe Raubbau: „Glauben Sie mir, niemand macht das gern. Aber was krank ist, muss schnellstmöglich raus aus dem Bestand. Auch wirtschaftlich ist das nicht sinnig, wir können gar nicht so viel verkaufen.“ Denn ganz Mitteleuropa kämpfe mit ähnlichen Problemen.

Auch in anderen Regionen bereitet die Ausbreitung des Borkenkäfers den Wäldern Probleme: Mit Tablet, Fernglas und Spraydose wird in Naumburg gegen die Schädlinge gekämpft, auch im Solling bereiten die kleinen Tiere große Probleme.

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