Große Hilfsbereitschaft in Nordhessen

Nach Brand in Söhrewald-Eiterhagen: Die Trümmer zweier Existenzen

+
Bedankt sich für die Unterstützung: Bernd Reiter, Vater eines der Brandopfer.

Sie stehen vor den Trümmern ihrer Existenz – und das wortwörtlich. Bei dem Brand am Montag in Eiterhagen haben zwei Familien ihr Heim und ein Sohn seine Mutter verloren.

Der einzige Lichtblick: Die Hilfsbereitschaft der Nordhessen.

„Wir haben schon einiges bekommen“, sagt Bernd Reiter. Seine Tochter Michelle Strack wohnte mit dem 27-jährigen Philipp Zimmermann im Haus an der Mühlengasse 4. Dort wo Zimmermanns 68-jährige Mutter in den Flammen starb. „Sie war bettlägerig und schwer krank“, sagt Reiter. Zimmermanns Versuche, die Mutter zu retten, seien vergeblich gewesen. Das Feuer war schon zu weit fortgeschritten, sodass er nicht mehr zur Mutter gelangte. Das Glück des Paares sei wohl gewesen, dass der Hund Rabatz gemacht hat und sie in der Nähe der Haustür schliefen. So kam das Paar mit einer Rauchgasvergiftung davon. „Philipp ist am Boden zerstört“, sagt Reiter. Auch seine Tochter belaste das Geschehene stark. „Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll.“

Zunächst stehe die Frage im Raum, wie die Beerdigung der Mutter bezahlt werden soll. Und auch der Schutt müsse abtransportiert werden. Nach dem Brand waren Teile des Gebäudes abgerissen worden. Der Schutt müsse fachmännisch entsorgt werden, aber das kostet besonder viel Geld. „Leider sind die beiden extrem schlecht versichert und Rücklagen haben sie auch keine.“ Statt sich um so etwas zu kümmern, habe der junge Mann laut Reiter sein ganzes Geld in den Umbau des Hauses und besonders die angrenzende Kneipe gesteckt. „Sein Engagement habe ich immer bewundert. Er hat ja auch noch die Mutter gepflegt, in der Tankstelle gearbeitet und vor Kurzem ein kleines Restaurant an einem Campingplatz bei Melsungen übernommen.“ Umso mehr störten ihn die Spekulationen, die im Dorf kursieren. „Ich wünschte mir, die Leute würden das Ergebnis der Ermittler abwarten.“ Die laufen laut Polizei noch. Derzeit sprächen die Ermittlungsergebnisse für eine technische Ursache, höchstens eine fahrlässige Brandentstehung.

Das Paar sucht nun eine Wohnung. Momentan seien sie zwar bei einem Freund untergekommen, das sei aber keine Dauerlösung. „Wir hoffen, die Kneipe kann man noch retten“, sagt Reiter. Genau einschätzen, könne man das noch nicht. Denn die Gebäude können aufgrund der Einsturzgefahr nicht betreten werden. Das betrifft auch die Familie nebenan, die über Jahre das Haus liebevoll saniert hätten und gerade erst fertig geworden sind, erklärt Reiter. „Es ist mir ganz wichtig, auch noch einmal darauf hinzuweisen, dass es nicht nur uns, sondern auch diese Familie sehr hart getroffen hat und sie Unterstützung braucht.“

Brand in Wohnhaus in Söhrewald

 © Feuerwehr/nh
 © Feuerwehr/nh
 © Feuerwehr/nh
 © Feuerwehr/nh
 © Feuerwehr/nh
 © Feuerwehr/nh
 © Hessennews TV
 © Hessennews TV
 © Hessennews TV
 © He ssennews TV
 © Hessennews TV
 © Hessennews TV
 © Hessennews TV
 © Hessennews TV
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michael a Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug
Brand Eiterhagen Mühlengasse
 © Michaela Pflug

Gleich mehrere Stellen sammeln Spenden:Konto der Gemeinde Söhrewald, Kasseler Sparkasse, IBAN DE 38 5205 0353 0222 0000 53, Verwendungszweck „Brandkatastrophe Eiterhagen 05.08.2019“. Sachspenden sammeln Familie Sondermann, Forststraße 4, und Sieglinde Sondermann, Grüne Aue 2, Eiterhagen. Gesucht werden Kleidung in 110/116, 42 für Damen und XL für Herren, Spielzeug und gut erhaltene Hauswaren. Bernd Reiter erreicht man unter 01 76/41 80 07 06.

Bedankt sich für die Unterstützung: Bernd Reiter, Vater eines der Brandopfer. 

Lesen Sie dazu: Nach Brand in Eiterhagen: Dorfgemeinschaft will Opfern helfen

Das sagt ein Versicherungskaufmann

"Wer keine Versicherung abgeschlossen hat, bleibt auf dem Schaden sitzen, wenn es brennt“, sagt Walter Thomas (lokaler Sprecher Bundesverband der Versicherungskaufleute). Im Eiterhagener Fall müsse die Familie jetzt also auf „freiwillige Hilfe“ durch Spenden hoffen. „Gerade bei alten Fachwerkhäusern sind Versicherungen sinnvoll, denn hier richten Löscharbeiten oft große Schäden an, weil die Bauwerke empfindlicher sind.“ 

Er empfiehlt eine Gebäudeversicherung für alles, was sich nicht bewegen lässt und eine Hausratsversicherung für das Inventar. „Auch wenn in beiden Brandschutz vorkommt, doppelt sich das nicht, denn sie decken unterschiedliche Dinge ab.“ Thomas rät Hausbesitzern mit alten Versicherungsverträgen, sich darüber zu informieren, was durch Policen abgedeckt ist. Das sollte auf den neuesten Stand gebracht werden. Sein Haus zu versichern, ist aber seit 1994 eine freiwillige Sache." 

Außerdem interessant: Ursache für Brand in Söhrewald-Eiterhagen steht noch nicht fest

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.