Hilfe aus dem ganzen Land

Nach Brandstiftung in Wattenbach: Firma sammelt für ihren Mitarbeiter

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Hier lebte der Mitarbeiter der Firma Orth: das Haus an der Brunnenstraße in Wattenbach nach dem Brand.

Das Firmentelefon von Sascha Orth steht kaum still. Ein Spendenaufruf für einen Mitarbeiter seiner Firma, der Opfer eines Brandes wurde, geht durch die Decke.  

Über seine Spedition Orth Transport und Logistik hat er eine Spendenaktion für seinen Mitarbeiter und Vater der Familie gestartet, die in der Nacht zu Mittwoch in Wattenbach durch Brandstiftung ihre Wohnung verlor. „Wir kriegen durch unseren Facebook-Aufruf viele Anrufe und hunderte Nachrichten“, sagt der 29-jährige Firmeninhaber und Geschäftsführer. „Menschen aus ganz Deutschland wollen helfen und spenden.“

Kleidung, Möbel, aber auch Geld. „Manche haben ihre Sachen sogar schon bei uns hier in Schauenburg vorbeigebracht, bei anderen holen wir sie ab. Die Anteilnahme ist riesig. Auch von meinen anderen Mitarbeitern. Wahrscheinlich auch, weil der Fall so tragisch ist.“

Sascha Orth, Geschäftsführer und Inhaber

In der Nacht zu Mittwoch hatte ein 40-Jähriger nach Erkenntnissen der Polizei seine zwei Wohnhäuser in Söhrewald-Wattenbach in Brand gesetzt. In einem Haus, das an der Brunnenstraße liegt, lebte die Familie mit ihrer sechs Monate alten Tochter. Der Brandstifter hatte hier offenbar bewusst in Kauf genommen, dass die Familie sterben könnte. Im zweiten Haus, an der Straße An der Kapelle, lebte der 40-Jährige selbst. Auch dieses setzte er in Brand und beging laut Polizei dort Suizid. Die Feuerwehr barg seinen leblosen Körper aus dem Gebäude.

„Schlimm ist auch, dass der 40-Jährige und mein Mitarbeiter am Dienstagabend noch gemeinsam Benzin gekauft haben“, sagt der Logistikchef. „Der Mann hat meinem Mitarbeiter gesagt, er brauche das Benzin für den Rasenmäher.“ Orth erzählt: „Mein Mitarbeiter sagte mir, dass seine Frau durch das sechs Monate alte Kind einen leichten Schlaf hat und nur wenige Stunden später durch ein Knacken aufgewacht ist.“ So hätten sie das Feuer bemerkt und sich unversehrt ins Freie retten können. Wie dem 29-Jährigen vom Familienvater erzählt wurde, habe der Brandstifter eine Werkstatt im Haus an der Brunnenstraße gehabt und sich darüber nachts Zutritt zum Dachboden verschafft. Dort habe er das Benzin verteilt, um Feuer zu legen.

„Mein Mitarbeiter hatte mit seinem Vermieter das Erdgeschoss kurz zuvor sanieren lassen und wohnte da erst etwa sechs Wochen drin.“ Er habe zuvor in Trendelburg gelebt und sei nach Wattenbach gezogen, um einen kürzeren Weg zur Arbeit zu haben. Seit drei Jahren arbeite er bei der Firma Orth. „Beim Brand wurde alles zerstört, da kam mir beim Zähneputzen die Idee, über Facebook eine Spendenaktion zu starten“, sagt der Firmenchef. 

Mit dem Aufruf habe er die 200 Menschen erreichen wollen, die der Firma ein Like gegeben haben, „jetzt sind es 30.000 und wir haben schon ein halbes Dutzend Wohnungsangebote aus denen wir gemeinsam eine passende raussuchen.“ Wie es weitergeht? „Die drei müssen sich erst mal vom Schock erholen“, sagt der Fuhrparkleiter der Spedition, Dirk Lüttich. „Eigentlich wollte unser Mitarbeiter sogar wieder arbeiten, aber das haben wir ihm ausgeredet.“ Warum es zu dem Vorfall kam, wissen Orth und Lüttich nicht.

Dirk Lüttich, Disponent und Fuhrparkleiter

Dazu macht auch die Polizei bislang keine Angaben: „Alles, was wir dazu sagen möchten, ist, dass es wohl ein Motiv im familiären Bereich war und das Wohnhaus an der Brunnenstraße unbewohnbar und für Ermittlungen beschlagnahmt ist“, sagt Sprecher Matthias Mänz.

Information: Hier ist der Aufruf zu finden: facebook.com/OrthTransporte/. Spendenkonto: IBAN: DE21 5209 0000 0102 7509 00

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