„Mir ging das Herz auf“

Postbotin aus Söhrewald wurde in Kassel bestohlen – Anwohner sammeln Geld

Postbotin Clara Dietzel aus Söhrewald wurde auf einem Supermarktparkplatz in Kassel ausgeraubt. Unterstützung bekam sie von den Anwohnern aus Niederzwehren.
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Postbotin Clara Dietzel aus Söhrewald wurde auf einem Supermarktparkplatz in Kassel ausgeraubt. Unterstützung bekam sie von den Anwohnern aus Niederzwehren.

Clara Dietzel aus Söhrewald arbeitet seit 25 Jahren als Postbotin in Kassel. Vor kurzem wurde sie bestohlen – doch die Anwohner in Niederzwehren unterstützten sie.

Söhrewald/Kassel – Der Schock sitzt bei Clara Dietzel immer noch tief. Vor knapp zwei Wochen wurde die Postbotin auf einem Supermarktparkplatz im Kasseler Stadtteil Niederzwehren beklaut. „Ich war gerade dabei, aus dem Transporter Pakete in die Packstation ein- und auszuladen“, erzählt Dietzel, die im Söhrwälder Ortsteil Wattenbach wohnt.

Die Tür des Transporters ließ sie währenddessen offen. „Es waren einige Pakete, deshalb hat es etwas gedauert“, sagt sie. Dann passierte es: Ein Unbekannter stieg unbemerkt in das Postauto und nahm Dietzels Rucksack mit. „Ich hab das zunächst gar nicht gemerkt und bin ganz normal meine Runde gefahren“, sagt sie.

Zunächst bemerkte Dietzel den Diebstahl nicht

Erst als Dietzel eine Pause machte und nach ihrem Rucksack greifen wollte, bemerkte sie, dass dieser fehlte. „Ich dachte, erst ich hätte ihn am Stützpunkt oder an der Packstation liegen gelassen“, sagt sie. Doch dort war ihr Rucksack nicht. „Dann ist mir klar geworden, was passiert ist.“ Dietzel rief die Polizei. „In meinem Rucksack war alles. Portemonnaie mit Geld, Ausweis und allen Karten. Auch mein Autoschlüssel, der im Rucksack war, war weg.“

Aufnahmen der Überwachungskamera auf dem Parkplatz bestätigten Dietzels Verdacht: „Dort sieht man, wie ein Mann in den Transporter steigt und meinen Rucksack mit nimmt,“ sagt sie. Zu erkennen war er nicht. „Er trug eine Maske und hatte eine Kapuze auf. Ich finde es wirklich erschreckend, wie skrupellos die Leute geworden sind.“

Anwohner unterstützten die Postbotin

Als die Anwohner in Niederzwehren, bei denen Dietzel jeden Tag Pakete und Briefe austrägt, von dem Vorfall hörten, unterstützten sie die Briefträgerin. Zwei Tage später bekam Dietzel eine Karte von den Anwohnern. „Sie hatten mir einen sehr lieben Text geschrieben und mir Mut zugesprochen“, sagt Dietzel.

Zusammen mit der Karte bekam Dietzel auch etwas Geld, was die Anwohner für sie in der Nachbarschaft gesammelt hatten. „Ich habe mich gefragt, womit ich das verdient habe. Da ist mir das Herz aufgegangen.“

Seit fünf Jahren trägt Dietzel Briefe und Pakete in Niederzwehren aus. Viele der Anwohner kennen Postbotin Clara Dietzel seit Jahren. „Man hält ab und zu einen kleinen Plausch am Gartenzaun. Manchmal werde ich auch auf eine Tasse Kaffee eingeladen“, erzählt sie.

„Die Hilfsbereitschaft der Anwohner war so schön“

Dietzel arbeitet bereits seit 25 Jahren als Postbotin in Kassel. „Ich habe schon in der ganzen Stadt die Post ausgetragen. Bad Wilhelmshöhe, Harleshausen, fast in allen Stadtteilen“, erzählt sie. Die Freundlichkeit der Menschen sei einer der Gründe, warum sie immer noch Freude an ihrer Arbeit hat.

„Die Hilfsbereitschaft der Anwohner, nachdem mir mein Rucksack gestohlen wurde, war so schön“, so Dietzel. „Sie sind immer für uns da, jetzt sind wir mal für sie da“, sagte einer der Anwohner nach dem Vorfall zu Dietzel. „Die lieben Worte sind mehr Wert als alles andere“, sagt sie.

Nun kann Clara Dietzel auch schon wieder etwas lächeln – vor allem wegen der liebevollen Unterstützung der Anwohner aus Niederzwehren. (Eva Krämer)

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