Keine Lust mehr auf Kasperletheater

Michael Jakobshagen zieht sich nach 30 Jahren aus Söhrewalder Politik zurück

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Hat jetzt mehr Zeit für seine Hobbies: Michael Jakobshagen aus Eiterhagen hat sein Mandat in der Gemeindevertretung zurückgegeben.

30 Jahre, eine Woche und ein paar Tage spielte Michael Jakobshagen mit, bei dem was er heute als "Kasperletheater" beschreibt. Den meisten ist dieses Theater als Söhrewalder Gemeindevertretung bekannt.

Und die befindet sich fest in SPD-Hand - zu fest, findet Jakobshagen. Mit der SPD als Partei und ihren Positionen hat er kein Problem, sondern mit deren „Allmacht“.

Das war der Grund, warum er sich damals überhaupt in der Kommunalpolitik engagierte: „Wir wollten der Machtposition der Partei in der SPD-Hochburg Söhrewald entgegenwirken.“ Und wer wäre da besser geeignet, als die damals noch jungen Wilden in Form der Grünen. Und so begann sich Jakobshagen kurz nach seinem Umzug aus Kassel ins beschauliche Söhrewald kommunalpolitisch zu engagieren.

„Und zu manchen Zeiten hat es auch ein wenig geklappt gegen die rote Allmacht anzukämpfen“, sagt der Eiterhagener. Unter den Bürgermeistern Burkhard und Bachmann zum Beispiel habe ihm Gemeindepolitik richtig Spaß gemacht, auch kleine Fraktionen seien ernst genommen worden. „Der Gemeindehaushalt wurde entschuldet, wir haben es geschafft, aus der Finanzaufsicht zu entkommen, die Haushalte waren ausgeglichen. Das konnte man unter anderem durch den Verzicht auf Vorzeigeprojekte erreichen“, sagt Jakobshagen.

Damit spielt er auf das Projekt Sanierung Fahrenbach hin, das seine Fraktion nicht unterstützte. „Dabei sind wir grundsätzlich gar nicht dagegen. Es ist doch nur die Frage, warum deswegen andere wichtige Projekte zurückstehen müssen.“ Überhaupt hat er das Gefühl, dass seit einigen Jahren die Oppositionsarbeit immer schwieriger würde und es immer weniger gut klappe an der Allmacht der SPD zu kratzen. „Anträge wurden meist aus unerfindlichen Gründen abgelehnt, teilweise ins Lächerliche gezogen.“ Dabei habe man auch für Projekte gekämpft, die anderswo SPD-Themen seien, etwa E-Mobil-Ladesäulen und Stellplätze für Wohnmobile.

Auch 2016, nach der letzten Kommunalwahl, habe sich das nicht geändert. Damals hatten sich die UNS-Liste gegründet, um der AFD den Einzug ins Parlament zu vermiesen und, weil CDU und Grüne nicht mehr genug Kandidaten fanden. Die Arbeit sei trotz der gewonnenen sieben Sitze aber eher noch schwieriger als einfacher geworden, sagt der 66-Jährige, der vor seinem Ruhestand im Bauamt der Gemeinde Niestetal arbeitete.

Und irgendwann sei dann mal Schluss: „Die Zeit kann ich anders besser verbringen.“ Etwa mit Modelleisenbahnbauen, ehrenamtlichem Werkunterricht in der Schule und der Agitation von außen. Denn: „Ich habe das Gefühl, von außen kann man mehr erreichen als von innen.“ Etwa die Gemeinde verklagen und Mitbürger zum Widerspruch animieren. Eines Tages, könne er sich auch vorstellen, wieder zu kandidieren. „Allerdings nur wenn sich die Machtverhältnisse ändern und es kleine Parteien wieder einfacher haben.“

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