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Kinderbetreuung ist angespannt: Söhrewalds Bürgermeister Ralf Eberwein über seine Monate im Amt

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Von: Michaela Pflug

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Ralf Eberwein in der Natur.
Ralf Eberwein ist seit vier Monaten Bürgermeister von Söhrewald. Im Interview redet er über die Herausforderungen des Amtes. © Pflug, Michaela

Wie erleben die Kommunen die aktuelle Zeit? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Heute: Ralf Eberwein (SPD) aus Söhrewald.

Söhrewald – Vier Monate ist Bürgermeister Ralf Eberwein nun im Amt. Eine große Umstellung war es, wie er sagt. Eine bei der ihm sein nettes Team viel, die veraltete Technik wenig half. Wir sprachen mit ihm auch über Kinderbetreuung, Radwege und anstehende Veranstaltungen.

Die ersten 100 Tage im Amt sind geschafft. Würden Sie sich noch einmal antreten?

Auf jeden Fall. Auch wenn es etwas anders ist, als ich es mir vorgestellt habe. Ich dachte, dass ich als langjähriger Fraktionsvorsitzender, schon einen größeren Teil der anstehenden Themen kennen würde. Aber, dieser Teil ist verschwindend gering.

Was war die größte Überraschung, im positiven wie im negativen Sinne?

Wie gut ich hier aufgenommen worden bin, wie offen und hilfsbereit alle sind, war die größte Überraschung. Diesen Umgang mit insgesamt 65 Köpfen, hatte ich mir am schwierigsten vorgestellt. In das Thema Personal, habe ich bereits viel Zeit investiert, ich wollte meine Leute kennenlernen. Kurz habe ich schon alle kennengelernt. Mit einem Drittel habe ich bereits ein intensives Gespräch geführt. Ich könnte schon weiter sein, aber wie man auch in der HNA lesen konnte, Erzieher sind am Limit. Die wollte ich nicht noch mit Redebedarf weiter stressen.

Was hat sie negativ überrascht?

Dass es viele Dinge gibt, die nicht angegangen oder ganz zu Ende gedacht worden sind. Ein Beispiel ist die veraltete Telefonanlage. Seit Jahren ist die Umstellung geplant, nun bekommen wir zum 1. Februar endlich IP-Telefonie, können über Handy, PC und natürlich Telefon sprechen. Auch die technische Ausstattung der Verwaltung lässt viel zu wünschen übrig. Allgemein freue ich mich darauf, dass ich mal agieren statt nur reagieren kann – zum Beispiel auf unsere Vereine und Verbände zuzugehen. Dafür fehlt mir aktuell noch die Zeit.

Die Situation in der Kinderbetreuung ist vielerorts angespannt. Wie sieht es in Söhrewald aus?

Es ist nichts so unstet wie die Personalsituation im Kindergarten. Der hohe Krankenstand ist zum einen eine gravierende, wenn auch erwartbare Situation. Zum anderen ist es natürlich sehr schwer, Personal zu bekommen. Solange sich die Personalstandards in Hessen nicht ändern, wird das ein Dauerbrenner sein. In anderen Bundesländern werden mehr Berufsgruppen als Fachpersonal anerkannt.

Wir haben in Söhrewald quasi eine Dauerausschreibung. Einen neuen Mitarbeiter haben wir anstellen können, aber wir hätten gern noch zwei weitere. Diese Arbeitsbelastung führt dann natürlich auch zu Unzufriedenheit beim bestehenden Personal. Hier vor Ort versuchen wir, Personal im Rahmen der PIA-Ausbildung zum Fachpersonal zu qualifizieren. Mittelfristig wäre es sicher auch hilfreich, wenn Erzieher in der Ausbildung besser entlohnt würden.

Schauen wir auf das kommende Jahr. Was erwartet Ihre Bürger neues?

Wir werden die wiederkehrenden Straßenbeiträge umsetzen. Mit der Befragung der Bürger analog zur Grundsteuer wird dieser Prozess zum Anfang des Jahres beginnen. Die Planung für den Anbau Kinderkrippe gehen weiter. Ich hoffe sehr, dass die Ausschreibungsergebnisse mit der Kostenkalkulation übereinstimmen und der Preis nicht noch wahnsinnig nach oben geht. Denn schließlich wollen wir eigentlich nach den Sommerferien mit drei Gruppen starten. Zumindest dürfte die Holzständerbauweise bei der Bauzeit hilfreich sein. Auch bei unserer Bypass-Leitung geht die Planung weiter. Diese soll aber erst 2024 gebaut werden.

Wie sieht es denn bei anderen Bauprojekten aus?

Aktuell planen wir, das Aussehen unserer Kindertagesstätte, die im KVK-Wohnprojekt am Schwarzebach entstehen soll. Da müssen wir dann auch mit der KVK über den Mietzins verhandeln.

Im Baugebiet Sonnenhangweg gibt es noch drei freie Grundstücke, die auf Bauwillige warten. Es gibt zwar Interessenten, aber da ist auch die wirtschaftliche und die Zinsentwicklung ein Faktor.

Immer wieder beschweren sich Bürger über den Zustand des Radwegs Richtung Lohfelden. Ändert sich dort bald etwas?

Da gibt es Fortschritt. Wir haben mit Lohfelden zusammen gesessen und eine Vereinbarung getroffen. Es gab schon einmal einen Förderbescheid für Planungsleistungen, aber der ist nicht abgerufen worden. Diese Förderung werden wir erneut beantragen und die Machbarkeit untersuchen. Denn bei der Söhrebahntrasse haben wir das Problem, dass der Weg teils durch das Gebiet von Hessen Forst läuft und teils die Breiten für einen förderfähigen Ausbau nicht genügen. Aber es gibt ja auch die Alte Welleröder Straße. Die ist asphaltiert und zumindest auf Söhrewalder Gebiet in sehr gutem Zustand. Das ist eine alternative Trassenführung, die wir prüfen lassen möchten.

Natürlich haben wir, genau wie Lohfelden, Interesse daran, dass der Radweg weiter nach Kassel geht. Wir lassen außerdem gemeinsam die Radwegnetze in Wellerode und Vollmarshausen prüfen. Der nächste Schritt wäre, für uns dann zu schauen, wie es in Richtung Wattenbach und Eiterhagen weitergeht. Aber eins nach dem anderen. Denn ein solcher Radweg würde durch bekanntlich schwieriges Terrain führen.

Auf welche Veranstaltung können sich die Söhrewalder freuen?

Wir haben nächstes Jahr eine 700-Jahr-Feier in Wattenbach. Das wird mit Veranstaltungen im Frühjahr starten. Dann wird es im Sommer an einem Wochenende eine Kommers-Veranstaltung geben. Auch für den Herbst sind Events geplant. Da sind unsere Vereine und Verbände stark eingebunden und haben schon einige gute Ideen. Ich hoffe natürlich, viele Söhrewalder bei der Bürgerversammlung am 23. Januar zu sehen.

Normalerweise macht man als Bürgermeister eher etwas für seine Mitbürger. Aber was würden Sie sich von diesen denn wünschen?

Manchmal etwas mehr Verständnis. Nicht alles, ist etwas, was die Gemeinde regeln kann. Stichwort Internetausbau der Goetel. Auch wünschte ich mir Verständnis dafür, dass wir nicht nur den Einzelfall im Blick haben können, sondern hauptsächlich das große Ganze. (Michaela Pflug)

Zur Person

Ralf Eberwein (47) wurde in Kassel geboren und wuchs in Söhrewald auf. Er absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, arbeitete als selbstständiger Agenturpartner und war zuletzt bei einem Industriemakler beschäftigt. Seit 2011 saß er in der Gemeindevertretung Söhrewald und war dort seit 2016 SPD-Fraktionsvorsitzender. Seit 1. September ist er Bürgermeister in Söhrewald. Eberwein wohnt mit seiner Partnerin in Wellerode und hat zwei Kinder (22 und 15 Jahre). In seiner Freizeit treibt er Sport und liest gern, am liebsten Krimis. 

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