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Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel: „Man braucht einen ruhigen Hafen“

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Von: Michaela Pflug

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Plant viele Ausflüge mit dem Wohnmobil: Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel verabschiedet sich in den Ruhestand.
Plant viele Ausflüge mit dem Wohnmobil: Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel verabschiedet sich in den Ruhestand. © Michaela Pflug

Michael Steisel geht bald in Ruhestand. Im Interview spricht er über Fehler, Erfolge und die Frage, ob er Wandern eigentlich wirklich mag.

Söhrewald – Wenn sich Michael Steisel am 31. August aus dem Amt verabschiedet, dann geht auch ein Stück Söhrewalder Geschichte zu Ende. So lange wie er war niemand Bürgermeister in Söhrewald in der Nachkriegszeit. Jetzt schaut er zurück und nach vorn.

Eigentlich hätten wir das Abschiedsfoto am umgebauten Fahrenbach machen müssen. Würden Sie dieses umstrittene Projekt noch einmal umsetzen?

Jeder Zeit. Denn es erhöht die Attraktivität und Lebensqualität der Gemeinde. Und das ist all die Jahre immer mein Ziel gewesen. Der Fahrenbach wird genutzt, da spielen Kinder. Bei einer Wanderung im Rahmen der Grimmsteigtage sind wir dort entlang und die Teilnehmer waren begeistert, dass es gelingen kann, einen Bach so erlebbar zu machen.

Es war auch immer mein Anliegen, umzusetzen oder zu unterstützen, was in einem demokratischen Prozess – ob im Gemeindevorstand oder der -vertretung, in Vereinen und Initiativen oder wie in diesem Fall im Arbeitskreis Dorferneuerung entschieden wurde.

War das ihr Lieblingsprojekt?

Da will ich keines herausheben. Für herausragende Großprojekte sind die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde immer zu begrenzt gewesen. Es macht keinen Sinn, sich Wolkenkuckucksheime zu erträumen, wenn das nicht klappen kann. Ich habe immer versucht, da wo Menschen Eigeninitiative und Engagement zeigen, zu fördern und zu helfen.

Gibt es auch Entscheidungen, die sie bereuen?

Schade finde ich, dass wir die Radwegeverbindung nach Lohfelden nicht besser auf die Reihe bekommen haben. Da kommt ein Thema zum Tragen, dass mich über die ganze Zeit konsterniert hat – Fördermechanismen. Da muss man teils so viel für Planung und Konzepte aufwenden, dass man mit den Ressourcen die Hälfte des Weges hätte bauen können. Man könnte in diesem Land viel mehr erreichen, wenn man die Regelungswut besser in den Griff bekäme. Auch wurmt es mich ein bisschen, dass wir die Wasserversorgung von Eiterhagen nach Wellerode nicht früher und energischer in Angriff genommen haben. Da habe ich zu leicht nachgegeben, wenn es parlamentarische Einwände gab, weil man den Bürgern diese finanziellen Belastungen nicht auferlegen wollte.

Viele größere Projekte sind im Rahmen von interkommunaler Zusammenarbeit umgesetzt worden. Das findet nicht jeder toll.

Das ist der Punkt, wo ich gern noch sechs Jahre dranhängen würde. Was passiert ist, ist gut und funktioniert – etwa im Bereich Ordnungsamt, Kasse, Feuerwehr oder zuletzt auch das Fördermanagement, wo wir eine tragende Rolle spielen und uns als verlässlicher Partner zeigen können. Söhrewald als verlässlich, ehrlich und engagiert zu präsentieren, war mir immer wichtig. Deswegen habe ich mich zum Beispiel auch im Präsidium des Städte- und Gemeindebundes und als Sprecher der Bürgermeisterkreisversammlung engagiert.

Die Zusammenarbeit ist aber noch bruchstückhaft, hier müssen wir konzeptionell weiterkommen. Wir müssen daran arbeiten, dass das Vertrauen in die Zusammenarbeit wächst und die Angst vor dem Verlust der Eigenständigkeit schwindet. Wir werden die Aufgaben, die anstehen, nicht wuppen, wenn wir nicht intensiver zusammenarbeiten.

Sie sagen „Wir“. Also bleiben sie der Politik erhalten?

Die größte Herausforderung dürfte werden, mich nicht mehr mit Politik zu beschäftigen. Ich bin meinem Vorgänger Horst Bachmann für vieles dankbar, auch dafür, dass er sich in politische Angelegenheiten nie eingemischt hat. Manche Bürgermeister sitzen nach ihrer Amtszeit in der Gemeindevertretung oder im Kreistag. Das ist für mich persönlich aber kein Ansatz. Es gibt ein Leben nach dem Bürgermeister. Eine kleine Sache gibt es aber, die mit Politik zu tun hat. Ich werde Geschäftsführer der Kommunalwerke Region Kassel, die die Beteiligung einiger Kommunen an den Windparks in der Region regelt. Das ist in den nächsten Jahren sicher ein wichtiges Themenfeld.

Und wie sieht es aus, das Leben nach dem Bürgermeisteramt?

Den Ruf als Wandervogel hab ich ja weg, eigentlich, weil ich mich viel für Naherholung und Grimmsteig eingesetzt habe. Und wandern werde ich auch, ich bin schließlich zweiter Vorsitzender im Wanderverein Helsa. Wer aber denkt, dass ich nach der Bürgermeisterzeit nur zu Fuß unterwegs bin, wird sich wundern. Ich werde sicher mit dem Fahrrad und besonders unserem Wohnmobil unterwegs sein, aber auch eine Kreuzfahrt unternehmen.

Ich werde mich auch weiter bei den Frankreichfreunden engagieren. Ich werde Dinge tun, für die in den letzten Jahren nicht so viel Zeit war: ins Theater gehen, ein bisschen Kultur machen, Zeit mit Freunden, meiner Familie und besonders meiner Frau verbringen. Ohne sie wäre vieles für mich nicht möglich gewesen. Es war für mich immer enorm wichtig, die Familie als Ruhepol zu haben. Denn wenn draußen der Sturm tobt, braucht man einen ruhigen Hafen.

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