Kritiker befürchten mehr Verkehr durch Lückenschluss zur Autobahn 5

Sorge um Lärm an der A 49 bleibt

Immer mehr Verkehr: Kritiker befürchten nach dem Lückenschluss der A 49 zur A 5 eine Zunahme der Lärmbelastung bei Kassel und Baunatal. Das Foto entstand auf der A 49 zur Zeit einer Brückenbaustelle in Höhe des Baunataler VW-Werks.
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Immer mehr Verkehr: Kritiker befürchten nach dem Lückenschluss der A 49 zur A 5 eine Zunahme der Lärmbelastung bei Kassel und Baunatal. Das Foto entstand auf der A 49 zur Zeit einer Brückenbaustelle in Höhe des Baunataler VW-Werks.

Kassel/Baunatal – Eine neue schalltechnische Berechnung des Landes bremste Anfang des Jahres die Hoffnung vieler Menschen in Kassel und Baunatal auf kurzfristige Lärmminderung entlang der Autobahnen 44 und 49 aus. Doch die Sorge um immer mehr Lärmbelastung ist geblieben.

Kassel/Baunatal - Ein vom Kasseler Stadtparlament und den örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker und Manuela Strube gefordertes nächtliches Tempolimit von 80 km/h wurde aufgrund der für das Gutachten neu berechneten Lärmwerte vom Tisch gewischt.

Absage an Tempolimit

Als Begründung nannte die Verkehrsbehörde Hessen Mobil damals, dass die Verkehrsdichte mit der Freigabe der Bergshäuser Brücke in beiden Fahrtrichtungen nach Teilsanierung auf den Abschnitten zwischen Waldau (A 49) und Wilhelmshöhe (A 44) sogar wieder abgenommen habe. „Nach den Ergebnissen der schalltechnischen Berechnung liegen nur bei einer Teilsperrung im Bereich der Bergshäuser Brücke die lärmfachlichen Voraussetzungen für die Anordnung eines nächtlichen Tempolimits auf der A 49 im Bereich Ober- und Niederzwehren vor“, so Hessen-Mobil-Sprecher Marco Lingemann.

Lückenschluss zur A 5

Schon bald könnten sich die Vorzeichen aber grundlegend ändern. Der Lückenschluss der A 49 zur A 5 könnte einen deutlichen Anstieg der Verkehrsströme im Raum Kassel bedeuten. Und damit könnte es in den Stadtteilen nahe der Autobahnen lauter werden. Das sagen zumindest die Kritiker voraus. Die neue Trasse von Schwalmstadt zum Ohmtal-Dreieck auf der A 5 mit Umfahrung der Kasseler Berge locke vor allem die Brummifahrer auf die A 49.

Die Autobahn werde nach dem Lückenschluss stärker beansprucht, sagt Landtagsabgeordnete Strube. Mit der Ablehnung eines nächtlichen Tempolimits gäben sich die Initiatoren nicht zufrieden. Die Baunatalerin, die selbst nur einen Steinwurf von der A 49 entfernt wohnt, setzt darauf, dass der Abschnitt der Autobahnen im Raum Kassel von den Behörden nach der Anbindung an die A 5 beim Lärmschutz „wie ein Neubau“ behandelt wird. Und dass deshalb der Rahmen der so genannten „Lärmvorsorge“ greift, die den Aufbau von Lärmwänden und -wällen regelt. „Es ist eine höhere Belastung“, so Strube. Diese Forderung haben die örtlichen SPD-Abgeordneten laut Mitteilung zudem nochmal schriftlich an den Bundesverkehrsminister gestellt.

„Keine Lärmvorsorge“

Der Argumentation erteilt Hessen Mobil allerdings jetzt schon eine Absage. „Die A 49 im Raum Kassel wird nicht verändert. Der Lückenschluss war bereits beim Bau des nördlichen Teils der A 49 vorgesehen“, sagt Behördensprecher Marco Lingemann. „Ursache dafür, dass die Verkehrsprognosen nun deutlich überschritten werden, ist nicht der Lückenschluss, sondern die allgemeine Verkehrszunahme.“

Nach Auffassung von Hessen Mobil liegt also keine „wesentliche Änderung“ vor. „Somit gibt es keinen Anspruch auf Lärmvorsorge“, erläutert Marco Lingemann weiter.

Das Regelwerk der Lärmvorsorge würde allerdings gelten, wenn die Autobahnen 44 und 49 von vier auf sechs Fahrspuren ausgebaut werden – das wird vom Lärmschutz genauso bewertet wie ein Neubau. Doch die seit Jahren angekündigte sechsstreifige Erweiterung der A 44 bis Breuna und der A 49 von Kassel bis Baunatal ist wohl noch weit entfernt.

Die Projekte stünden im Bedarfsplan des Bundes im „weiteren Bedarf“, sagt der Hessen-Mobil-Sprecher „Mit der Planung ist noch nicht begonnen worden.“

Gespräche in Berlin

Auch Kassels SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels setzt sich weiter für mehr Lärmschutz an den Autobahnen ein. Es gebe Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium, sagt er gegenüber der HNA. „Ganz unabhängig davon, ob und wann es überhaupt zu einem sechstreifigen Ausbau der A 49 kommt, müssen wir uns schon heute um effektiven Lärmschutz an der Bestandstrasse kümmern.“ Auch Gremmels geht davon aus, dass der Fernverkehr nach dem A 49-Lückenschluss zunehmen wird. Lkw-Fahrer wollten schließlich die Fahrt durch das Kasseler Bergland vermeiden.

Kommunen messen

Manuela Strube unterstützt die Kommunen, die mit eigenen Lärmmessegräten in ihren Wohngebieten aktiv werden und den Lärm nahe der Autobahntrassen selbst aufzeichnen. Sie wollen sich nicht nur auf die von den Behörden berechneten Werte verlassen.

Bis zu zehn dieser Senso-Boxen sollen in Gemeinden von Fuldabrück bis Schauenburg zum Einsatz kommen, berichtet Strube. Sie strebe eine Kooperation mit der Uni Kassel an, die die wissenschaftliche Auswertung der Daten auf einem so genanntes Dashboard übernehmen solle. Sie kümmere sich gerade um ein Treffen mit Uni-Präsident Reiner Finkeldey. (Sven Kühling)

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