Vereine verlieren junge Sportler

Sportkreis Kassel zählt 3,4 Prozent weniger Mitglieder

Die nordhessischen Sportvereine hoffen, dass bald wieder Training für alle Sportarten und Altersgruppen möglich ist. Das Bild entstand bei einem Landesligaspiel im November 2019, am Ball ist Emely Ebbrecht der B-Jugend vom GSV Eintracht Baunatal.
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Die nordhessischen Sportvereine hoffen, dass bald wieder Training für alle Sportarten und Altersgruppen möglich ist. Das Bild entstand bei einem Landesligaspiel im November 2019, am Ball ist Emely Ebbrecht der B-Jugend vom GSV Eintracht Baunatal.

Viele Sportvereine kämpfen aufgrund der Corona-Pandemie mit rückläufigen Mitgliederzahlen. Das berichtet der Landessportbund Hessen.

Kreis Kassel – „Der Sportkreis Kassel zählte zum 1. Januar 2021 rund 126 400 Mitglieder“, davon etwa 33 900 Kinder und Jugendliche, teilt die Landessportbund-Sprecherin Isabell Boger mit. Das seien rund 4400 Mitglieder beziehungsweise 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Verlust im Nachwuchsbereich, also Mitglieder bis 18 Jahre, betrage 5,5 Prozent – fast 2000 Mitglieder. „Im Vergleich zu ganz Hessen fällt der Rückgang im Kinder- und Jugendbereich damit leicht unterdurchschnittlich, aber immer noch massiv aus“, berichtet Boger.

Die Zahlen würden in Bezug auf die einzelnen Sportkreise erhoben. Stadt und Landkreis Kassel bilden einen gemeinsamen Sportkreis. Besonders deutlich seien die Rückgänge bei den Kindern bis sechs Jahre – sie machten mehr als die Hälfte der Rückgänge bei Kindern und Jugendlichen aus. „Viele Kinder dieser Altersklasse haben im vergangenen Jahr wohl keinen Zugang in den Verein gefunden“, vermutet Boger. Der Landessportbund Hessen hofft, dass diese Generation nicht verloren geht und nach der Pandemie in die Sportvereine eintritt.

„Für 2020 können wir das so noch nicht bestätigen“, sagt Dirk Brehm, Vorsitzender des SV Kaufungen auf Nachfrage zum Mitgliederrückgang. Die Zahlen seien in der Vergangenheit eh leicht rückläufig gewesen. Seine Befürchtung ist eher, dass 2021 mehr Mitglieder den Verein verlassen, sollte es mit der Pandemie wie bislang weitergehen. Bislang seien die Mitglieder aber noch treu. Von Vorteil sei auch, dass die Fußballer draußen bereits wieder trainieren können, nur bei den Hallensportarten sei es noch schwierig.

„Es muss der Punkt kommen, an dem man merkt: Es kann weitergehen“, sagt Brehm in Hinblick auf die Sportvereine. Der SV Kaufungen setze seine Hoffnung auf das zweite Halbjahr 2021. Bis dahin werde auf den Sportplätzen für alle Sparten Platz geschaffen.

Wolfgang Landeck vom Vorstand der Fußballsparte beim SV Kaufungen kann bestätigen, dass die Mitgliederzahlen vor allem im Jugendbereich rückläufig sind. Einige Kinder seien ausgetreten. Landeck vermutet, dass es an den Beiträgen lag, die sich einige Familien sparen wollten – oder mussten. Es gebe die Hoffnung, dass diese Kinder nach der Pandemie wieder eintreten.

In der Gesamtzahl verzeichnet der GSV Eintracht Baunatal für 2020 rund 100 Mitglieder weniger, sagt der Vereinsvorsitzende Karsten Hellmuth. Es habe verglichen mit anderen Jahren weniger Austritte gegeben, aber gleichzeitig auch deutlich weniger Eintritte. Der Rückgang sei also auf die gesunkene Zahl der Neuanmeldungen zurückzuführen. Vor allem im Kinder- und Jugendsport spricht Hellmuth von einem überdurchschnittlichen Mitgliederschwund, weil in dem Bereich 2020 deutlich weniger Training stattfinden konnte.

Im Großen und Ganzen hätten aber die meisten Mitglieder dem Verein die Stange gehalten. Außerdem könnten künftige Jahrgänge den Schwund wieder aufholen. „Wir hoffen auf die nächste Saison“, sagt Hellmuth. Außerdem sei ein schnelles Überwinden der Pandemie für die Sportvereine wichtig – alles nach hinten aufzuschieben, bringe gar nichts.

„Tennis gehört zu den Sportarten, die kontaktfrei ausgeübt werden dürfen“, erklärt Lutz Schröder, Vorsitzender der TSG Ahnatal. Sowohl im Winter als auch im Sommer habe gespielt werden dürfen, lediglich im Frühjahr 2020 seien die Plätze etwas später als sonst geöffnet worden. Deshalb habe der Verein keinen Mitgliederrückgang verzeichnet. Die Zahl sei im Wesentlichen gleich geblieben und bewege sich seit mehreren Jahren um die 250.

Das Tennistraining ist laut Schröder weiterhin möglich, auch wenn es durch Corona natürlich Einschränkungen und Hygieneregeln gebe. Die Tennishallen hätten erfahrungsgemäß einen deutlichen Zulauf – da der Verein keine eigene Halle hat, miete man sie an. Schröder kann sich vorstellen, dass der TSG Ahnatal in diesem Frühling ein stärkerer Mitgliederzulauf bevorsteht, da der Lockdown verlängert wurde und der Bewegungsdrang der Menschen größer wird.

Trend betrifft ganz Hessen

Fast 58 Prozent der Vereine, die Mitglied im Landessportbund Hessen (LSBH) sind, haben zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 1. Januar 2021 Mitglieder verloren. „Insgesamt haben die rund 7600 hessischen Vereine in dieser Zeit fast 69 000 Mitglieder verloren“, heißt es in einer Mitteilung des LSBH. Das entspreche einem Rückgang um 3,2 Prozent bei etwas über zwei Millionen Mitglieder – so wenig wie zuletzt 2010. Fast 63 Prozent aller Mitgliederverluste entfielen auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. (Lara Thiele)

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