Verteidigung plädiert auf Freispruch

Angriff mit Rasiermesser: Anklage fordert acht Jahre Haft für Niestetaler wegen versuchtem Totschlag

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Das Urteil gegen den 53-jährigen Angeklagten wird in der kommenden Woche erwartet.

Weil er versucht habe, den neuen Partner seiner Ex-Frau mit einem Rasiermesser zu töten, soll ein 53-jähriger Deutsch-Iraker aus Niestetal-Heiligenrode laut Anklage für acht Jahre ins Gefängnis.

Kassel/Niestetal – Die Verteidigung plädierte vor der 10. Strafkammer des Landgerichts am Freitag auf Freispruch.

Für Staatsanwalt Dietrich erfüllt der Streit zwischen den beiden Männern am Samstagnachmittag des 9. Juni 2018 auf dem Martinsplatz den Tatbestand des versuchten Totschlags. 

Der Angeklagte, ein Friseur, habe den neuen Mann seiner Ex-Frau zufällig auf dem Platz getroffen und eine Zigarette in seine Richtung geschnippt. Nach gegenseitigen Beschimpfungen habe ihm der andere – ebenfalls ein Deutsch-Iraker – einen heftigen Faustschlag ins Gesicht versetzt.

Opfer erlitt lange und tiefe Schnittwunden

Der Angeklagte sei kurz zu Boden gegangen, habe dann ein Rasiermesser gezogen, während sein Gegner von einem Bekannten ins Auto gestoßen worden sei. Dann habe sich der Angeklagte ins Auto gebeugt und dem anderen mit den Worten: „Ich töte dich, ich schlachte dich“ mit dem Rasermesser mehrere lange und tiefe Schnittverletzungen am Kopf zugefügt. Ein Zeuge habe ihn schließlich mit den Worten: „Es reicht, du hast ihn geschlachtet“ zurückgezogen.

Diesen Tathergang hielt Dietrich durch mehrere Zeugenaussagen für gesichert, was auf den energischen Widerspruch von Verteidiger Christopher Posch stieß. Der Ankläger habe sich nur die Zeugenaussagen herausgepickt, die seine Version bestätigten, die anderen habe er einfach weggelassen. 

DNA-Analyse unklar: Verteidiger fordern Freispruch

Posch und sein Kollege Hoffmann verwiesen auf den Umstand, dass DNA-Gutachten gezeigt haben, dass auf der Rasierklinge lediglich Blut des Geschädigten, auf dem Rasiermesser aber nur die DNA des Angeklagten gefunden worden sei. Hätte der Angeklagte mit dem ohne Klinge sichergestellten Rasiermesser die Schnitte ausgeführt, hätte sich auch das Blut des Opfers dort finden müssen. Dies aber sei nicht der Fall.

Beide Verteidiger hielten es für nicht bewiesen, dass sich ihr Mandant überhaupt in dem Auto aufgehalten habe, wie es vom Geschädigten und seinem auf dem Rücksitz sitzenden Sohn ausgesagt worden war.

Nach dem Faustschlag sei ihr Mandant kurz zu Boden gegangen und danach so angeschlagen gewesen, dass ein zielgerichtetes Handeln gar nicht mehr möglich gewesen sei. Dies und die vom Angeklagten angegebene Amnesie zur eigentlichen Tat seien von zwei Sachverständigen als gegeben angesehen worden.

Weil ein Tötungsvorsatz nicht nachgewiesen sei, forderten sie Freispruch für ihren Mandanten. Die Kammer von Richter Robert Winter will am Montag urteilen.

Erst am Freitag war ein anderer und kurioser Prozess in Kassel verhandelt worden: Eine Frau aus Kassel hatte einer Polizeibeamtin den Daumennagel abgebissen. Die Frau wollte 2017 während einer Evakuierung wegen einer Weltkriegsbome trotz Sperrung in ihre Wohnung und wehrte sich gegen die Beamtin.

Von Thomas Stier

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