Luftqualität

Wenn Abgase zur Belastung werden

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Abgase enthalten neben Kohlenmonoxid auch die Reizgase Stickoxide, die für die Bildung von Ozon verantwortlich sein können. Beide Werte werden an Luftmessstationen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie gemessen.

Gerade neben Autobahnen im Landkreis Kassel kann der Eindruck entstehen, die Luft sei zu schlecht. Wie Schadstoffe gemessen werden, ist aber streng geregelt. Direkt an Autobahnen gibt es kaum Luftmessungen. 

Kreis Kassel – Die Wetter-App von Dieter Richardt in Bergshausen zeigt schlechte Luft an. „Wir liegen in einer Senke, dort sammeln sich Abgase“, erklärt der 70-jährige Anwohner am Ostring, wo Autobahnen und Logistikbetriebe um die Ecke sind. Er wünscht sich, dass die Luftqualität im Fuldabrücker Ortsteil deshalb offiziell gemessen wird.

Messbar schlechte Luft gab es zuletzt in der Silvesternacht: Da zeigte die Luftmessstation an der Kasseler Fünffensterstraße einen Feinstaubwert an, der 16 Mal so hoch war, wie normal.

In Fuldabrück wird nicht gemessen. Warum das so ist und wie das Messnetz funktioniert, darüber haben wir mit Experten gesprochen.

Wer garantiert die Einhaltung der Schadstoffgrenze?

In Deutschland müssen die Bundesländer dafür sorgen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. In Hessen kümmert sich das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) um Messungen. Es hat eine Außenstelle in Kassel, die dort Messstellen unterhält. Deren Aufgabe ist es vorrangig, den Ist-Zustand der Luft zu erfassen, erklärt Stefan Jacobi, Leiter des Dezernats Luftreinhaltung am HLNUG in Wiesbaden.

Wo wird die Luftqualität gemessen?

Für die Messungen unterteilt das HLNUG Hessen in Ballungsräume und Nicht-Ballungsräume: Als Ballungsräume gelten Kassel mitsamt der Nachbarkommunen sowie das Rhein-Main-Gebiet. In Kassel gibt es zwei Messstellen (Fünffensterstraße, Hinter der Komödie), im Kasseler Umland noch vier weitere. Eine flächendeckende Abdeckung mit Messstellen ist also grundsätzlich nicht gegeben und laut EU-Richtlinie zur Luftqualität auch nicht erforderlich, heißt es beim Umweltbundesamt.

Wie wird die Luftqualität außerhalb der Messstationen überwacht?

Wie sich Schadstoffe in der Fläche verteilen, wird im ländlichen Bereich mit Computerprogrammen berechnet, erklärt Jacobi. Diese Modellrechnungen seien natürlich nicht so genau wie bei tatsächlichen Messungen.

Was heißt das für den Landkreis Kassel?

Tatsächlich gibt es einen Luftreinhalte- und Aktionsplan für die Stadt Kassel und die Nachbarkommunen Baunatal, Fuldabrück, Fuldatal, Kaufungen, Lohfelden Niestetal und Vellmar. Werden hier Werte überschritten, muss die Stadt reagieren. Für alle anderen Gebiete außerhalb des Ballungsraumes Kassel gelten diese Regelungen nicht.

Aber es gibt doch noch die vier Messstationen auf dem Land?

Ja, es gibt weitere Messstellen in Zierenberg, Bad Arolsen, Witzenhausen und im Kellerwald. Diese Messstellen sind jedoch meist weit abgelegen im Wald aufgestellt. Ihr Fokus liegt daher nicht auf den Schutz der Bevölkerung, sondern eher dem der Natur, erklärt Jacobi.

Spielen Autobahnkreuze auch eine Rolle?

Ja. Der Schadstoffausstoß sei hier sogar besonders hoch, sagt Jacobi. Doch schon bei Entfernungen ab 200 Metern schwäche sich die Belastung deutlich ab. „In der Fläche ist die räumliche Verteilung dann wieder sehr homogen“, sagt Jacobi.

Was geschieht, wenn im Umland aber doch mal schlechte Luft herrscht, dort aber nicht gemessen wird?

Dr. Lutz Katzschner, Kasseler Meteorologe, weiß, dass es Akkumulationspunkte für Schadstoffe gibt, die durch Messungen allerdings nicht erfasst werden. „An bestimmten Stellen ist der Luftaustausch besser oder schlechter.“

Dann könne sich die schlechte Luft sammeln und schlechter abziehen. „Deshalb muss man Beschwerden ernst nehmen“, sagt der ehemalige Unidozent. Wenn der Verdacht besteht, dass Grenzwerte überschritten werden, müsste das Land dies von Fachleuten überprüfen lassen, sagt er. „Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Land Grenzwerte überschritten werden, ist allerdings gering“, sagt Jacobi.

Wer darf überhaupt messen?

Nur Messungen durch offizielle Stellen können rechtlichen Bestand haben. Eigene Messungen haben also keine Geltung, stellt Stefan Jacobi klar.

Die Richtlinien für Messgeräte seien stark reglementiert, um Messungenauigkeiten ausschließen zu können.

So funktionieren die Messungen

Neben den zwei Messstellen in Kassel und den vier im Kasseler Umland betreibt das Umweltministerium 29 weitere fest installierten Messstationen in Hessen. Sie alle laufen rund um die Uhr. Gemessen werden Schadstoffe wie Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Ozon und Feinstaub. 

Zudem gibt es mobile Messstationen, die Messungen auch in schwierigeren Gebieten zulassen. Gesammelte Messdaten werden analysiert und weiterverarbeitet, um nachweisen zu können: Wo sind mögliche Quellen? Wie werden Schadstoffe verteilt? 

Es gibt zwei mögliche Grenzwertüberschreitungen: Wird der Grenzwert im Jahresdurchschnitt überschritten, muss noch geprüft werden, ob eine bestimmte zulässige Mindestanzahl an Grenzüberschreitungen vorkommt. Bei Stickstoffdioxid (NO2) dürfen im Jahr 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschritten werden. 18 Mal im Jahr darf allerdings ein Wert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Stundenmittel überschritten werden.

Die Werte der Messstation in Kassel können auf der Seite des HLNUG eingesehen werden.

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