Leiter der Abfallentsorgung erklärt Vor- und Nachteile

Steht der Gelbe Sack vor dem Aus? Kreis-SPD fordert die Tonne

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Bald Geschichte? Die Kreis-SPD setzt sich für eine Abschaffung der Gelben Säcke und für eine Einführung der Gelben Tonne ein.

Weiter mit dem Gelben Sack? Oder umstellen auf die Gelbe Tonne? Mit dieser Frage muss sich der Kreistag in seiner nächsten Sitzung auseinandersetzen.

In der Kreistagssitzung am 28. Februar wird die SPD in Person ihres Fraktionschefs Dieter Lengemann einen Antrag stellen, die Einführung der Gelben Tonne im Landkreis Kassel prüfen zu lassen. Dafür sollen die Gelben Säcke abgeschafft werden. Wir haben mit dem Betriebsleiter der Abfallentsorgung im Landkreis, Uwe Pietsch, über Vor- und Nachteile der Gelben Tonne gesprochen.

Die Vorteile der Gelben Tonne

Eines der gewichtigsten Argumente für die Gelbe Tonne ist der Aspekt der Nachhaltigkeit. Zwar sei es schwierig, den ökologischen Fußabdruck zu beziffern, aber „die Umweltbelastung ist durch die Produktion von Gelben Säcken deutlich höher“, sagt Pietsch. Das leuchtet anhand des Materialverbrauchs ein: Für den Landkreis Kassel werden jährlich zwischen vier und fünf Millionen Gelbe Säcke produziert. Eine Gelbe Tonne halte im Schnitt circa 15 Jahre, bis sie durch eine neue ersetzt werden müsse, sagt Pietsch. In dieser Zeit verbrauche ein Haushalt rund 450 Gelbe Säcke.

Uwe Pietsch: Leiter der Abfallentsorgung im Landkreis Kassel

Dies führt direkt zum nächsten Vorteil der Tonne: Es müsste keine Verteilung von Gelben Säcken mehr organisiert werden. Die Zustellung führe jedes Jahr zu Problemen, sagt Pietsch, da vor der Haustür abgelegte Säcke gestohlen würden oder auf andere Art und Weise abhandenkämen.

Durch die Tonne würde außerdem einer Zweckentfremdung der Gelben Säcke – etwa zur Auskleidung der Wohnung bei Renovierungsarbeiten oder ähnlichem – vorgebeugt. Ein wichtiges Argument pro Tonne ist zudem, dass Säcke nicht mehr von starkem Wind zerstreut (wir berichteten) oder von Tieren wie Füchsen, Mardern oder Waschbären zerstört werden könnten.

Auf Grundlage dieser Argumente sei die Gelbe Tonne im Vergleich zu den Gelben Säcken sowohl ökologisch als auch ökonomisch als sinnvoller zu bewerten, sagt Pietsch.

Die Nachteile der Gelben Tonne

Trotzdem entstünden durch die Gelbe Tonne auch Nachteile, erklärt Pietsch – und das vor allem für Besitzer kleinerer Grundstücke. Neben je einer Tonne für Biomüll, Restabfall und Papier müsste dann noch eine vierte Tonne Platz finden. Da kann es mit dem Stellplatz eng werden.

Außerdem müsste damit gerechnet werden, dass das Einsammeln des Abfalls teurer wird. Die Säcke können quasi „im Vorbeifahren“ auf die Ladefläche geworfen werden. Die Tonnen müssten an jedem Haus in die Vorrichtung am Müllwagen gehängt und entleert werden. Dies koste entsprechend mehr Zeit, sagt Pietsch. Da Zeit bekanntlich Geld ist, könnte eine Umstellung seiner Ansicht nach unter anderem zu Dumpinglöhnen bei den privaten Einsammlern führen.

Stellt die Zweckentfremdung der Gelben Säcke einerseits ein Argument pro Tonne dar, könnte diese natürlich ebenso mit nicht dafür vorgesehenem Abfall befüllt werden, sagt Pietsch. Und in diesem Fall deutlich schlechter sichtbar für die Einsammler. „Der Fremdstoffanteil, der in Gelben Säcken häufig bei 30 Prozent liegt, könnte in den Tonnen noch höher sein.“

Vierter, aber eher unwahrscheinlicher Punkt: Bei starkem Wind könne aufgrund des leichten Inhalts gegebenenfalls auch die Gelbe Tonne umgeweht werden, sagt Pietsch.

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Gelbe Tonne kommt frühestens 2021

Bis die Gelbe Tonne im Landkreis Kassel zur Realität werden könnte, ist es aber noch eine Weile hin. Sollte der Antrag der SPD in der Kreistagssitzung Zustimmung finden, wird die Abfallentsorgung die Vor- und Nachteile eingehend analysieren und das Gespräch mit dem Dualen System Deutschland – dem Betreiber des verbreitetsten deutschen Mülltrennungssystems – suchen. Außerdem werde man Kontakt zu anderen Gebietskörperschaften aufnehmen, in denen die Gelbe Tonne zum Einsatz kommt, sagt Pietsch. Anschließend wird dem Kreistag ein Untersuchungsergebnis vorgelegt, ob die Gelbe Tonne für den Landkreis Kassel sinnvoll ist oder nicht.

Die Ausschreibung würde im kommenden Jahr folgen, 2021 könnte die Tonne dann vor den Haustüren in unserer Region stehen. 

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Das kommt in die Gelbe Tonne

Prinzipiell gilt: In die Gelbe Tonne gehört das Gleiche wie in den Gelben Sack: Verpackungen aus Metall, Kunststoff, Verbundstoff und Naturmaterialien. Die Verpackungen sollen restentleert, müssen aber nicht gespült sein. 

Zur Sammlung gehören etwa: Metallverpackungen wie Getränke- und Konservendosen, Kronenkorken und Schraubverschlüsse von Flaschen und Behälterglas; Aluminiumverpackungen wie Beutel und Einwickelfolie, Joghurtbecherdeckel, Aluminiumschalen und Tuben; Kunststoffverpackungen wie Flaschen für Spül-, Wasch- und Körperpflegemitteln, Joghurt- und Margarinebecher, Plastiktüten, Verpackungsfolien und geschäumte Verpackungen für Obst und Gemüse; Verbundmaterialien wie Vakuumverpackungen, Gefrierverpackungen und Milch- und Safttüten. 

Nicht in die Gelbe Tonne und auch nicht in den Gelben Sack – auch dann nicht, wenn sie mit dem Grünen Punkt oder einem der anderen Recyclinglogos gekennzeichnet sind – gehören beispielsweise: Einwegflaschen und Marmeladengläser (Glas-Container); Pappverpackungen, Briefumschläge, Broschüren, Mehl- und Zuckertüten, Zeitungen und Zeitschriften, Eierkartons sowie Lebensmittel- und Waschmittelkartons (Papier-Container); Asche, Kehricht und Zigarettenkippen, Gummiabfälle, Glühbirnen, Kunststoffteile, wie zum Beispiel Videokassetten, Zahnbürsten, Spielzeug, Staubsaugerbeutel, Teppich- und Tapetenreste, Wärmflaschen, Windeln und Zigarettenkippen (Haus-/Restmüll).

Neues Verpackungsgesetz seit 1. Januar 2019

Seit dem 1. Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), das die bislang bestehende Verpackungsverordnung abgelöst hat. Es gilt für alle Vertreiber, die Verpackungen erstmals gewerbsmäßig in Deutschland in den Verkehr bringen (die sogenannten „Hersteller“) – also für nationale Produzenten genauso wie für Importeure und Online-Händler. Damit ergeben sich gerade für Betreiber kleiner Online-Shops wichtige Fragen zu Verkaufs- oder Umverpackungen, Transportverpackungen und Verpackungsmaterialien. Eine genaue Auflistung der neuen Pflichten zur Produktverantwortung und einen Ablaufplan zur Registrierung hat die Zentrale Stelle Verpackungsregister veröffentlicht. 

Hinsichtlich der Müllentsorgung wird durch das neue Verpackungsgesetz vor allem das Ziel einer höheren Verwertung von Kunststoffabfällen verfolgt.

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