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Streit um tiefe Risse

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Wasser: Auf dem Dachboden von Rainer Rode finden sich immer wieder nasse Stellen.

Baunatal. Schimmel an den Wänden, Risse im Mauerwerk, Schnee auf dem Dachboden. Mieter von Gagfah-Wohnungen am Baunsberg in Altenbauna haben es satt.

Einige erzählen, dass sie sich schon seit vielen Monaten an die Gagfah Group wenden und darum bitten, die Mängel zu beseitigen. Aber die Gagfah bewege sich kaum oder gar nicht auf die Mieter zu.

Klaus-Dieter Mengel, selbst Mieter in einer der Gagfah-Wohnungen am Baunsberg, vermutet, dass es dem Wohnungsunternehmen nur um Profit geht und dass die Sorgen der 490 Mieter dabei auf der Strecke bleiben. „Wir wohnen schon seit 32 Jahren in dieser Wohnung, aber die Betreuung war noch nie so miserabel.“

„Denen scheint das alles egal zu sein.“

Rainer Rode, Mieter

Die Gagfah betreut 490 Wohnungen von insgesamt ungefähr 3000 Wohneinheiten am Altenbaunaer Baunsberg. Vor zwei Jahren hat die Gagfah die Wohnungen gekauft. Hat es früher noch fünf Hausmeister gegeben, so sei es jetzt nur noch einer, sagt Mengel.

Doch Mieter berichten über noch schwerwiegendere Probleme. Kurt Szombach aus der Birkenallee zum Beispiel sorgt sich wegen Rissen in seiner Wohnung. „Normalerweise muss etwas in die Wege geleitet werden“, sagt er. „Durch die Risse kommt Kälte rein.“

Neben Wohnzimmer und Flur ist der Keller betroffen. Seit Herbst stütze die Gagfah die Kellerdecke ab. Aber seitdem passiere nichts mehr, klagt Szombach. Er habe trotz gesundheitlicher Probleme einen Teil seines Kellers räumen müssen, ohne einen Ersatzraum zu bekommen.

Die Risse rührten vermutlich daher, dass das herabfließende Wasser vom Baunsberg die Gebäude unterspült, mutmaßen Mengel und Szombach.

Nasser Fußboden

Bei Rainer Rode zeigen sich die Mängel nicht im Keller, sondern auf dem Dachboden. Dort nämlich regne es rein. „Denen scheint das alles egal zu sein“, sagt Rode. Auch Mengel ärgert sich über Schnee auf seinem Dachboden.

Mit Schimmel kämpft Familie Möller aus der Akazienallee. In einem Kinderzimmer krieche die Feuchtigkeit durch die Wand. Der Fußboden, den die Familie schon entfernt hat, sei durchnässt gewesen, die neue Matratze verschimmelt. „Wir haben uns schon mehrfach bei der Gagfah gemeldet. Die reagieren gar nicht“, sagt Gabriele Möller, deren Tochter Nadine in dem feuchten Zimmer schläft.

Die Mieter fürchten außerdem Mieterhöhungen. Laut einem Bericht des Internetportals RP-online steht im Geschäftsbericht des Gagfah-Konzerns für 2008, dass die Mieten der bundesweit 170 000 Wohnungen bis an die Grenze des in Deutschland gesetzlich Zulässigen erhöht werden sollen.

Kein Reichtum

„Hier in den Wohnungen ist nicht der Reichtum zu Hause“, sagt Mieter Wolf Zimmermann. „Viele können nicht ertragen, wenn die Miete steigt. Sie müssen dann raus.“ Und die Miete sei in der letzten Zeit schon erheblich gestiegen.

Die Gagfah äußerte sich auf Nachfrage der HNA zu den Vorwürfen der Mieter. Mit einem „Ja, aber“ lässt sich ihre Antwort auf viele Vorwürfe zusammenfassen.

Sprechstunde für Mieter

Das Immobilienunternehmen hat bereits eine Mietersprechstunde in Baunatal angeboten. Zu dem Termin seien allerdings so viele Mieter gekommen, dass die Beraterin überfordert war, erzählt Zimmermann. Er organisiert jetzt selbst Mieterversammlungen.

Das sagt die Gagfah zu den Vorwürfen

Gagfah-Pressesprecherin Bettina Benner hat auf Nachfrage der HNA auf jeden Vorwurf geantwortet.

• Hausmeister: Es gebe zwar nur noch einen Hausmeister. Dieser erledige seine Arbeit aber zu vollster Zufriedenheit und werde von einem Hausmeister, der auf 400-Euro-Basis arbeitet, unterstützt. Früher habe es nur so genannte Hauswartstellen gegeben, also nur Teilzeit-Hauswarte.

• Wasser auf dem Dachboden: Die Dachböden seien wärmegedämmt worden, es gebe Lüftungsschlitze. „Bei extremem Schneefall und starkem Wind kann es schon mal zu Schneeverwehungen auf den Dächern kommen, sodass etwas Schnee durch die Lüftungsschlitze dringt.“

• Risse: Es gebe eine Absetzung des Hauses, die gutachterlich untersucht werde. „Gefahren gehen davon in keiner Weise aus.“ Einen Ersatzkellerraum kann die Gagfah Kurt Szombach zur Zeit nicht anbieten, Waschmaschine und Trockner seien aber in einem anderen Raum untergebracht worden.

• Schimmel: Aus Kulanz habe die Gagfah schon mehrfach den Schimmel bei Familie Möller entfernt, bauliche Mängel seien nicht festzustellen. Die Gagfah müsste davon ausgehen, dass der Schimmel auf falsches Heizen und Lüften zurückzuführen ist.

• Miete: „Wir überprüfen in regelmäßigen Abständen die Mieten. Wenn wir Mieten anpassen, halten wir selbstverständlich die mietrechtlichen Auflagen und darüber hinaus die Regelungen der Sozial-Charta ein.“

• Nebenkosten: In der Mietersprechstunde seien Einsprüche zum großen Teil ausgeräumt worden. Die Kabelgebühren von 2008 zum Beispiel seien ungefähr so hoch wie jene in den Jahren 2006 und davor. (dot)

Von Dorothee Köppe

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