Familienvater will HD-Fernsehen empfangen und legt sich dafür mit dem Vermieter an

Streit mit Vermieter: Baunataler will seine Satellitenschüssel behalten

Baunatal. Sie hatten sich so darauf gefreut. Ein halbes Jahr hatten Ivonne und Marc Ortstadt aus Baunatal für einen neuen Fernseher gespart, extra eine Satellitenschüssel gekauft, um modernes HD-Fernsehen zu empfangen.

Sie genossen das neue Fernseherlebnis, bis der Zimmerer und die Kassiererin in der vergangenen Woche einen Mitarbeiter ihrer Vermieterin, des Unternehmens Soka-Bau, am Briefkasten trafen. Der Mann warf gerade einen Brief in ihren Briefkasten, in dem er die Familie auffordert, die Satellitenschüssel zu entfernen. "Er sagte mir, die Schüssel stünde mir nicht zu, weil ich Deutscher bin." Der 27-Jährige fand diese Begründung provokant und ärgerte sich. Seit Dezember empfangen sie das neue Fernseherlebnis mit hoch auflösendem Bild auf ihrem 1400 Euro teuren Fernseher mit 117er-Bildschirmdiagonale.

Michael Delmhorst, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Soka-Bau, erklärte jetzt die Aussage des Mitarbeiters: Nur Mieter, die über den Kabelanschluss keine ausreichende Anzahl von Programmen in ihrer Muttersprache bekommen, dürfen Satellitenschüsseln aufhängen. Das entspräche der gängigen Rechtsprechung. Ortstadt findet das ungerecht. Während Mieter mit ausländischen Wurzeln neben ihren Heimatsendern auch die HD-Programme empfangen könnten, komme er nicht in diesen Genuss.

Wobei er sich des Vorwurfs erwehren will, ausländerfeindlich zu sein. Es geht ihm nur um die Sache. Die ausländischen Mieter könnten die Schüssel anbringen, die er benötigt. Über den dortigen Kabelnetzbetreiber, der Tele Columbus Gruppe, hat er noch keine Chance, HD-Fernsehen zu empfangen.

Die Soka-Bau bleibt hart: "Wir möchten verhindern, dass zahlreiche Satellitenschüsseln das optische Bild unserer Mietanlage beeinträchtigen", sagt Delmhorst. In regelmäßigen Abständen liefen deshalb Mitarbeiter die 390 Mietswohnungen am Baunsberg ab, um zu kontrollieren, dass keine Satellitenschüsseln unerlaubt angebracht werden. Ortstadts Satellitenschüssel werden sie dabei auch in Zukunft sehen.

Der junge Vater will sie auf seinem Balkon hängen lassen: "Ich bleibe stur", sagt er. Es sei vielleicht sein Fehler gewesen, dass er die Anbringung der Schüssel seinem Vermieter nicht angezeigt habe, lenkt er ein. "Aber ich gehe davon aus, dass ich auf meinem angemieteten Raum tun und lassen kann, was ich will." Die Satellitenschüssel hänge schließlich innerhalb seines Balkons. "Sonst kann der Vermieter ja auch sagen: Sie dürfen nicht auf den Balkon gehen, weil mir ihr Gesicht nicht passt", sagt er mit Trotz in der Stimme. Die Soka-Bau droht jetzt damit, vor Gericht zu ziehen.

Hintergrund: Hoch auflösendes Fernsehen

HDTV kommt vom englischen High Definition Television und bedeutet hochauflösendes Fernsehen. Die Bilder sind schärfer, mehr Details sichtbar. Das Erste, ZDF und Arte strahlen ihr Programm über Satellit und im Kabel auch in HD aus. Um in den Genuss der Bilder zu kommen, braucht man einen HD-Receiver sowie einen Flachbildfernseher mit HD-ready Logo oder besser noch Full-HD. Für den Empfang von RTL und Vox sowie Sat1, Pro7 und Kabel1 in HD ist ein spezieller HDplus-Receiver nötig, ab dem zweiten Jahr kostet die Freischaltung 50 Euro. Der PayTV-Sender Sky bietet mehrere HD-Kanäle von Film über Dokus bis Sport. (dot/hpo)

Stichwort: HDTV in Kabelnetzen

Nicht jeder, der in Nordhessen einen Kabelanschluss hat, kann HDTV empfangen. Unitymedia ist in Nordhessen der vorherrschende Kabelnetzbetreiber. Auf der Seite www.unitymedia.de/produkte/fernsehen.html kann jeder checken, welche Produkte bei ihm zu Hause verfügbar sind. Auch Tele Columbus bietet einen solchen Verfügbarkeitscheck an (www.telecolumbus.de). Pressesprecher Hannes Lindhuber von Tele Columbus hat erklärt, dass das Unternehmen prüfe, wie das TV-Angebot für die Kunden ausgeweitet werden könnte. Unitymedia will ebenfalls seine Netze und die Empfangsmöglichkeiten erweitern. (dot/hpo)

Drei Fragen

Komfort reicht nicht

Darf ein Mieter selbst bestimmen, ob er eine Satellitenschüssel montiert, oder hat sein Vermieter ein Mitspracherecht? Über diese Frage sprach HNA-Mitarbeiterin Dorothee Köppe mit Christian Franz, Anwalt und Berater beim Mieterbund Hessen.

Herr Franz, wie ist die gängige Rechtsprechung? Darf ein Mieter eine Satellitenschüssel anbringen?

Franz: Der Vermieter darf entscheiden, ob er Schüsseln erlaubt. Erlaubt er dies nicht, haben Mieter nur unter ganz engen Voraussetzungen einen Anspruch auf eine Schüssel. Für einen Mieter mit ausländischen Wurzeln etwa muss sie die einzige Möglichkeit sein, einen Sender in der Muttersprache zu empfangen.

Nun hat ein solcher Mieter aber den Vorteil, dass er als einziger auch HD-Fernsehen empfängt, wenn der Kabelnetzbetreiber das nicht anbietet.

Franz: Das stimmt. Vielleicht wird sich die Rechtsprechung deshalb auch mit dem neuen HD-Fernsehen ändern. Ansonsten ist die einzige Möglichkeit für den Mieter, die Satellitenschüssel nicht an der Bausubstanz anzubringen, sondern auf einen Ständer zu stellen.

Und wenn der Vermieter argumentiert, dass die Optik der Mietanlage dadurch beeinträchtigt wird?

Franz: Dann sieht es schlecht aus für den Mieter. Sein Argument des besseren Fernsehkomforts wiegt schwächer.

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