Aktion Stolpersteine: Espenauer Arbeitskreis Ortsgeschichte forscht jetzt nach deportierten Menschen

Auf der Suche nach den Opfern

Erinnerung: Die in die Gehsteige eingelassenen Stolpersteine mit Namen, Geburtsjahr und dem Lager, in dem die Deportierten umgekommen sind, sollen an die Opfer der Nazidiktatur erinnern. Archivfotos: Völker/nh

Espenau. Den Schicksalen von Menschen, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden, will der Arbeitskreis Ortsgeschichte in Espenau jetzt nachspüren und sie dokumentieren. Dabei gehe es um Juden sowie Roma und Sinti genauso wie um politisch Verfolgte, erläutert Norbert Janetzke vom Arbeitskreis.

Anlass der Nachforschungen war eine Initiative des Kuratoriums der Stiftung der Stadtsparkasse Grebenstein, in ihrem Geschäftsgebiet - den Orten Grebenstein, Immenhausen, Calden und Espenau - die Aktion Stolpersteine zu starten. Sie geht zurück auf den Künstler Gunter Demnig, der in Erinnerung an die Opfer der Nazis auf den Gehsteigen vor deren früheren Wohnhäusern sogenannte „Stolpersteine“ verlegt. Die Messingplatten tragen die Namen der Opfer, das Geburtsjahr und das Lager oder KZ, in dem sie ermordet wurden. Sie sollen die Einwohner für die Schicksale und die Geschichte in ihren Orten sensibilisieren.

Erste Gespräche

Für Espenau stellt sich das Problem, dass die Gemeinde - sie wäre die erste im Altkreis - bei der Aktion gern mitmachen würde, sich aber nach ersten Gesprächen mit Zeitzeugen bis vor Kurzem keine Deportierten finden ließen.

Erst kürzlich, nach intensiveren Nachforschungen, stieß der Arbeitskreis auf einen jungen Mann, der vermutlich Mitglied einer sozialistischen Gruppe in Mönchehof war und von den Nazis verhaftet, im Generalkommando Kassel verhört, gefoltert und schließlich in ein Strafbataillon gesteckt wurde. Dort soll er umgekommen sein, erzählt Janetzke. Sein Vater soll in der Gewerkschaftsbewegung sehr aktiv gewesen sein und galt damals im Ort als sehr gebildet.

Dazu passt, dass Mönchehof in den 1930er-Jahren mit seiner Nähe zur Eisenbahn eine typische Arbeitergemeinde mit Industrie gewesen war. Bürstenbindereien, ein Tunnelbauer und die damals weltweit operierende Firma für Maschinen- und Mühlenbau, Fürmeyer & Witte, waren aktiv.

Dagegen galt Hohenkirchen eher als landwirtschaftlich geprägtes Bauerndorf.

Um mehr über den jungen Mann zu erfahren, startete der Arbeitskreis inzwischen eine Anfrage beim Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes in Bad Arolsen. Auch nach Verhörprotokollen in Archiven will er forschen, um mehr über die Gründe der Verhaftung zu erfahren. Er sucht dazu noch Zeitzeugen, denen weitere Schicksale deportierter Espenauer bekannt sind. Die Ergebnisse sollen später in einer Dokumentation öffentlich gemacht werden.

Kontakt: Wer Hinweise auf die Schicksale verfolgter Espenauer unter dem Regime der Nationalsozialisten hat, kann sich an Mitglieder des Arbeitskreises Ortsgeschichte wenden: Ehrhard Bunzenthal (05673/7749), Manfred Haldorn (05673/3712), Norbert Janetzke (05673/3201) und Hilmar Klapp (05673/913638) . Sie werden auf Wunsch vertraulich behandelt. KOMMENTAR

Von Stefan Wewetzer

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