Anteil an gestohlenen Rädern liegt bei 20 Prozent

Täter haben es auf E-Bikes abgesehen

Neue Sorgen für E-Bike-Besitzer: Bei Dieben ist nicht nur das ganze E-Bike interessant – sondern auch der Akku und der Motor.
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Neue Sorgen für E-Bike-Besitzer: Bei Dieben ist nicht nur das ganze E-Bike interessant – sondern auch der Akku und der Motor.

Immer mehr Menschen steigen aufs Rad. Vor allem E-Bikes liegen bei vielen für die Fahrten zum Arbeitsplatz und zum Freizeitvergnügen im Trend – in Stadt und Landkreis Kassel. Doch mit den höheren Verkaufszahlen bei den Rädern mit Elektrounterstützung steigen auch die Fälle von Diebstahl.

Kassel - Die Täter suchen sich gezielt die höherwertigen E-Bikes für ihre kriminellen Aktivitäten aus. Polizeisprecher Matthias Mänz spricht von „organisierten Tätergruppen“. 2019, so Mänz, lag der Anteil des E-Bikediebstahls bereits bei knapp 20 Prozent in Stadt und Landkreis Kassel. Von 913 gestohlenen Fahrrädern waren 176 E-Bikes. „Eine entscheidende Rolle spielt dabei natürlich, dass E-Bikes im Vergleich zu ihren antriebslosen Artgenossen einen recht hohen Wert, häufig in einem vierstelligen Eurobereich, haben“, betont der Sprecher.

Die Polizei berichtet zudem von einem weiteren Anstieg der Fälle in den vergangenen Monaten September und Oktober. Die genauen Zahlen für 2020 legen die Beamten allerdings erst mit der Kriminalstatistik Anfang 2021 vor. Der Gesamttrend lässt sich aber bereits aus den Fallzahlen der vergangenen Jahre ablesen. 2017 lag der Anteil der E-Bike-Diebstähle lediglich bei 6,5 Prozent der gestohlenen Fahrräder im Raum Kassel. 2018 waren es schon 8,8 Prozent, so die Polizei.

„Wir sehen nicht, dass es explizit einen Fokus auf Diebstahl von E-Bikes gibt“, sagt hingegen Axel Hillebrandt, Marketingchef des Vellmarer Leasingunternehmens Bikeleasing. Immerhin habe man 100 000 Räder im Umlauf. Die Firma least die Räder an große Arbeitgeber, die geben diese weiter an ihre Mitarbeiter.

Alle Leasingräder seien automatisch versichert, betont Hillebrandt. Wenn ein Fahrrad gestohlen werde, trete die Versicherung ein und löse den Schaden bei der Leasingbank aus. Voraussetzung sei allerdings, dass der Kunde die Räder den Versicherungsbedingungen entsprechend gesichert hatte, betont er. Der Kunde habe dann die Möglichkeit, einfach ein neues Rad zu leasen, so Hillebrandt.

Andreas Appel vom Baunataler Fahrradladen Pedalwerk verzeichnet neben dem Diebstahl von E-Bikes vor allem das Entwenden von hochwertigen Teilen eines Rades – etwa Akku oder Motor.

„Da ist der Anreiz groß“, sagt er. Häufig würden Täter den Akku herausbrechen und damit das gesamte Rad beschädigen, berichtet der Händler. Die Komponenten böten die Unbekannten dann meist auf dem Schwarzmarkt im Internet zum Verkauf an. „Es gibt viele hochwertige Teile.“ Appel empfiehlt Händlern und Kunden auf jeden Fall, die Seriennummern der Teile zu notieren. So könne man, Schwarzmarktgeschäften entgegenwirken.

Auch der Unternehmer aus Baunatal rät seinen Privatkunden zu einem Versicherungsschutz. „Wir arbeiten mit drei Anbietern zusammen“, sagt Appel. Das Gespräch darüber sei in seinem Laden ein fester Bestandteil der Beratung. Zudem rät Appel Käufern einen Blick in eine Liste des Fahrradclubs ADFC zu werden, der einmal im Jahr Versicherungen vergleiche. Faustregel sei, dass der Versicherungsschutz 7 bis 12 Prozent des Anschaffungswertes betrage.

Übrigens: Laut Axel Hillebrandt gibt es als Ergänzung zum Leasing mehrere Firmen, die GPS-Tracking böten. So könne der Kunde jederzeit sein Rad übers Handy finden. (Sven Kühling)

Tipps der Polizei:

Den steigenden Zahlen von Fahrraddiebstählen stehen laut Polizei „leider nicht in allen Fällen ausreichende Sicherungen der Räder oder der Räume, in denen sie untergebracht werden“, gegenüber. So gebe es vermehrt Einbrüche in Kellerverschläge und Gartenlauben, so Sprecher Matthias Mänz.

Das Polizeipräsidium Nordhessen gibt deshalb Tipps zum sicheren Abstellen von Fahrrädern:

. Fahrradschloss: „Billigschlösser“ sind häufig nutzlos. Vor allem Abschreckung schützt vor Fahrradklau. Dafür eignen sich insbesondere stabile Bügelschlösser und Panzerkabel. Für ein passendes Schloss sollten rund zehn Prozent des Fahrradpreises eingerechnet werden. Je teurer und leichter ein Rad ist, umso schwerer und teurer sollte auch ein adäquates Schloss sein. Entscheiden Sie sich bei Ketten, Bügeln und Schlössern in jedem Fall für „geprüfte Qualität“ und für hochwertiges Material wie durchgehärteten Spezialstahl und massive Schließsysteme. Viele Hersteller bieten ihre Produkte farblich gekennzeichnet nach Sicherungsklassen an. Der Verband der Schadensversicherer (VdS) bietet ein Verzeichnis von anerkannten Zweiradschlössern an (VDS-RL 2597).

. Art der Sicherung: Häufig werden Fahrräder mit zwar wirksamen Schlössern abgeschlossen, jedoch nicht angeschlossen. Das heißt, sie können mühelos weggetragen werden. Wählen Sie ein Fahrradschloss, das aus durchgehärtetem Spezialstahl hergestellt ist und mit einem massiven Schließsystem ausgerüstet ist. Haben Sie Ihr Fahrrad nach Möglichkeit immer im Blick. Schließen Sie den Rahmen und beide Räder stets an fest verankerte Gegenstände an.

. Abstellort: Stellen Sie ihr Fahrrad zudem in der Öffentlichkeit nur an belebten und gut einsehbaren Orten ab. Nutzen Sie nachts gut beleuchtete Orte. Lassen Sie Ihr Fahrrad unbeaufsichtigt nur so lange wie nötig an öffentlichen Plätzen stehen.

. Sicherung des Abstellorts: Kellerverschläge, Gartenlauben, Garagen oder andere Abstellorte sollten ausreichend gegen unbefugten Zutritt gesichert werden. Ein billiges Vorhängeschloss bietet beispielsweise kaum einen Schutz.

. Bei verdächtigen Beobachtungen Polizei rufen: Für das „Knacken“ hochwertiger Schlösser benötigen auch professionelle Diebe entsprechendes Werkzeug und Zeit. Der Einsatz der Werkzeuge, beispielsweise einer Akku-Flex, verursacht sicherlich auch Geräusche. Zögern Sie bei verdächtigen Wahrnehmungen nicht und rufen Sie über den Notruf 110 die Polizei.

Infos: Polizeiladen Kassel, Tel. 0561/17171 polizei.hessen.de

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