Wichtiges Betreuungsangebot

Tageseltern entlasten Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel

Ein Kind spielt gemeinsam mit einer Tagesmutter.
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Ein Kind spielt gemeinsam mit einer Tagesmutter. Das Foto ist ein Symbolbild.

Kleine Gruppen, individuelle Betreuungszeiten, eine feste Bezugsperson: Tageseltern sind als Alternative zu Kindergärten nicht mehr wegzudenken.

Kreis Kassel – Im Landkreis Kassel ist man zufrieden mit dem großen Angebot, auf das Eltern für die Kinderbetreuung zurückgreifen können. „Wir sehen die Tageseltern als eine von zwei großen Säulen im Betreuungsangebot und sind sehr froh, so viele qualifizierte Personen in der Region zu haben“, sagt Sabine Scherer, Leiterin des Fachbereichs Jugend beim Landkreis Kassel.

Auch die Kommunen setzen auf Tagesmütter oder Tagesväter. „Sie entlasten die Städte und Gemeinden, die ja jedem Kind einen Betreuungsplatz anbieten müssen“, sagt Michael Steisel, Bürgermeister von Söhrewald. „Wir freuen uns über jede, die sich bei uns meldet und Tagesmutter werden will.“

Um Anreize zu schaffen, zahlt die Gemeinde zusätzlich 50 Euro pro Monat und Kind. Dazu kommt noch eine einmaligen Pauschale in Höhe von 100 Euro pro Jahr für Material, wie zum Beispiel Spielzeug. Die Stadt Vellmar unterstützt Tageseltern ab dem kommenden Jahr ebenfalls. Dort werden dann 100 Euro pro Kind und Monat gezahlt. Weil der Bedarf stetig steigt, werden zudem laufend weitere Tageseltern gesucht.

Die Kosten

Grundsätzlich hat ein Kind ab dem ersten bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres einen Anspruch auf Betreuung von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater. Pro Stunde zahlen Eltern 1,30 Euro. Wer sein Kind also beispielsweise 25 Stunden in der Woche zu einer Tagesmutter bringt, kommt auf einen Betrag von 130 Euro im Monat. „Tatsächlich kostet eine Stunde Betreuung 5,13 Euro“, erklärt Scherer, „den Differenzbetrag übernimmt der Landkreis.“

Ob es finanziell vorteilhafter ist, sein Kind zur Tagesmutter oder in den Kindergarten zu schicken, sei von Fall zu Fall unterschiedlich. „Das kann man so nicht sagen, dabei kommt es darauf an, wie alt das Kind ist und wie viele Stunden es betreut wird.“ Denn ab einem Alter von drei Jahren greift zum Beispiel das neue Kitagesetz, wonach der Kindergartenbesuch für sechs Stunden täglich gebührenfrei ist.

Die Gruppengröße

Tageseltern dürfen bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen. „Viele schöpfen diese Möglichkeit aber gar nicht aus und haben nur drei oder vier Kinder gleichzeitig in ihrer Obhut“, erklärt Scherer.

Waldemar Hofer, Tagesvater in Baunatal, empfindet die kleinen Gruppengrößen als einen großen Pluspunkt. Er ist selbst Vater eines Sohnes, der von einer Tagesmutter betreut wurde. „Mein Sohn ist eher ruhig. Wir fanden deshalb eine familiäre Atmosphäre und eine kleinere Gruppe besser für ihn.“

Im Kindergarten können 25 Kinder in einer Gruppe gleichzeitig betreut werden. Die Zahl reduziert sich aber, wenn Kinder unter drei Jahren in der Gruppe sind.

„Wir haben zwei Gruppen mit Kindern von zwei bis sechs Jahren“, sagt Mareike Hetzler, stellvertretende Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Hirschbergzwerge in Helsa. Diese altersgemischten Gruppen sieht sie als Vorteil: „Die Kleinen schauen sich viel von den Großen ab und lernen von ihnen.“ Das merke man sowohl bei der Motorik als auch am Sozialverhalten.

Trotzdem sei der Sprung von der Betreuung zu Hause oder bei einer Tagesmutter zum Kindergarten schon ein großer. „Wenn die Kinder erst in eine Krippe gehen und dann in die Kita kommen, fällt der Übergang meist leichter“, sagt Hetzler. Denn Krippengruppen seien kleiner und die Kinder jünger als in den normalen Kitagruppen.

Monika Creutzburg, Leiterin der Kindertagesstätte Espe-Aue in Espenau, fände es am besten, wenn es Zwischengruppen für zwei- bis vierjährige Kinder geben würde. „Bei Gruppen mit Zwei- bis Sechsjährigen verlangt man von den Großen oft zu viel, weil sich die Erzieher intensiv um die Kleinen kümmern müssen.“ Deshalb versuche man in Espenau auch, die Kinder in der Krippe zu lassen, bis sie etwas älter sind. „Das klappt manchmal nicht, weil wir voll belegt sind und keinen Spielraum bei der Vergabe von Plätzen haben“, sagt Creutzburg.

Die Flexibilität

Ein großer Vorteil von Tagesmüttern sind die meist flexibleren Betreuungszeiten. „Sie können oft genau auf die Wünsche der Eltern eingehen und ihnen so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern“, sagt Scherer.

Das bestätigt auch Tagesvater Waldemar Hofer. „Wenn mich eine Mutter anruft und sagt, sie stehe im Stau oder schaffe es aus anderen Gründen nicht pünktlich, ist das überhaupt kein Problem. Ich bin ja sowieso zu Hause mit den Kindern.“ Auch Kindergärten bieten individuelle Betreuungszeiten an. „Bei uns können Eltern die Zeiten monatlich ändern“, sagt Monika Creutzburg von der Kita Espe-Aue. In den Morgenstunden begännen die Module im Halbstundentakt. (Theresa Novak)

Qualifizierungskurse für Tageseltern 

Tagesmutter oder Tagesvater können Personen werden, die Kinder mögen, eine liebevolle und familiäre Atmosphäre bieten können, Interesse an pädagogischen Themen und Fortbildungen haben und offen für die Zusammenarbeit mit den Eltern der Tageskinder und den Fachkräften sind. Der Landkreis bietet Qualifizierungskurse an, eine fachliche Begleitung und Beratung in allen Fragen rund um die Kindertagespflege und Ansprechpartner in den regionalen Vermittlungsstellen. Im gesamten Landkreis Kassel gibt es 135 Tagesmütter und einen Tagesvater.

Weitere Infos gibt es beim Fachdienst Kindertagespflege unter Tel. 0561/1003-1410 oder -1417

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