VERBOT VON FEUERWERK

„Tiere spielen verrückt“ - Naturschützer über Auswirkungen von Feuerwerkverbot

Ein normales Silvester ist kein Spaß für Tiere: Für viele Menschen bedeutet das Feuerwerk zu Silvester Spaß, für Katzen und Hunde dagegen oft Stress. Manche verkriechen sich, andere werden panisch.
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Ein normales Silvester ist kein Spaß für Tiere: Für viele Menschen bedeutet das Feuerwerk zu Silvester Spaß, für Katzen und Hunde dagegen oft Stress. Manche verkriechen sich, andere werden panisch.

Böllern ist heute und morgen verboten – zumindest auf öffentlichen Plätzen im Landkreis Kassel. Auch für private Räume gilt die Empfehlung, auf Feuerwerk zu verzichten. Was der Landkreis kürzlich öffentlich gemacht hat, sorgt bei Martin Lange aus Oberkaufungen für große Freude.

Kreis Kassel - Nicht nur die Begründung, die Knallerei wegen der Corona-Pandemie auszusetzen, findet Lange nachvollziehbar. Schließlich habe er selbst als Assistenzarzt in der Chirurgie am Kasseler Klinikum gesehen, was in der Silvesternacht los ist. „Sie konnten die Uhr danach stellen: Ab 0.20 Uhr kamen die Notfälle rein.“

Der Vorsitzende des Naturschutzbundes Kaufungen/Lohfelden (Nabu) ist allerdings auch aus Umweltgründen für das Böllerverbot auf öffentlichen Plätzen und den Hinweis, im Privaten ebenso auf das Feuerwerk zu verzichten. „Als Naturschützer kann ich es nicht gutheißen, wenn die Tiere aus dem Rhythmus kommen“, sagt Lange. Wie sich das Feuerwerk auf die Lebewesen auswirkt, könne schon bei Haustieren beobachtet werden: „Die spielen verrückt.“ Das sieht Kreissprecher Harald Kühlborn ähnlich: „Wer ein Haustier hat, weiß, welche Belastungen Feuerwerk für die Tiere darstellt.“

Martin Lange, Naturschutzbund

Bei Wildtieren sei das nicht anders, sagen Kühlborn und Lange. Der Naturschützer erläutert, dass auch sie die Geräusche nicht einordnen könnten. Sie gerieten in Panik durch lautes Knallen und helles Licht. Bei ihrer Flucht, so Lange, sei es nicht unüblich, dass sich die Tiere verletzen. „Am nächsten Morgen sieht man davon allerdings kaum noch etwas, weil nachtaktive Tiere wie Waschbären sich die Kadaver holen.“ Die Spuren des Feuerwerks seien hingegen teils noch Monate nach Silvester zu sehen.

Für Lange ist das alles ein Irrsinn: „Gerade in Zeiten, in denen die Natur ohnehin schon an der Wand steht, sollte man sich das überlegen.“ Lange weiß darum, dass Feuerwerk eine besondere Bedeutung für viele Menschen hat. Einen Kompromiss sieht er darin, das Böllern in künftigen Jahren zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen zu erlauben, auf denen die Natur möglichst wenig beeinflusst wird. Auch Kühlborn ist sich der Tatsache bewusst, dass das Verbot für viele einen Einschnitt bedeutet. Der Kreissprecher verweist jedoch wie lange darauf, dass das Verbot zumindest für den Tier- und den Naturschutz positive Auswirkungen hat. (Moritz Gorny)

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