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Trockener Sommer: Viele Landwirte im Kreis Kassel klagen über schlechte Ernte

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Von: Maik Dessauer

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Schaffte es nicht mehr, alle Mastbullen mit genügend Futter zu versorgen: Bauer Uwe Göbel musste 17 seiner 30 Bullen in diesem Jahr schlachten lassen. © Maik Dessauer

Kreis Kassel. Die Dürre im Sommer hat den Landwirten im Landkreis Kassel zu schaffen gemacht. Die Hoffnungen ruhen nun auf einem feuchten, aber nicht zu kalten Herbst.

Wenn Uwe Göbel dieser Tage um 6.30 Uhr aufsteht, um sein Vieh zu füttern, hält sich seine Laune in Grenzen. Wo normalerweise 30 Mastbullen im Stall des Landwirts aus Elgershausen auf ihre Fütterung warten, stehen derzeit nur noch 13 Tiere. „Die Reihen sind leer, da macht man sich schon seine Gedanken“, sagt der 49-Jährige, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt. Von über der Hälfte seiner Bullen musste sich Göbel in diesem Jahr trennen. Er hat sie schlachten lassen.

Der Grund: der trockene Sommer. „Es war einfach nicht genug Futter da, ich hätte mein Vieh nicht sattbekommen.“ Gewöhnlich lagert Göbel in der Scheune hinter dem Stall pro Saison bis zu 300 Ballen Grassilage à 400 Kilogramm. Stattdessen herrscht dort aktuell gähnende Leere. Der Ertrag an Grünland habe in diesem Jahr nur etwa die Hälfte betragen.

Befürchtungen bestätigt

Wie bei vielen anderen Landwirten in der Region hat die seit April anhaltende Dürre auch bei Göbel ein Vakuum erzeugt. Und das nicht nur in der Viehzucht, sondern auch in der Getreideernte. Besonders stark betroffen: Weizen und Raps. Auch Sommerfrüchte wie Kartoffeln und Zuckerrüben zählen zu den großen Verlierern des Sommers. „Unsere Befürchtungen, wonach die anhaltende Trockenheit zu deutlichen Ertragseinbußen führen werde, haben sich bestätigt“, sagt der Präsident des Hessischen Bauernverbands Karsten Schmal.

„Die extremen Wetterbedingungen nehmen zu“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands. „Eine kontinuierliche Wasserversorgung haben wir nicht mehr, das ist für die Landwirtschaft ein Problem.“ Je nach Standort gebe es in der Region erhebliche Unterschiede. Durchschnittliche Erträge und gravierende Ertragsminderungen lägen nah beieinander. Führten Gewitter in diesem Sommer über Martinhagen etwa immer wieder zu Regenfällen, blieb es im nur zehn Kilometer entfernten Elgershausen über Göbels Feldern weitestgehend trocken. Die Hoffnungen vieler Landwirte in der Region ruhen nun auf einem feuchten, aber nicht zu kalten Herbst.

Die bisherigen Ernteeinbußen würde das jedoch auch nicht wettmachen. Ein Problem sieht Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Kassel, vor allem in der Unvereinbarkeit von Natur und Bürokratie. „Die Vorgaben der Politik für Landwirte sind starr und können bei einem solch trockenen Sommer nicht funktionieren.“ Zwar gebe es Dürrebeihilfen, „davon wird in diesem Jahr aber kein Landwirt etwas sehen“. Die Entscheidung über Beihilfen falle erst nach Ablauf des Wirtschaftsjahres im Juli 2019. „Futterbauleute haben aber jetzt den Engpass, nicht in ein paar Monaten“, sagt Schulte-Ebbert.

Vorschüsse würden indes helfen, die Einbußen – gerade in der Viehzucht – zumindest teilweise aufzufangen. Den Bauern bleiben bei anhaltendem Futtermangel nur zwei Optionen: sich von den Tieren zu trennen oder für viel Geld Futter anzukaufen. Der Ankauf lohnt sich aber in den wenigsten Fällen. „Wenn Heuballen auf einmal für 100 statt 35 Euro gehandelt werden, wird es schwierig“, sagt Göbel. „Das Geld sieht man im Fleisch nie wieder.“ Der Bauernverband plädiert für Soforthilfen. „Natur ist lebendig und funktioniert anders als Bürokratie“, sagt Schulte-Ebbert.

Letzter Vollerwerbsbetrieb

Auf 90 Hektar Betriebsfläche baut Uwe Göbel Raps, Weizen, Gerste, Roggen, Mais und Kartoffeln an. Außerdem hält er neben den Mastbullen bis zu 50 Schweine. Der Bauernhof ist der letzte Vollerwerbsbetrieb in Elgershausen. Vor 15 Jahren waren es noch zehn. Wenn Göbel in Rente geht, wird es keinen mehr geben. Er plant aber, den Hof im Nebenerwerb weiterzuführen. Bis dahin sind es jedoch noch 17 Jahre. Und zuallererst muss der Ausfall aus diesem Jahr kompensiert werden. Denn: „Wirtschaftlich wird es immer enger, noch so ein Jahr darf es nicht geben.“

Ernteeinbußen im Landkreis Kassel

Statt wie üblich für drei reichte es auf den Feldern von Bauer Uwe Göbel nur für zwei Grünland-Schnitte in diesem Jahr – mit Ertragseinbußen von knapp 50 Prozent. Deshalb hatte er nicht genug Grassilage für seine Mastbullen. Weiterhin schätzt er seine Einbußen in der Kartoffelernte auf über 30 Prozent. Damit liegt er nah bei den Werten, die der Kreisbauernverband in seiner Erntebilanz für den Landkreis Kassel angibt. Hier werden unter anderem folgende Einbußen angegeben (die Werte variieren von bis aufgrund der großen regionalen Unterschiede): 

Wintergetreide: 15 – 25 % 

Sommergetreide: 15 – 35 % Raps: 25 – 45 % 

Kartoffeln: bis 50 % Mais: 30 – 40 % Ackerfutter/Grünland: 40 – 60 % 

Insgesamt wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts in Hessen in diesem Jahr 12,6 Prozent weniger Getreide geerntet als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. 

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