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Über 300 Besucher: Start der Landwirtschaftlichen Woche in Baunatal

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Von: Peter Dilling

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Werbung für biologischen Anbau: Julia Friedrich (Landkreis Hersfeld-Rotenburg, v. l.), Andreas Althoff (Waldeck-Frankenberg), Juliane Wagner (Schwalm-Eder-Kreis), Daniela Schwarz und Sabine Merten (Ökomodell-Region Nordhessen) sowie Silke Fleurke (Ökomodell-Region Nordhessen) vertraten bei der Landwirtschaftlichen Woche die Initiative „Ökomodell-Land Hessen“, zu der sich 13 Ökomodell-Regionen in Hessen zusammengeschlossen haben.
Werbung für biologischen Anbau: Julia Friedrich (Landkreis Hersfeld-Rotenburg, v. l.), Andreas Althoff (Waldeck-Frankenberg), Juliane Wagner (Schwalm-Eder-Kreis), Daniela Schwarz und Sabine Merten (Ökomodell-Region Nordhessen) sowie Silke Fleurke (Ökomodell-Region Nordhessen) vertraten bei der Landwirtschaftlichen Woche die Initiative „Ökomodell-Land Hessen“, zu der sich 13 Ökomodell-Regionen in Hessen zusammengeschlossen haben. © Peter Dilling

Steigende Anforderungen an den Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität, erhöhte Energie- und Düngemittelkosten sowie fehlende Planungssicherheit für Tierhalter und überbordende Bürokratie. Landwirte klagen über alte und neue Hürden.

Baunatal – Die vom Gesetzgeber geplante Einschränkung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und der stetige Rückgang landwirtschaftlich nutzbarer Flächen – sei es durch Versiegelung, sei es durch eine Reservierung für den Naturschutz: Die hessischen Bauern sehen sich mit alten und vielen neuen Hürden konfrontiert, die ihnen ein auskömmliches Wirtschaften immer schwerer machen.

Das war zumindest gestern der Tenor bei der Eröffnung der 75. Landwirtschaftlichen Woche mit über 300 Besuchern aus Landwirtschaft, Politik und Expertenkreisen in der Baunataler Stadthalle. Die Tagung mit zahlreichen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Fachvorträgen und Fortbildungsveranstaltungen endet am Donnerstag.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stärkte den Landwirten am Eröffnungstag den Rücken – zumindest verbal. Er sicherte ihnen seine Unterstützung zu und verwies darauf, dass Hessen mit dem Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“ das Bild der Landwirte in der Öffentlichkeit stärken werde.

Wunsch nach Nachhaltigkeit, auch in der Politik

Nachhaltigkeit wünschen sich diese aber auch von der Politik: Der Bauernverband hat einen Katalog mit 80 Forderungen dazu vorgelegt. Man erwarte von der Landesregierung, dass diese ihre Spielräume im Rahmen der europäischen Agrargesetzgebung voll nutze, hieß es aus dem Kreis des Verbandspräsidiums.

Auch die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e.V. rückte sich mit der Übergabe eines „Klimapakets“ mit Produkten des biologischen Anbaus in das Blickfeld des Ministerpräsidenten. Die Bio-Sparte trage am effektivsten zum Schutz des Klimas und der Artenvielfalt bei. Unterstützung kann diese Branche wohl auch gut gebrauchen.

Die Produzenten von Öko-Produkten hätten von den in manchen Bereichen gestiegenen Erlösen der Landwirtschaft nicht profitiert, da sich die Kunden angesichts von Energiekrise und Inflation beim Kauf dieser Produkte zunehmend zurückhielten, sagte Karsten Schmal (Waldeck), Präsident des Hessischen Bauernverbands, der die landwirtschaftliche Woche eröffnete.

Karsten Schmal Präsident des Hessischen Bauern- verbands
Karsten Schmal Präsident des Hessischen Bauern- verbands © Privat

Schmal macht sich vor allem Sorgen um die weiter dramatisch zurückgehende Zahl von Viehhaltungen in Hessen. Auf deren Fortbestand sei Nordhessen mit seinem großen Anteil an Grünflächen besonders angewiesen. „Das Vertrauen in die Zukunft ist bei den Tierhaltern komplett weg“, sagte er während einer Pressekonferenz.

Jeder Zweite rede davon, seinen Betrieb aufzugeben. 600 000 Kühe seien in den letzten Jahren im Bestand verloren gegangen. Auch die Schweine-, und vor allem die Sauenhaltung, gehe weiter stark zurück. „Wir laufen auf ein schweinefreies Land hinaus“, meinte Schmal. Die Landwirte seien auf freiwilliger Basis ja bereit, beim Klima- und Tierschutz ihren Beitrag zu leisten. Die Politik mache aber keine verlässlichen Vorgaben und bürde den Landwirten ein nicht tragbares Investitionsrisiko auf. Angesichts der Probleme, die der Ukraine-Krieg und die Pandemie verursacht hätten, müsse der Gedanke der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mehr in den Blick genommen werden. (Peter Dilling)

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