In Österreich mit ihrem 33 Jahre alten Nissan Sunny erfolgreich

Über Schotter und Sand: Team aus Nordhessen fuhr in Österreich

In Österreich mit ihrem 33 Jahre alten Nissan Sunny erfolgreich: Marco Abu Schab (von links), Jarek Gurgol , Gerd Grunewald und Evi Bodman. Die Spuren des Rennens sind noch auf dem Auto sichtbar.
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In Österreich mit ihrem 33 Jahre alten Nissan Sunny erfolgreich: Marco Abu Schab (von links), Jarek Gurgol , Gerd Grunewald und Evi Bodman. Die Spuren des Rennens sind noch auf dem Auto sichtbar.

Noch immer geraten die vier Fahrer des etwas ungewöhnlichen Rennteams aus Nordhessen mit breitem Lächeln auf dem Gesicht ins Schwärmen. Sie sind mächtig stolz auf ihre Leistung kürzlich bei einem Langstreckenrennen im österreichischen Rappolz.

Kreis Kassel – Nach elf Stunden und sechs Minuten Fahrt über Schotter, Sand und Schlamm haben sie mit ihrem 33 Jahre alten Nissan Sunny und 73 PS unter der Haube einen achten Platz herausgefahren – unter 29 Teilnehmern. Für ihre Freude haben Evi Bodman (35, Guxhagen), Marco Abu Schab (48, Baunatal), Jarek Gurgol (30, Kassel) und Gerd Grunewald (61, Schauenburg) allen Grund. Vor allem, weil mit Bodman und Gurgol zwei komplette Motorsportneulinge am Lenkrad drehten.

„Die saßen noch nie in einem Rennwagen“, sagt Gerd Grunewald, der selbst ein alter Rallye-Hase ist und in den 80er- und 90er-Jahren einige nationale Erfolge auf vier Rädern verbuchte. Der Schauenburger hat den nahezu serienmäßigen Nissan Sunny vorbereitet und das Team zusammengetrommelt. Evi Bodmann, die derzeit online als Hebamme und Yoga-Lehrerin arbeitet, sei erst am Tag vor dem Rennen als Fahrerin ins Team gekommen, berichten die drei anderen. Ein Motorsportler hatte kurzfristig abgesagt. Eigentlich sollte die 35-Jährige nur so als Begleitung mit nach Österreich kommen, erzählt Grunewald. „Sie hat früher Leistungssport betrieben“, ergänzt Marco Abu Schab. „Da haben wir gesagt: Du bist unsere Frau.“

Und während ihrer jeweils einstündigen Einsätze schlug sie sich hervorragend, genauso wie auch die Lkw-Fahrer Gurgol, ebenfalls Neuling, und Abu Schab. „Es war mega“, sagt Bodman über die erste Erfahrung als Rennfahrerin. „Das hätte ich nie gedacht.“ Auf der immer steiniger werdenden Strecke im Off-Road-Park Rappolz habe sie mit der Zeit immer exakter fahren müssen. „Es macht viel Adrenalin.“

Aufgrund des schwierigen Untergrundes sei bei dem Rennen eben nicht in erster Linie Gasgeben gefragt gewesen, sagt Grunewald. Durchhalten und Ankommen seien die entscheidenden Punkte. Trotz kaputter Stoßdämpfer und einem lockeren Federbein, das an der Box festgezogen wurde, ging es während der 666 Minuten Renndauer immer weiter vorwärts.

„Wir fahren einfach weiter“, habe er zum Team gesagt, berichtet Grunewald. „Da wurden wir im Klassement immer weiter nach vorne gespült.

Bodman lobt vor allem die Stimmung. Auch der erfahrene Grunewald habe überhaupt keinen Druck gemacht, sagt sie. „Die Platzierung war egal.“ Und: Je länger die Hatz dauerte, desto mehr Konkurrenten habe sie auf dem Rundkurs überholt.

Grunewald und sein Team sehen viele Vorteile in den Rennen, die es bisher nur in Österreich und im deutschen Höchstädt gibt. Die Kosten hielten sich in Grenzen, sagt der Schauenburger.

Die Autos müssten älter als Baujahr 2000 und serienmäßig sein. Rennreifen und ein Sportfahrwerk seien verboten. Nur wegen der Sicherheit müssten ein Überrollkäfig und ein Rennsitz im Auto eingebaut werden. Und der Fahrer muss natürlich einen Helm tragen. Ganze 2500 Euro habe ihn die Vorbereitung des Nissans gekostet. Eine Fahrerlizenz ist nicht vorgeschrieben.

Und weil die Freude bei Grunewald über den Erfolg so groß ist, hat er für seine Mitstreiter eigens Pokale anfertigen lassen. Nicht nur deshalb, sondern insbesondere wegen der Teamleistung sind sich alle einig: „Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.“

(Von Sven Kühling)

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