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Und wieder ist es im Landkreis Kassel viel zu trocken

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Von: Boris Naumann

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Das Bild blickt nach oben in die ausgedünnten Baumkronen von Buchen.
45,1 Prozent des gesamten Nadelwaldbestandes hat der Landkreis Kassel in den trockenen Jahren 2018 bis 2020 verloren. Wenn erneut eine lange Dürrephase einsetzt, so warnen die Forstleute, werden als Nächstes die Buchen (Bild) stark in Mitleidenschaft gezogen. © Friederieke Steensen

Unmengen abgestorbener Bäume, deutliche Ernteeinbußen: Die Folgeschäden der drei sehr trockenen Jahre 2018, 2019 und 2020 sind immer noch gegenwärtig – und schon ist Trockenheit erneut Thema in der Region.

Kresi Kassel - Forstleute und Landwirte warnen: Sie fürchten, dass sich das Dürreszenario der jüngsten Vergangenheit wiederholen könnte. So lassen aktuelle Wetterdaten nichts Gutes ahnen. Tatsächlich ist das Frühjahr 2022 bislang in etwa so trocken wie der Frühling 2018. Das zumindest geht aus Zahlen des Internetportals Proplanta hervor, das vor allem für Landwirte relevante Wetterdaten aufbereitet. Beispiel Niederkaufungen: Fielen im sehr trockenen Jahr 2018 von Januar bis Mai nur 224 Millimeter Niederschlag, liegt der Wert für diesen Frühling mit bislang 225 Millimeter nur ganz knapp darüber.

Besonders stark fallen dabei die Monate März und Mai ins Gewicht. So fielen im März in Niederkaufungen nur 8,6 Millimeter Niederschlag, im Mai bis Mitte des Monats sogar nur 3,6 Millimeter. Erst die vergangenen zwei Wochen brachten etwas Entspannung: Die Regenmenge kletterte zuletzt auf 25,7 Millimeter nach oben.

Zwar ist der Mai noch nicht vorbei. Aber ob die 59,4 Millimeter Niederschlag vom „Normal“-Mai 2021 noch erreicht werden, kann als fraglich eingestuft werden. Sicher ist: Allein im März 2022 sind knapp 34 Liter pro Quadratmeter weniger Regen auf die Erde gefallen als noch im März vor einem Jahr.

Ein ähnliches Bild zeigen Wetterdaten aus Schauenburg-Elgershausen, die vom Online-Portal Wetterkontor veröffentlicht werden. Auch dort fielen die Niederschlagsmengen für den März wie auch für den Mai deutlich unterdurchschnittlich aus. So erreichte die Regenmenge im Monat März gerade mal 23 Prozent des langjährigen Monatsmittelwertes, die Regenmenge im noch laufenden Monat Mai ist wegen der Niederschläge in den vergangenen Tagen von zuvor 3 Prozent (Mitte Mai) auf jetzt 30 Prozent des langjährigen Monatsmittelwertes geklettert. Aber auch das ist noch zu wenig. Auch hier steht die Frage im Raum, ob das Defizit bis Ende Mai noch aufzuholen ist.

Hinzu kommt, dass auch die monatliche Durchschnittstemperatur deutlich angestiegen ist. So war der Januar in Schauenburg um ganze 2 Grad Celsius wärmer, der Februar sogar fast um drei Grad Celsius wärmer als die jeweiligen langjährigen Monatsmittelwerte. Das Szenario setzt sich im Mai fort – mit abermals 2,1 Grad Celsius mehr als im Schnitt. Für die Pflanzen heißt das, dass sie deutlich mehr Wasser verbrauchen als bei kühlerem Wetter – Wasser, was jetzt kaum noch im Boden ist.

Landwirtschaft

Das bestätigt auch Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. „Die wärmeren Temperaturen haben die Entwicklung der Feldfrüchte beschleunigt. Gleichzeitig ist der Boden in tieferen Schichten aber noch trockener geworden – trotz des Regens der vergangenen Tage“, sagt Schaumburg, der selbst eine kleine Wetterstation betreibt, die auch Daten zur Bodenfeuchte liefert.

Die Zahlen sprechen für sich: So hat der jüngste Regen nur in Tiefen bis 20 Zentimeter für leichte Entspannung gesorgt. Der Wert kletterte von 7,6 Prozent Bodenfeuchte Mitte Mai (Schaumburg: „Das ist im Prinzip schon staubtrocken.“) auf aktuell 7,9 Prozent. In Tiefen bis 80 Zentimeter fiel der Wert weiter von 28,3 auf 27,7 Prozent, in Tiefen bis 120 Zentimeter von 33,5 auf 33,0 Prozent.

Mit anderen Worten: „Das, was es jetzt geregnet hat, ist unten nicht angekommen, sondern wurde und wird oben von den Feldfrüchten sofort verbraucht – und die Pflanzen ziehen zusätzlich weiter Wasser aus tieferen Schichten, denn dort ist es noch trockener geworden“, sagt Schaumburg. Sein Zwischenfazit: „Es muss noch eine ganze Menge regnen, wenn wir sicher durch den Sommer kommen wollen.“

Forstwirtschaft

Von einer „katastrophalen Gesamtlage“ spricht schon jetzt Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen. Zwar hätten die Regenfälle der vergangenen Tage für leichte Entspannung gesorgt. „Doch muss es dringend deutlich mehr regnen“, sagt Zindel.

Die Trockenheit habe sich längst tief in den Boden hineingefressen. Der Bodenkörper sei aktuell nur in Tiefen bis 50 Zentimeter einigermaßen feucht – „die Bäume sind ja alle grün und blühen auch“. Aber in tieferen Bereichen bis zu 1,50 Meter sei es wegen der Dürrejahre 2018 bis 2020 noch immer staubtrocken. Anders gesagt: Es gibt keine Reserve mehr im Boden für den Wald. „Daher ist die Ausgangslage weiter äußerst problematisch“, sagt Zindel. Wenn diesem Frühling erneut ein Dürresommer folge, „werden wir eine sehr kritische Situation erleben“. Nach dem Massensterben der Fichten in den vergangenen Jahren sei dann die Buche an der Reihe. Vor allem ältere Bäume werde es treffen.

Und: „Gewitterschauer lösen das Problem nicht.“ Die Bodenoberfläche sei immer noch zu hart, sodass übermäßiger Regen einfach nur abfließe statt in den Boden einzusickern. Das so dringend benötigte Wasser gehe somit verloren, der Boden in tieferen Schichten bleibe trocken.

„Was wir brauchen, ist ein sanfter, aber über viele viele Tage kontinuierlicher Dauerregen“, sagt Zindel.

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