Hohe Belastung durch sommerliche Temperaturen

Unfall im Chemiewerk Lohfelden - Großübung für hunderte Einsatzkräfte aus Nordhessen

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Zum Glück nur eine Übung: In einem Chemiewerk in Lohfelden probten am Samstag über 250 Einsatzkräfte aus Nordhessen den Ernstfall.

Schwerer Unfall in einem Chemiewerk in Lohfelden mit mehreren Verletzten: Dieses Szenario übten am Samstag über 250 Einsatzkräfte aus Nordhessen.

Lohfelden – Das Aufkommen der Rettungskräfte ist enorm am Samstagvormittag. 

Im Minutentakt rauschen an die 40 Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, DLRG, DRK und ASB mit Blaulicht und ohrenbetäubenden Sirenen ins Lohfelder Industriegebiet, wo beim Chemikalienvertrieb Brenntag Am Fieseler Werk ein besonders brenzliger Einsatz auf sie wartet.

Horrorszenario - Verletzte unter Chemie-Containern eingeklemmt

Ein Hochregal mit zunächst unbekannten Chemikalien ist in sich zusammengestürzt, mehrere Mitarbeiter sind unter IBC-Behältern, sogenannten Intermediate Bulk Containern zum Transport und Lagerung flüssiger und rieselfähiger Stoffe, eingeklemmt und warten mit teils schwersten Verletzungen auf Rettung.

Ein wahres Horrorszenario, zu dem die Lohfelder Feuerwehr gegen 8.30 Uhr durch die automatische Brandmeldeanlage alarmiert wurde, gefolgt von weiteren Notrufen und entsprechender Nachalarmierung bei Erhöhung des Einsatzstichwortes auf „Gefahrguteinsatz“. 

Chemieunfall nur eine Simulation für Rettungskräfte aus ganz Nordhessen

Der stellt sich glücklicherweise schnell als Großübung heraus, an der weit über 250 Einsatzkräfte beteiligt sind, darunter die Wehren aus Lohfelden, Fuldabrück, Söhrewald, Nieste, Helsa, Baunatal, Fuldatal, Kassel, Hofgeismar und Wolfhagen. „Die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu koordinieren, ist die besondere Herausforderung einer solchen Übung“, sagt Frank Brunst, Chef der Wolfhager Wehr, der auch an der Planung der Mammutübung beteiligt war. 

„Wir haben im Februar vergangenen Jahres mit den Vorbereitungen begonnen und insgesamt rund 900 Stunden investiert.“ Das Szenario sei durchaus realistisch, so Brunst, der von vergleichbaren Fällen vor einigen Jahren in Belgien und auch Northeim berichtet.

Problemstellung: Umgang mit den  unbekannten Chemiemitteln

Besonders heikel in der angenommenen Einsatzsituation: die unbekannten Chemikalien, die nicht nur den Einsatz unter schweren Schutzanzügen verlangen, sondern auch die Alarmierung der in Dortmund stationierten Analytischen Task Force, die am Samstag gegen 11 Uhr mit ihrem mobilen Labor zur Chemikalienbestimmung in Lohfelden eintrifft. 

Die Verletzten sind da längst geborgen und erstversorgt, außerdem ist all das aufgebaut, was ein Einsatz mit giftigen Substanzen bedarf. Ganz wichtig: die Notdekontamination, die direkt an der Einfahrt zum Firmengelände ihren Platz findet. Hier werden die Verletzten grob von Gefahrstoffen befreit und die Schutzanzugträger auf einer Reinigungsstrecke nach dem Ampelprinzip gesäubert. Im roten Bereich werden sie mit Wasser abgesprüht, im gelben legen sie ihre Anzüge ab und im grünen können sie wieder ihre normale Kleidung anziehen.

Belastung für die Einsatzkräfte bei sommerlichen Temperaturen sehr hoch

Die CMS-Anzüge sind es am Ende auch, die die Übungsleiter dazu bewegen, den Einsatz gegen 13 Uhr, früher als geplant, zu beenden. „Die Belastung war für die Kameraden bei den hohen Temperaturen einfach zu hoch“, sagt Brunst. „Da es nur eine Übung war, entschlossen wir uns schließlich zum Abbruch, mit dem Ergebnis sind wir dennoch sehr zufrieden.“

Video: Chemieunfall in Lohfelden - so lief die Großübung ab

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