Abkühlung vor allem bei Hitze

Rastplatz für Radfahrer: Obervellmarer Kirche ist jetzt offiziell Radwege-Kirche

Ein Herr mittleren Alters in T-Shirt zeigt vor einer Steinmauer auf ein kleines Schild.
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Nur das Schild fehlt noch: Die evangelische Kirche in Obervellmar ist nun Radwegekirche. Pfarrer Alfred Hocke zeigt auf den Platz, an dem bald das Symbol dafür zu sehen sein wird.

In der evangelischen Kirche Obervellmar ist es angenehm kühl. Vor allem bei hohen Temperaturen lädt sie daher Radfahrer zu Pausen ein. Das wurde ihr jetzt offiziell bescheinigt.

Vellmar – Angenehm kühl ist es in der evangelischen Kirche in Obervellmar. Während draußen zuletzt mitunter hochsommerliche Temperaturen herrschten, lässt sich – umgeben von der schlichten Gestaltung der Kirche – für kurze Zeit der Alltag ausknipsen. Einladend ist das auch für Radfahrer, die eine Pause machen wollen. Seit Kurzem ist die Kirche deshalb offiziell Radwegekirche.

Was das genau ist, erklärt Pfarrer Alfred Hocke: „Die Kirche ist schon seit Langem eine offene Kirche, sie ist also von 8 bis 18 Uhr geöffnet.“ Das gehört zu den Grundvoraussetzungen, um von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) das Abzeichen zu bekommen. „Und wir liegen an einem offiziellen Radweg.“

Radfahrer können Fahrräder beim Kircheneingang anschließen

Eigentlich sind es sogar zwei: An der Kirche Obervellmar führt der Radweg zum Schloss Wilhelmsthal vorbei. Und die Kirche liegt am Kassel-Edersee-Radweg, der insgesamt eine Strecke von 73 Kilometern misst. Er startet am Kulturbahnhof in Kassel und verläuft durch Teile des Naturparks Habichtswald. Ziel ist der Edersee.

Die Idee der Radwegekirche ist die: „Wir wollen Radlern die Möglichkeit zur Einkehr geben, um zur Ruhe zu kommen und über Gott und die Welt nachzudenken“, sagt Pfarrer Alfred Hocke, der selbst schon etliche Radwegekirchen besucht und sich kurzerhand um den Titel bemüht hat. „Ich dachte, das machen wir auch.“

Seit Kurzem können Radfahrer nun ihre Räder links vom Kircheneingang an Metallringen anschließen. Vor der Kirche hat die Stadt Vellmar eine Bank aufgestellt, zwei weitere sollen noch hinzukommen. Im Innern der Kirche gibt es Flyer zu touristischen Angeboten in der Region. „Zur Not gibt es im Pfarrhaus auch eine Toilette“, sagt Pfarrer Hocke.

Er hatte sogar überlegt, eine Ladestation für E-Bikes anzubringen. „Das gibt es in Hofgeismar, aber es nutzt keiner.“ Die meisten bräuchten das für Kurzstrecken nicht.

Einweihung erfolgt am kommenden Sonntag, 27. Juni

Das Gästebuch in der Kirche zeugt übrigens davon, dass es Besuchern hier gefällt. „Die meisten beeindruckt dieser Ort“, sagt Hocke über die Kirche, die seit zehn Jahren auch Hochzeitskirche ist.

In wie vielen Radwegekirchen Alfred Hocke selbst schon war, kann er gar nicht mehr sagen. Seit zehn Jahren radelt er mit der Männergruppe der Kirchengemeinde regelmäßig zu anderen Radwegekirchen in der Region. Von hier zum Edersee hat er schon alle besichtigt. Bei den Touren ist ein Architekt dabei, der in jeder Kirche einen kleinen Vortrag hält.

Auf dem Weg zum Edersee liegen laut Karte der EKD zwei weitere Radwegkirchen: die evangelische Kirche Wenigenhasungen in Wolfhagen und die Evangelische Kirche Affoldern am Edersee.

Termin: Am Sonntag, 27. Juni, ab 11 Uhr wird die Kirche als Radwegekirche mit einem Gottesdienst und dem Posaunenchor auf der Wiese eingeweiht. Es gilt Maskenpflicht. Je nach Coronaregeln ist für Verpflegung gesorgt. (Valerie Schaub)

Stichwort: Bildersturm

Die Kirche in Obervellmar ist recht schmucklos: An den Wänden hängen keine Bilder, die Fenster sind nicht verziert. Laut Pfarrer Alfred Höcke ist das auf den Bildersturm im 16. Jahrhundert zurückzuführen. Im Zuge der Reformation wollte man kein Abbild Gottes mehr in Kirchen sehen und verbannte jegliche Bilder und Schmuck. Auch das Kreuz am Altar kommt ohne den Korpus von Christus aus. 

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