Güterzüge mitten durch den Garten

Anwohner der Kämperbrücke in Vellmar sorgen sich um möglichen Verlauf der Kurve Kassel

Durch diesen Garten könnte die Kurve Kassel laufen: Die Anwohner der Kämperbrücke in Vellmar Franziska Friedrich (von links), Liam Friedrich, Phil Marth, Marion Stengel, Frank Marth und Chris Friedrich sind davon nicht begeistert.
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Durch diesen Garten könnte die Kurve Kassel laufen: Die Anwohner der Kämperbrücke in Vellmar Franziska Friedrich (von links), Liam Friedrich, Phil Marth, Marion Stengel, Frank Marth und Chris Friedrich sind davon nicht begeistert.

Eine Variante der Kurve Kassel führt durch die Kämperbrücke in Vellmar. Die Anwohner machen sich Sorgen um ihr Zuhause.

Vellmar – Was passiert mit uns? Das fragen sich Marion Stengel und Frank Marth. Sollte die Variante 4b der Kurve Kassel gebaut werden, wäre das Paar direkt betroffen. Denn die von der Deutschen Bahn geplante Güterzugtrasse soll nur wenige Meter neben ihrem Haus im Gewerbegebiet in der Kämperbrücke in Vellmar vorbeiführen. Bei der Nachbars-Familie Friedrich würde die Brücke sogar durch den Garten gehen. Doch noch gibt es keine endgültige Entscheidung.

Frank Marth betreibt in der Kämperbrücke eine Gläserei. Sie ist direkt neben dem Busunternehmen Bonte gelegen, über dessen Grundstück die Trasse verlaufen soll. Aber Marth wohnt schon lange in dem Gewerbegebiet mit Marion Stengel und ihrem fünfjährigen Sohn Phil, wie viele andere Familien mit ihren Kindern. Dass ihr Zuhause nun durch den Bau der Kurve Kassel gestört werden soll, können sie kaum fassen.

Erfahren haben sie von den Plänen durch einen HNA-Bericht im Januar. Vorher sei von der Trasse durch die Kämperbrücke keine Rede gewesen. Sollte sich diese Variante durchsetzen, wovon die beiden ausgehen, würde das Lärm, Schmutz und zusätzliche Vibrationen durch die fahrenden Züge bedeuten. Das wiederum hieße für die Anwohner, dass sie sich ein neues Zuhause suchen müssten. Dabei wollen sie nicht weg. „Wir genießen es, dass wir nicht im Wohngebiet leben, wir sind im Grünen“, sagt die 39-Jährige. „Wo finden wir diese Lebensqualität wieder?“, fragt sich Marth.

So sieht die Variante 4b der Kurve Kassel aus.

Zudem hieß es in den Plänen der Bahn, dass es sich bei den Grundstücken um unbebaute Flächen handele, sagt Marth. Doch das stimme nicht. „Hier wohnen Familien“, sagt Stengel. Vor allem die Kinder, die in der Kämperbrücke aufgewachsen sind, wolle man nicht einfach entwurzeln. Man habe sich hier schließlich ein Zuhause und ein Leben aufgebaut.

„Für uns war das ein richtiger Schlag ins Gesicht“, sagt Stengel, denn die Brücke würde unmittelbar neben ihrem Schlafzimmer- und Küchenfenster vorbeiführen. Bei Nachbarin Franziska Friedrich würde die Trasse sogar direkt durch den Garten laufen, in dem ihre Söhne Liam und Chris spielen. Wenn man dann versuche, das Haus zu verkaufen, würde es dafür jedenfalls nicht mehr viel Geld geben.

Für die Familien ist nachvollziehbar, dass mehr Güter auf die Strecke gebracht werden müssen. Warum allerdings die bestehende Strecke über Altenbeken nicht in die Variantensuche mit hineingenommen wurde, können Stengel und Marth nicht verstehen. „Es wird mit aller Macht versucht, das hier durchzudrücken“, sagt der 49-Jährige.

Stengel hatte sich bereits mit dem Vellmarer Bürgermeister, der Bürgerinitiative Vellmar „Keine Kurve Kassel“ und dem Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels (SPD) in Verbindung gesetzt. Doch außer Gesprächen konnte sie nicht viel erreichen. Zudem hatten die Anwohner gehofft, beim Runden Tisch, den die Deutsche Bahn regelmäßig mit Vertretern aus Politik, den Bürgerinitiativen und anderen Beteiligten organisiert, dabei sein zu können. Aber diese Möglichkeit gebe es für sie nicht. „Das ist sehr enttäuschend“, sagt Stengel. Man werde so vor vollendete Tatsachen gestellt.

„Wir hoffen auf ein Wunder, dass die Kurve Kassel nicht mehr interessant sein wird“, sagt Stengel. Sollte sie jedoch tatsächlich im Gewerbegebiet Kämperbrücke gebaut werden, erhoffen sie sich von der Stadt Vellmar, dass eine Alternative geschaffen wird, wo sie als Familien mit ihren Betrieben leben können. Ob sie wirklich von der Kurve Kassel betroffen sind, werden sie erst Ende dieses Monats erfahren. (Samira Müller)

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