Kein Bedarf mehr

Asbestbelastetes Bürgerhaus Obervellmar steht vor dem Aus

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Verfällt langsam: Das Bürgerhaus Obervellmar wurde 2011 wegen Schadstoffbelastung geschlossen. Früher gab es hier auch ein Hotel sowie ein Restaurant und eine Kegelbahn. 

Das asbestbelastete Bürgerhaus Obervellmar steht acht Jahre nach der Schließung womöglich vor dem endgültigen Aus. 

Das Bürgerhaus Obervellmar befindet sich seit acht Jahren im Dornröschenschlaf. Das einst schmucke Gelände ist längst zu einem wenig ansehnlichen Komplex geworden. Möglicherweise wird die Stadt das Bürgerhaus Obervellmar nun sogar endgültig aufgeben. 

Laut einer Bedarfsanalyse, die dem Parlament am Montagabend vorgelegt werden soll, gibt es keine Notwendigkeit mehr, an der Versammlungsstätte festzuhalten.

„Mit der Wiedereröffnung der Kulturhalle Niedervellmar hat sich die Situation für die Vereine und Verbände deutlich entspannt“, sagte Bürgermeister Manfred Ludewig am Dienstagabend in der Ausschusssitzung, wo bereits über die Zukunft der Immobilie gesprochen wurde.

Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr vertretbar 

Die Verwaltung habe sich zwischenzeitlich darauf verständigt, das Kulturprogramm zu reduzieren, sodass das Haus auch nicht mehr als Veranstaltungsort gebraucht werde. Aus wirtschaftlicher Sicht sei die Sanierung in Millionenhöhe, gemessen am Bedarf, deshalb nicht mehr vertretbar.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streit um das leer stehende Gebäude an der Holländischen Straße. Alles begann mit der Schließung im August 2011. Seitdem gab es etliche Diskussionen um die Zukunft des Hauses. 

Die Pläne des damaligen Bürgermeisters Dirk Stochla, das Bürgerhaus abzureißen und neu zu bauen, wurden nie realisiert. Auch ein abgespecktes Konzept – der Teilabriss und die Sanierung – wurden bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen musste vor Gericht geklärt werden, ob das Bürgerhaus asbestbelastet ist. 

Zukunft der schadstoffbelasteten Immobilie sieht düster aus

Im Zuge der Neubauplanungen für die Obervellmarer Einrichtung war ein zweiter Gutachter im Mai 2013 zu dem Resultat gekommen, dass keine Asbest-belastung vorliege. 

Die Stadt Vellmar beantragte daraufhin beim Landgericht Kassel – auch vor dem Hintergrund möglicher Schadensersatzansprüche – die Einschaltung eines neutralen Experten, um die strittige Frage bezüglich der Kontaminierung endgültig zu klären. Im Jahr 2018 entschieden die Stadtverordneten dann endlich, dass das Bürgerhaus zügig saniert werden soll. 

Doch stattdessen folgte ein Haushaltsbegleitantrag im Frühjahr 2019 – eine Bedarfsanalyse wurde gefordert. Seitdem liegen die Pläne auf Eis. Die Zukunft der schadstoffbelasteten Immobilie sieht düster aus.

Im Februar sollen die Stadtverordneten endgültig darüber abstimmen, ob Vellmar das Bürgerhaus aufgibt.

Chronik der Ereignisse rund um das Bürgerhaus

  • August 2011: Das Bürgerhaus muss geschlossen werden, weil das Gebäude asbestbelastet ist. Zunächst wird über die Sanierung des Komplexes diskutiert. . Juni 2012: Die Stadtverordneten beschließen den Abriss und Neubau. Geschätzte Kosten: 4,35 Mio. Euro.
  • August 2012: Der Haushalt ist genehmigt. Das Projekt Bürgerhaus Obervellmar soll europaweit ausgeschrieben werden.
  • Mai 2013: Ein zweites Gutachten, das für das Schadstoffkataster bei einem Abriss vorgeschrieben ist, kommt zu dem Ergebnis: keine Asbestbelastung. 
  • Juli 2013: Die Zukunft des Bürgerhauses soll erneut beraten werden. Auch die Teilsanierung ist wieder eine Option. 
  • April 2014: Ein vom Landgericht bestellter Gutachter bestätigt die Asbest-belastung, die 2011 gemessen wurde. Die Pläne für Abriss und Neubau sind wieder im Gespräch.
  • Februar 2016: Ein Gerichtsurteil bestätigt die Asbestbelastung im Bürgerhaus. 
  • Mai 2016: Parlament gibt erneut grünes Licht für Abriss und Neubau. Kosten haben sich aber inzwischen mit 8,71 Mio. Euro verdoppelt. 
  • Dezember 2017: Bürgermeister legt Parlament neue Pläne für Teilabriss und Sanierung vor. Kosten: 4,21 Mio. Euro.  
  • Februar 2018: Stadtverordnete beschließen einstimmig neues Konzept. 
  • April 2019: Sanierung wird vom Parlament zurückgestellt.

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