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Mobiler Sozialer Dienst in Vellmar wird eingestellt: Bedarf ist da, Personal fehlt

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Von: Valerie Schaub

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Zum Fenster putzen auf die Leiter steigen: Das können viele alte Menschen nicht mehr. Der Mobile Soziale Dienst in Vellmar hat solche Arbeiten übernommen, jetzt läuft das Angebot aus.
Zum Fenster putzen auf die Leiter steigen: Das können viele alte Menschen nicht mehr. Der Mobile Soziale Dienst in Vellmar hat solche Arbeiten übernommen, jetzt läuft das Angebot aus. © Christin Klose/DPA

Der Mobile Soziale Dienst (MSD) in Vellmar kann alte Menschen nicht mehr unterstützen, das Zusatzangebot des Diakonischen Werks Region Kassel läuft zum Jahresende aus.

Vellmar – Wer im Alter nicht mehr so fit ist, braucht oft Hilfe im Haushalt. Die Wäsche aufhängen, staubsaugen, Fensterputzen, Einkaufen gehen – mit solchen Tätigkeiten haben in Vellmar Mitarbeiterinnen des Mobilen Sozialen Dienstes (MSD) alte Menschen unterstützt. Nun müssen sich die Betroffenen anderweitig Hilfe suchen, das Angebot läuft zum Jahresende aus.

Der Dienst ist ein Zusatzangebot des Diakonischen Werks Region Kassel. „Unsere Mitarbeiterinnen haben im Haushalt stundenweise unterstützt“, erklärt Tamara Morgenroth, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks.

Dafür hat der MSD eng mit der städtischen Sozialstation in Vellmar zusammengearbeitet. Als Win-win-Situation beschreibt das Morgenroth. Denn oftmals hätten Menschen ohne Pflegegrad den Haushaltsdienst angenommen. Wurden sie pflegebedürftig, hat der Dienst an die Sozialstation vermittelt, weil er selbst keine pflegerischen Tätigkeiten übernehmen darf.

Die Entscheidung für das Aus traf das Diakonische Werk schon Anfang Januar

Die Entscheidung für das Aus hat das Diakonische Werk laut Mitteilung schon im Januar getroffen, als absehbar war, dass dieses Zusatzangebot für das Werk finanziell nicht mehr zu stemmen war. Für immer knapper werdendes Personal, zuletzt fünf Haushaltshilfen, musste das Werk in Vellmar eine eigene Infrastruktur mit Fahrern, Anleitern und Einsatzplanung vorhalten, erklärt Morgenroth. Das Defizit vergrößerte sich auf zuletzt eine sechsstellige Summe.

Die Lösung, dass der Dienst von der Sozialstation übernommen wird, wie es im März mit dem Kaufunger Ableger geklappt hat, scheint in Vellmar aussichtslos. Das ist seit der vergangenen Sitzung der Stadtverordneten klar. In Vellmar fehlen laut Magistrat die finanziellen Ressourcen, die Räume und ebenfalls das Personal, wie aus einer Anfrage hervorgeht. Auch die Suche nach anderen freien Trägern, die den Dienst übernehmen könnten, ist laut Geschäftsführerin gescheitert.

„Wir bedauern das sehr“, sagt Tamara Morgenroth. Alle hätten sich eine Lösung gewünscht, denn der Bedarf nach solchen Hilfen im Alltag sei enorm. Das bestätigt auch Michaela Ehnis, die im Vellmarer Büro nun wöchentlich Anfragen ablehnen muss. Manche fragten fast weinend nach Hilfe.

Mit der Zeit wurde es immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden, die dafür geeignet sind

Den Bedarf konnte der MSD Vellmar zuletzt nur noch teilweise decken. Denn es sei immer schwieriger geworden, Mitarbeiterinnen zu finden, die diese Arbeit machen wollen und dafür auch geeignet sind, erklärt die Geschäftsführerin.

Der Großteil der Haushaltshelfer des MSD sind Frauen, die noch nie oder lange nicht im Berufsleben waren. Über Arbeitsprojekte hat das Jobcenter sie an das Diakonische Werk vermittelt, manche fanden nach der Zeit im MSD eine Festanstellung. „Es war auch ein Sprungbrett für Frauen, wieder beruflich Fuß zu fassen“, sagt Morgenroth.

Was mit den rund 80 Haushalten passiert, die von den Helferinnen unterstützt worden sind, ist offen. „Wir können sie nicht mehr bedienen“, bedauert Morgenroth. Es sei kaum möglich, andere Dienste zu empfehlen, denn alle hätten ähnliche Probleme. Auch die städtische Sozialstation könne mit dem Budget und den rund 20 Mitarbeitern nicht mehr Aufträge übernehmen, sagt Stadtkämmerer Karsten Milzarek-Staub. Dafür müssten mehr Stellen bewilligt werden.

Von Valerie Schaub

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