Lückenhafte Buchhaltung

Steuerhinterziehung: Bewährung für Asia-Imbiss-Betreiber im Vellmarer Herkules-Markt

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Asia-Imbiss im Fokus: Der Ladenbetreiber, der mit seinem Geschäft im Vellmarer Herkules-Markt angesiedelt war, hat offenbar den Fiskus betrogen. Nun ist der Mann, der aus Vietnam stammt, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Wegen Steuerhinterziehung hat das Landgericht den ehemaligen Betreiber eines Asia-Imbisses im Vellmarer Herkules-Markt zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

Die Strafe für den 57-jährigen Vietnamesen wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts läuft seit dreieinhalb Monaten, doch erst am Montag legte der Angeklagte über seinen Verteidiger Jorg Estorf ein Geständnis ab und damit nach Einschätzung von Richter Robert Winter den Weg für eine Verständigung zwischen Anklage und Verteidigung geebnet.

Problematisch bei derartigen Verfahren ist die Ermittlung des tatsächlichen Schadens, der dem Finanzamt entstanden ist. Laut Staatsanwalt Fabian Ruhnau war die Steuerfahndung zunächst auf eine Summe von 445.000 Euro gekommen, die der Angeklagte dem Fiskus zwischen 2008 und 2016 vorenthalten habe, indem Umsätze verschwiegen wurden. 

Diese hohe Summe basierte auf Berechnungen zwischen mit Rechnungen belegten Wareneinkäufen und den verkauften Speisen im Lokal. Verteidiger Estorf bezweifelte die Zahlen des Finanzamtes und stellte eigene Berechnungen an. Dabei blieben hinterzogene Steuern zwischen 150.000 Euro und 200.000 Euro übrig. Fest steht, dass nicht alle Wareneinkäufe des 57-jährigen Vietnamesen buchhalterisch erfasst wurden. Umsätze wurden daher nicht versteuert.

Asia-Imbiss im Herkules: Monatelang kein Fleisch gekauft?

Oft habe er laut seiner sehr lückenhaften Buchhaltung monatelang kein Fleisch oder etwa Cola eingekauft. Auch sei die Schublade der elektronischen Registrierkasse nicht bei jedem Zahlungsvorgang geschlossen worden, was Spekulationen über verschwiegene Umsätze weiten Raum ließ. Ruhnau hatte in seinem Plädoyer eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten gefordert.

„Das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten, zumal es überhaupt nur wenige Aufzeichnungen und kaum Zahlen gibt“, fasste Verteidiger Estorf die Schwierigkeiten des Verfahrens zusammen.

In seinem Geständnis hatte der Angeklagte unrichtige Angaben eingeräumt, sich aber auch auf Unkenntnis des deutschen Steuersystems berufen. Er habe alles seinen wechselnden Steuerberatern übergeben.

Asia-Imbiss in Vellmar 2017 abgegeben

Der ehemalige Offizier der vietnamesischen Armee war 1988 in die DDR gekommen, wo er nach eigenen Angaben als Bautechniker arbeitete. Nach der Wende hatte er 1990 eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten und 2003 einen Imbiss in Erfurt eröffnet. 2005 war er nach Kassel gekommen und hatte den Asia-Imbiss im Herkules-Markt in Vellmar übernommen. Den hatte er 2017 wieder abgegeben und seither dort als Mini-Jobber als Koch gearbeitet.

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