Interview

„Es wird nicht einfacher“ - Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD) über Vellmars Zukunft

Ist während der Corona-Pandemie in die zweite Amtszeit gestartet: Bürgermeister Manfred Ludewig.
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Ist während der Corona-Pandemie in die zweite Amtszeit gestartet: Bürgermeister Manfred Ludewig.

Im Interview spricht Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD) über den Beginn seiner zweiten Amtszeit in Vellmar und die neue Situation im Parlament.

Herr Ludewig, wie haben Sie Ihren Start in die zweite Amtszeit erlebt?
Wesentlich ruhiger als vor sechs Jahren. Die Pandemie beherrscht momentan den Tagesablauf. Damals begann meine Amtszeit am 25. November. Es gab etliche Weihnachtsfeiern und Termine mit Vereinen und Verbänden. Viele wollten den neuen Bürgermeister kennenlernen. In der Regel ging es morgens im Büro los mit Besprechungen und der Tag endete in den späten Abendstunden.
Nach den Kommunalwahlen und dem Verlust der absoluten Mehrheit Ihrer Partei stehen Sie vor einer neuen Situation. Wie gehen Sie damit um?
Die Verwaltung und ich als Bürgermeister sind unabhängig. Wir handeln nach Recht und Gesetz und versuchen umzusetzen, was die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat. Natürlich bedarf es jetzt mehr Absprachen, um alle mitzunehmen. Das habe ich schon in der letzten Legislatur insbesondere den beiden anderen Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen angeboten. Davon wurde aber kaum Gebrauch gemacht. Ich hoffe, dass es in dieser Legislatur deutlich mehr Gespräche mit dem Bürgermeister geben wird.
Und im Magistrat? Da gibt es ja jetzt unter Umständen einen Patt, weil die SPD einen Sitz an die Grünen abgegeben hat.
Das ist richtig, aber so eine Pattsituation, gab es, glaube ich, relativ selten in den letzten sechs Jahren. In der Regel war es so, dass die meisten Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, oder es gab mal eine Enthaltung. Die neue Situation führt bisher – es gab ja erst eine Sitzung – zu keinen großen Problemen und ich denke, das wird auch so bleiben, weil der Magistrat ein Kollegialorgan ist und wir die Verwaltungsangelegenheiten klären müssen. Das, was die Stadtverordnetenversammlung beschließt, hat der Magistrat umzusetzen.
Wo sehen Sie denn die größten Herausforderungen in den kommenden fünf Jahren?
Gemeinsame Lösungen für die Bürgerhäuser und Bäder zu finden, und die Haushaltssituation in der Pandemie zu meistern. Das sind die drei größten Herausforderungen. Wichtig ist natürlich immer, die Entwicklung von Vellmar voranzutreiben und eine ausreichende Infrastruktur vorzuhalten. Ich denke da an die Kindertagesstätten, weil ich davon ausgehe, dass wir Einwohner gewinnen werden in den nächsten Jahren, wenn es um die Baugebiete Alte Ziegelei und Vellmar-Nord geht.
Gibt es denn Neuigkeiten bezüglich der geplanten Kita in Vellmar-Nord?
Nein. Da sind wir noch am Beginn der Gespräche mit der evangelischen Kirche. Erstmal geht es darum, das Baulandumlegungsverfahren abzuschließen, und dann geht es mit den Gesprächen weiter.
Die maroden Bäder beschäftigen die Verwaltung seit vielen Jahren. Wann wird es da weitergehen?
Ich vermute mal, dass die Konzeption im nächsten Jahr erarbeitet wird. Dieses Jahr wird das im Haushalt nicht gelingen, weil wir den Etat erst im Mai einbringen werden. Wenn dann die Haushaltsgenehmigung im Herbst vorliegt, werden wir das Konzept nicht mehr erarbeiten können. Deshalb ist das fürs nächste Jahr vorgesehen.
Es gab Überlegungen, dass die Kulturhalle von der Grundschule mitgenutzt werden könnte. Wird dadurch das Bürgerhaus wieder an Bedeutung gewinnen?
Nach aktuellem Stand wird die Kulturhalle nicht für die Erweiterung der Grundschule benötigt. Aber nichtsdestotrotz muss man die Bürgerhäuser ganzheitlich betrachten. Wir haben in Vellmar-West immer wieder die Probleme, wenn es um Lärmemissionen und Lärmschutz bei großen Feiern geht. Das muss man berücksichtigen. Für mich ist das Bürgerhaus Obervellmar auch deshalb von enormer Wichtigkeit für die künftige Struktur der Stadt Vellmar.
Das heißt, das Bürgerhaus Obervellmar ist noch nicht abgeschrieben?
Nein.
Welches Projekt hat denn für die Stadt die größte Priorität?
Die Bekämpfung der Pandemie, die wir ja leider nicht beeinflussen können, ist von enormer Bedeutung. Und in diesem Jahr werden wir die beiden Krippen in Vellmar-West und Niedervellmar anstoßen, damit die Interimsstätten abgebaut werden können.
Für die Krippen war eine Förderung von jeweils 500.000 Euro geplant, die zwischenzeitlich weggebrochen war. Wie wollen Sie die Neubauten trotzdem finanzieren?
Die Förderung ist nicht weggefallen. Wir haben jetzt einen Vorabbescheid vom Landkreis Kassel erhalten, dass eine Förderung in Aussicht gestellt worden ist, die nicht ganz der Höhe der ursprünglichen Förderung entspricht. Wir werden etwa zehn Prozent weniger erhalten. Die Finanzierung ist gesichert.
Das heißt, die Stadtverordneten sollen noch in diesem Jahr einen Beschluss fassen?
Ja, genau. Der Vorbehalt für den Krippenbau war ja die Förderung, und diese ist uns jetzt zugesichert worden.
2022 könnte sich also einiges in Vellmar tun?
Ja, sowohl bei der Konzeption für die Schwimmbäder als auch bei dem Ausbau der Kinderbetreuung. Bei den Bädern geht es auch darum, mittelfristig zu entscheiden, ob vielleicht ein Bad neu gebaut wird, an welchem Standort, ob die Bäder saniert werden und letzten Endes geht es auch darum, ob wir uns das leisten können und wollen. Gegebenenfalls könnte auch eine Einrichtung geschlossen werden. Das ist aber alles noch offen. Bevor wir Nägel mit Köpfen machen, muss erst mal für ein Konzept geworben werden.
Vor drei Jahren hieß es, die Sanierung der Bäder würde etwa 13 Millionen Euro kosten. Wie realistisch ist es, dass sich die Kosten noch in diesem Bereich bewegen?
Das sehen wir ja in Niestetal. Ich denke, es wird deutlich teurer werden. Das ist aber auch davon abhängig, was man machen möchte und was sich aus der Konzeption ergeben wird. Es wird aber mit Sicherheit über zehn Millionen Euro kosten.
Wie ist denn die finanzielle Situation der Stadt Vellmar?
Vor dem Hintergrund der Pandemie kann man da noch nichts zu sagen. Es wird dieses Jahr unheimlich schwer, den Haushalt aufzustellen, weil sich die Gewerbesteuer bis zum Ende des Jahres um etwa zehn Prozent verringert hat. Und auch in den kommenden Jahren wird es nicht einfacher. Wir wissen noch nicht, wie Bund und Land die Kommunen an den Kosten für die Pandemie beteiligen werden.
Wann werden Sie da mehr Klarheit haben?
Nach den Bundes- und Landtagswahlen. Nach den Bundestagswahlen in diesem Jahr wird das erste mal die Schatulle geöffnet. Und wenn dann im nächsten Jahr die Landtagswahl durch ist, wird die regierende Partei auch sagen, was dann zu erwarten ist. Vorher wird es keine Aussage geben, was uns die Pandemie insgesamt kostet.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für Vellmar wünschen?
Das möglichst schnell alle Bürgerinnen und Bürger eine Schutzimpfung bekommen und wir uns alle wieder treffen können, ohne Einschränkungen. (Alia Shuhaiber)

Zur Person Manfred Ludewig

Manfred Ludewig (55) ist in Uslar geboren und wuchs in Wahlsburg-Vernawahlshausen auf. Er ist Diplom-Kaufmann für Verwaltungsmanagement. Er arbeitete als Kämmerer und Standesbeamter in Wahlsburg, als stellvertretender Amtsleiter im Kirchenkreis Münden sowie als Leiter der Finanzverwaltung Fuldatal. Seit 2014 ist er Bürgermeister in Vellmar. Der Sozialdemokrat ist seit 1993 Mitglied im Kreistag des Landkreises Kassel. Außerdem ist er in zahlreichen Vereinen und Verbänden aktiv, wie der Verbandsversammlung der Kasseler Sparkasse und dem Zweckverband Raum Kassel. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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