Von der Bretagne bis Griechenland

Wilhelm Frese aus Vellmar fährt seit fast 50 Jahren Reisebus

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Wilhelm Frese heute: Der Vellmarer hat viel erlebt und blickt auf bald 50 spannende Jahre als Reisebusfahrer zurück.

Als Busfahrer hat Wilhelm Frese viel erlebt. Reisen nach Griechenland, Ungarn, in die Bretagne oder auch nach Oberbayern hat der 71-Jährige über viele Jahrzehnte mit Leidenschaft organisiert und musste dabei auch oft mal improvisieren.

Seit bald 50 Jahren ist Wilhelm Frese auf den Straßen in ganz Europa unterwegs. Ob Mecklenburgische Seenplatte, Oberbayern, Ungarn, Griechenland oder die Bretagne, Frese hat auf seinen Touren viel gesehen und erlebt – aber von vorn:

Gelernt hat der 71-Jährige Autoschlosser beim damaligen Autohaus Kurhessen in Fuldatal-Ihringshausen. „Damals habe ich am Fasanenhof gewohnt“, sagt Frese, „da hatten wir einen Nachbarn, der war Fernfahrer.“ So knüpfte Frese die ersten Bande zur „Fahrerei“, wie er es nennt. Bei seiner 1963 begonnenen Schlosserlehre lernte er auch Fritz Reifer kennen. Der Busunternehmer ermöglichte die vielen Reisen in ferne Länder.

Bundeswehr, Feuerwehr und Reisebus

Zunächst hieß es für ihn aber: Bundeswehr. Vier Jahre war er beim Fernmeldebataillon 795 und 810 in Hofgeismar. Dort hat er auch seinen Busführerschein gemacht. Nach seiner Bundeswehrzeit verschlug es ihn hauptberuflich zur Feuerwehr nach Kassel. Ein Job, dem Wilhelm Frese mit Herzblut nachging. Seine Fahrleidenschaft blieb aber nicht auf der Strecke. Nebenberuflich fuhr er aber immer, wenn es die Zeit erlaubte, weiter Bus für Reifer.

Wilhelm Frese 1970 während seiner Bundeswehrzeit: Bei dem Fernmeldebataillon in Hofgeismar hat er s einen Busführerschein gemacht. (Repro)

Vor allem für Vereine organisierte er Fahrten. Dabei half ihm seine Frau Brigitte. „Von Anfang an haben wir ein außergewöhnliches Leben gehabt“, sagt sie. Ihr Mann arbeitete im Schichtdienst, das hieß oft: „Wenn ich kam, ist er gegangen.“ Daher war es keine große Umstellung, wenn ihr Wilhelm mal wieder auf Tour war. Häufig fuhr sie auch mit auf eine der zwischen 3 und 14 Tage dauernden Reisen.

Freundlichkeit und Kaffee helfen

Vom Bordfrühstück bis zum Tagesprogramm planten sie alles sorgsam durch. Dazu gehörte auch die Vorbereitung auf aus heutiger Sicht Ungewöhnliches. „Wenn man im Ostblock war, musste erstmal ein Pfund Kaffee zur Rezeption und eins in die Küche oder eine gemischte Packung Kümmerling und Pfläumchen, dann ging das besser“, erklärt er und muss lachen. 

In den Masuren organisierten Freses mit einer Fremdenführerin sogar einmal eine traditionelle Hochzeit, die von den Reisenden nachgespielt wurde – sogar mit Pferd und Blumenkranz. Wenn man freundlich und höflich sei, entwickeln sich schnell viele nette Kontakte, sagt Frese. 

Improvisieren muss man können

Auch improvisieren müsse man können. Einmal habe ein Hotelier zwei Tage vor Reiseantritt abgesagt, weil er pleite gegangen war. Anstatt die Fahrt ausfallen zu lassen, suchte Frese so lange, bis er ein Hotel fand, das die rund 50 Gäste spontan aufnehmen konnte.

Heute fährt Frese hauptsächlich Schulklassen zum Schwimmen oder zu Ausflügen, gelegentlich ist auch mal eine Tagesfahrt für Senioren dabei.

Ob Publikum oder Bustechnik, Veränderungen seien spürbar, sagt er. Unverändert bleibe aber: „Das A und O als Busfahrer ist ruhig bleiben und vorausschauend fahren. Und: Morgens braucht der Busfahrer die erste halbe Stunde nicht zu reden. Da tauschen die Leute sich aus. Ein Busfahrer weiß das.“

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