Drache Uschi ziert die Hauswand

Dachdecker Michael Wenzel aus Vellmar fertigt Kunstwerke aus Metall und Schiefer

Dachdecker Michael Wenzel und „Uschi“. Knapp 200 Arbeitsstunden hat der Dachdecker aus Vellmar in den Drachen aus Metall und Kupfer gesteckt.
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Dachdecker Michael Wenzel und „Uschi“. Knapp 200 Arbeitsstunden hat der Dachdecker aus Vellmar in den Drachen aus Metall und Kupfer gesteckt.

Dachdecker Michael Wenzel aus Vellmar hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit einem Jahr fertigt er Kunstwerke aus Metall und Schiefer. „Jetzt mache ich nur noch das, worauf ich Lust habe“, sagt er.

Vellmar – Zwei Meter lang und mit einer Flügelspannweite von gut zweieinhalb Metern ausgestattet, die spitzen Schuppen aus Zink und Kupfer glänzen im Sonnenlicht – das ist Drache „Uschi“. Ihr Erbauer ist Dachdecker Michael Wenzel aus Vellmar. Sein ein paar Wochen wacht „Uschi“ über die Karosserie-Bau Firma Leipold in Ahnatal.

Die Idee, für den Drachen war eher eine Schnapsidee. „Das kam so beim Feierabendbier“, erzählt Michael Wenzel. „Ich hab für die Firma Leipold ein Benz-Logo aus Schiefer ans Dach gemacht. Dabei viel uns auf, dass das Fallrohr der Regenrinne doch etwas kahl und langweilig aussieht.“

200 Arbeitsstunden stecken in „Uschi“

Doch von der ersten Idee bis zum fertigen Drachen dauerte es. „Etwa 200 Stunden Arbeit stecken in Uschi“, schätzt Wenzel. Jede der 1600 Schuppen hat Michael Wenzel gehämmert. „Ich dachte erst, ich könnte das Metall mit dem Hammer so bearbeiten, das es aussieht wie Schuppen“, sagt er. „Doch das wurde nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.“

So stellte er jede Schuppe einzeln her. „Irgendwann bin ich fast wahnsinnig geworden und hab mich gefragt, ob ich eigentlich verrückt bin“, sagt Wenzel und lacht. Doch die Arbeit habe sich gelohnt. „Uschi ist bis jetzt die größte Figur, die ich gebaut habe“, sagt Wenzel. Also noch eine Art Prototyp.

Doch schon länger baut Michael Wenzel außergewöhnliche Dinge aus Metall und verkleidet Hauswände mit besonderen Ornamenten aus Schiefer. Dachpappe kleben und Ziegel verlegen wurde dem Dachdecker zu langweilig. „In mir wuchs der Wunsch, etwas anderes zu machen und mehr kreative Dinge zu machen“, sagt Wenzel.

Eine Schiefer-Eule als Fassadenverkleidung

„Jetzt mache ich nur noch das, worauf ich Lust habe“

Seit knapp einem Jahr macht Wenzel nur noch kleinere Reparaturen an Dächern und fertigt vor allem Kunstwerke aus Schiefer und Metall. „Jetzt mache ich nur noch das, worauf ich Lust habe“, sagt Wenzel. „Wir sind jetzt noch ein Zwei-Mann-Betrieb. Vormittags sind wir oft draußen und machen Reparaturen an Dächern. Nachmittags sind wir in der Halle.“

In Wenzels Halle entstehen seine Kunstwerke. Dort hängt auch der Millennium Falke, ein Raumschiff aus den Star Wars-Filmen. „Als Star Wars Fan musste ich natürlich auch schon ein Raumschiff bauen“, sagt er und lacht. „Mein Opa hat immer gesagt, mach dein Hobby zum Beruf und du musst nie wieder arbeiten. Das habe ich gemacht.“

Mit etwas ausgefallen Sachen hat Wenzel bereits in seiner Lehre zum Dachdecker angefangen. „Mein Chef hat damals schon Fassaden mit Ornamenten aus Schiefer verkleidet“, sagt er. „Da hatte ich bereits die Möglichkeit, mich auszuprobieren.“

Ein Pferdekopf aus Schiefer und Metall.

Werbung für den Beruf des Dachdeckers

Michael Wenzel profitierte im vergangenen Jahr von Corona, wie er erzählt. „Die Leute sind anstatt in den Urlaub zu fahren, zu Hause geblieben und wollten ihr Zuhause schön machen. Dadurch hab ich einige Aufträge erhalten“. Oft kämen junge Dachdecker zu Wenzel, um von ihm zu lernen. „Es ist toll, dass sich junge Leute für das Handwerk interessieren. Mit einigen bin ich regelmäßig Austausch“, sagt er.

Gleichzeitig will Wenzel mit seiner Arbeit auch Werbung für seinen Beruf machen. „Wie in fast allen Handwerksberufen gibt es auch bei den Dackdeckern Nachwuchsprobleme“, erzählt er. „Mit meiner Arbeit will ich zeigen, dass der Beruf sehr kreativ ist und mehr ist als nur Dächer einzudecken.“

Zur Zeit arbeitet Wenzel an einem großen Kolibri mit einer Blüte aus Schiefer. Für das kommende Jahr plant Wenzel ein eine Schlange, die sich an einem Regenrohr hinunter schlängelt. „Ich hab jetzt schon wieder eine Million Ideen im Kopf“, sagt Wenzel und lacht. Der Traum von Wenzel als Star Wars-Fan ist – wie könnte es anders sein – ein Nachbau des Roboters R2-D2 in Originalgröße. (Eva Krämer)

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