Ausschussmitglieder machen sich Bild in der Region

Delegation des Bundestags besichtigt geplante Trassenführung der Kurve Kassel

Machten sich ein Bild vor Ort: Die Bundestagsabgeordneten Bettina Hoffmann (von links) und Timon Gremmels, der Sprecher der BI Vellmar, Klaus Werner, und der Delegationsleiter des Ausschusses Gero Storjohann.
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Machten sich ein Bild vor Ort: Die Bundestagsabgeordneten Bettina Hoffmann (von links) und Timon Gremmels, der Sprecher der BI Vellmar, Klaus Werner, und der Delegationsleiter des Ausschusses Gero Storjohann.

Der Widerstand gegen die geplante Güterzugtrasse im Norden von Kassel ist seit Beginn des Projekts groß. Gestern hat sich nun der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags vor Ort ein Bild gemacht.

Kreis Kassel – Vier Kleinbusse mit Berliner Kennzeichen und mehrere Pkw ziehen als Kolonne am Donnerstagnachmittag bei stetigem Landregen durch die Kommunen am nördlichen Rand von Kassel. An Bord der Busse und Autos: Mitglieder des Petitionsausschusses des Bundestags, die Bürgermeister der Kommunen Grebenstein, Immenhausen, Vellmar, Espenau und Fuldatal, Vertreter der betreffenden Bürgerinitiativen „Keine Kurve Kassel“ sowie Vertreter der Deutschen Bahn. „Wir haben eine schöne Sightseeingtour durch das schöne Kasseler Land vor uns“, sagt Gero Storjohann (CDU), als der Tross am ersten Punkt der Ortsbegehung am nördlichen Rand von Vellmar ankommt.

Storjohann leitet den Vor-Ort-Termin des Petitionsausschusses, der nach Nordhessen gekommen ist, um sich ein Bild von der geplanten Trassenführung der Güterzugstrecke „Kurve Kassel“ zu machen. Drei Besichtigungspunkte stehen auf dem Programm, in Vellmar, Espenau und in Immenhausen. An allen drei Orten erwarten jeweils knapp 20 Demonstranten die Abgeordneten.

Etwa 13 000 Petitionen landen im Jahr beim Petitionsausschuss, vier davon kamen in den Jahren 2019 und 2020 von den Bürgerinitiativen Vellmar, Espenau, Immenhausen und Fuldatal. Ihr Anliegen: dass die Bahn den Ausbau der bereits vorhandenen Bahnstrecke Altenbeken-Northeim-Nordhausen als Alternative zur Kurve Kassel gleichwertig prüft. Etwa zwei Mal im Jahr kommt es zu einem Vor-Ort-Termin des Ausschusses. „Es ist also etwas Besonderes und nicht Alltägliches, dass wir hier mit fünf Kollegen vor Ort sind“, sagt Timon Gremmels (SPD). Er hatte als zuständiger Berichterstatter den Ortstermin im Petitionsausschuss beantragt.

Am Vellmarer Weg erläutert der Sprecher der BI Vellmar, Klaus Werner, wie die Trasse das jetzige Naherholungsgebiet zerschneiden würde. Am Haltepunkt oberhalb von Fuldatal, in Blickweite der Bundespolizei, sind es vor allem die Bewohner des Gewerbegebiets Kämperbrücke, die den Ausschussmitgliedern von ihren Sorgen berichten, sollte die geplante Brücke über das Gelände gebaut werden. Am Bahnhof in Immenhausen erläutert Werner Kolle, Sprecher der BI Immenhausen, die Problematik der zunehmenden Unpassierbarkeit der Bahnübergänge bei vermehrtem Verkehr auf der Bahnstrecke und die steigende Lärmbelästigung. Die sei, so sagt es Storjohann später, das Thema der Zukunft. Gerade was die Lärmbelastung angeht, betont Bettina Hoffmann (Grüne), müssten auch die bestehenden Trassen mit in den Blick genommen werden. Für sie sei der Tag sehr aufschlussreich gewesen, sagt Hoffmann. „Ich nehme ganz viel mit, weil man vor Ort ein viel umfangreicheres Bild bekommt.“

Gero Storjohann (links) lässt sich von Werner Kolle erklären, inwiefern auch Grebenstein von der Kurve Kassel betroffen wäre.

Auch die Bürgermeister betonen, wie wichtig der Termin war. Es sei gut, dass die Betroffenen wahrgenommen würden. „Die Petition hat ein Gesicht bekommen“, sagt Fuldatals Rathauschef Karsten Schreiber (CDU). Doch die Bürgermeister sind sich auch bewusst, dass der Ausschuss das Verfahren nicht stoppen oder verändern kann.

Aber er kann Empfehlungen abgeben. Die Hoffnung der Petenten: Dass der Ausschuss dem Bundestag empfiehlt, im Zuge der im Dezember anstehenden Überprüfung des Bundesverkehrswegeplans auch die Notwendigkeit der Trasse noch einmal zu untersuchen – „und dann sieht, dass die Kurve Kassel überflüssig ist“, wie Werner sagt. Ob es so kommt, wird wohl erst im Laufe des kommenden Jahres feststehen.(Von Amira El Ahl)

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