„Die Methes bleiben unvergessen“

Vor zehn Jahren: Top-Schiedsrichter aus Vellmar kommen bei Unfall ums Leben

Bildeten ein deutsches Schiedsrichter-Gespann: Bernd und Reiner Methe. 
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Bildeten ein deutsches Schiedsrichter-Gespann: Bernd und Reiner Methe. 

Es geschah auf ihrem Weg zum Handball-Bundesligaspiel HBW Balingen-Weilstetten gegen den SC Magdeburg: Das Vellmarer Schiedsrichter-Gespann Bernd und Reiner Methe kam heute vor genau zehn Jahren bei einem Unfall in der Nähe von Empfingen im Kreis Freudenstadt ums Leben.

Kassel - Nicht nur für ihre Familien und Angehörigen, sondern auch für die gesamte Handball-Szene war die Nachricht ein Schock. Die Methe-Zwillinge waren die Vorzeige-Referees im deutschen Handball, bei allen Beteiligten sehr beliebt. Einige bekannte Handball-Größen erinnern sich.

Mark Schober, DHB-Vorstandsvorsitzender.

Mark Schober (Vorstand des Deutschen Handballbundes): „Die Methe-Brüder waren Top-Schiedsrichter, das beste Gespann, was wir hatten, auch international. Noch mehr waren sie aber tolle Menschen. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem der Unfall passiert ist. Mir läuft es jetzt noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke. Zu der Zeit war ich für die HBL tätig. Ich war mit Freunden in Dortmund abends essen. Das Lokal hieß Schönes Leben. Normalerweise kann ich mir so etwas nicht merken. Das ist mir aber im Kopf geblieben. Dort bekam ich dann die Nachricht. Es war für alle ein riesiger Schock und ein einschneidendes Erlebnis. Seitdem wird mehr darauf geachtet, dass Schiedsrichter mehr Ruhezeiten bekommen und falls möglich früher anreisen können. Unfälle lassen sich zwar nie verhindern. Aber man ist schon deutlich sensibler geworden.“

Kai Häfner, Melsunger Bundesliga-Profi.

Kai Häfner (Melsunger Profi und Nationalspieler): „Das war sehr traurig. Wir sind damals schon mit Balingen zum Aufwärmen aufs Feld gegangen. Es kommt zwar schon mal vor, dass Schiedsrichter etwas zu spät dran sind. Aber es ist eher untypisch. Irgendwann haben wir die Information erhalten: Ihr könnt aufhören. Es muss etwas passiert sein. Das Spiel wurde dann auch nicht mehr ausgetragen. Ich war noch ein recht junger Spieler, es war ein Schock. Jeder wusste damals, dass die Methes zu den Aushängeschildern unter den Schiedsrichtern gehören.“

Volker Lienhop, Ex-Bundesliga-Schiedsrichter.

Volker Lienhop (früherer Kasseler Bundesliga-Schiedsrichter): „Zwei super Jungs, die unvergessen bleiben. Wir waren auch privat sehr gut befreundet – ihr Tod war ein schwerer Schlag. Mein Schiri-Kollege Gerd Meuler und ich hatten die beiden Brüder in Vellmar in Aktion gesehen und sie danach beim DHB angepriesen. Daraufhin hat sie der Verband beobachtet. Als Paten haben wir ihre Karriere etwas angeschoben. Wir haben damals sofort erkannt, dass die Methes die Schiedsrichter der Zukunft sein werden. Sie sind sehr souverän aufgetreten und haben bei ihren Entscheidungen immer die nötige Ruhe ausgestrahlt. Ich habe die beiden anfangs einige Male begleitet – sie waren von Anfang an sehr gut. Auch international waren sie sehr beliebt. Die Methes wären ganz sicher noch für viele große Turniere nominiert worden. Ich wusste immer, wer von den beiden Reiner und wer Bernd ist. Der eine hat ein Muttermal auf der Wange. Noch heute bringe ich zu ihrem Todestag immer Blumen an ihr Grab in Vellmar. Das wird auch dieses Jahr so sein.“

Michael Müller, Langjähriger Handball-Profi.

Michael Müller (Flensburger Profi und Ex-Nationalspieler): „Der Tod der beiden Methes – tragisch. Da mein Bruder Philipp und ich selbst Zwillinge sind, weiß ich, wie besonders die Konstellation im Sport ist. In meinen Augen waren die Methes ein Top-Gespann. Mir hat der Umgang der beiden mit den Spielern gefallen. Sie haben sich einen riesigen Respekt bei den Spielern verschafft, genauso groß war aber auch ihr Respekt vor uns Bundesliga-Profis. Wir waren damals alle schockiert, als wir über den Tod informiert wurden. Immer wenn ich danach zu einem Spiel nach Balingen gefahren bin, musste ich an die Methes denken.“ (Björn Mahr)

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