Eine Platte kostet zwischen 900 und 1200 Euro

Dreister Bronzeklau im Ahnepark Vellmar: 45 Kilo Kunst fehlen

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Nur noch ein leerer Sockel: Mit Gewalt haben die Täter die Bronzeplatten abmontiert.

Diese Bronzeplatten waren für die Ewigkeit gemacht, nun sind sie verschwunden. Diebe haben 45 Kilo der Plaketten aus dem Ahnepark Vellmar gestohlen. Nicht nur Kunstfreunde sind entsetzt. 

Sie gehören seit über 30 Jahren zu Vellmar und begleiten Besucher des Ahneparks auf ihren Spaziergängen: die 20 Kunstwerke des Skulpturenparks, die Namen tragen wie „Stadtteile“, „Glücks-Troll“ oder „Pavillon“. Jetzt wurden in der Nacht zu Freitag mit massiver Gewalt von bisher Unbekannten 17 Glocken-Bronzegussplatten im Ahnepark gestohlen. Einige davon waren auf den Sockeln montiert, die den Kunstwerken vorgestellt sind. Andere waren Gedenkplatten für ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger.

So sah es vor dem Diebstahl aus: Die Bronzeplatten waren fest in die Sockel verdübelt und verklebt.

Auf den Bronzeplatten, die an den Skulpturen stehen, ist zu lesen, wann die Skulptur aufgestellt wurde, welchen Titel sie trägt und wie der Künstler heißt, der die Skulptur erschaffen hat. „Jede der 17 Platten wiegt 2,65 Kilogramm“, sagt Wolfhard Eidenmüller, Leiter der Ordnungs- und Verkehrsbehörde in Vellmar. Die Täter müssten mit grober Gewalt die Platten entfernt haben, die im Park verteilt stehen. „Die sind fest verdübelt und mit Silikon verklebt. Da wurde mächtig Hand angelegt.“

Entdeckt hatte den Diebstahl ein Gärtner des Ahneparks gegen 7.30 Uhr am Freitagmorgen, der sofort den Ordnungspolizeibeamten der Stadt sowie Wolfhard Eidenmüller kontaktierte. Auch die Polizei ist bereits informiert. „Am Montag wird dann offiziell Strafanzeige gestellt“, erklärt Wolfhard Eidenmüller.

Nach Angaben des Künstlers und Steinmetz Uwe Kunze aus Vellmar, der die Platten entworfen hat, kostete eine Platte, inklusive Installation, zwischen 900 und 1200 Euro. „Heute wäre das Ganze noch viel teurer“, sagt Wolfhard Eidenmüller. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. 

Gegossen wurden die Platten in einer Kunstgießerei in Bayern. „Es ist ein erheblicher Schaden, aber eben auch ein Schaden im Bereich der Kunst“, sagt Eidenmüller. Wie genau die Täter vorgegangen sind, ist bisher nicht bekannt. „Aber die Platten sind eigentlich für die Ewigkeit gemacht“, sagt Eidenmüller. Insgesamt haben die Täter 45 Kilogramm Bronzeguss in der Nacht abtransportiert. Der Materialwert von Bronze liegt aktuell für 45 Kilo bei etwa 400 Euro.

Die Skulpturen im Ahnepark sind das Ergebnis der sechs Bildhauer-Symposien, die die Stadt Vellmar von 1987 bis 2002 im Ahnepark veranstaltete. Im Dreijahresrhythmus fanden die Symposien statt. Der damalige Vellmarer Bürgermeister Kurt Stückrath und die spätere Kulturbeauftragte des Kreises, Ulla Rühl, entwickelten das Konzept für die Reihe. Vorbild war das Bildhauer-Symposion in Baunatal im Jahr 1986.

Wie die Stadt nun weiter vorgehen wird, soll sich in der kommenden Woche entscheiden, sagt Eidenmüller. Er hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

Wenn jemand Hinweise auf die Täter oder den Tathergang machen kann, soll er sich bitte an die Polizei wenden unter Tel: 05 61/ 91 00.

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