Sie lässt sich nicht kleinkriegen

Doris Vitt wurde in Vellmar bestohlen und will jetzt andere warnen

Es musste Ersatz her: Eine unbekannte Person hat das Portemonnaie von Doris Vitt gestohlen. Jetzt leiht sich die Vellmarerin den Geldbeutel ihres Mannes.
+
Es musste Ersatz her: Eine unbekannte Person hat das Portemonnaie von Doris Vitt gestohlen. Jetzt leiht sich die Vellmarerin den Geldbeutel ihres Mannes.

In Vellmar bei Kassel stiehlt ein Taschendieb den Geldbeutel von Doris Vitt. Das verlorene Bargeld ist dabei nicht das größte Problem der 50-Jährigen.

Vellmar – Doris Vitt geht kurz vor Silvester einkaufen. Ihr Portemonnaie hat die 50-Jährige in ihrer Jackentasche. Am Kühlregal streckt sich Vitt, um an die Salami in einem der oberen Kartons zu kommen. „Aus den Augenwinkeln habe ich jemanden neben mir wahrgenommen, der sehr nah bei mir stand“, sagt Vitt. Einige Kühltüren weiter muss sich die Vellmarerin wieder lang machen.

„Und da war die Person wieder“, erzählt Doris Vitt. Die 50-Jährige fühlt sich bedrängt und unwohl. Der oder dem Unbekannten schaut Vitt aber nicht ins Gesicht.

„Minuten später habe ich dann gemerkt, dass mein Portemonnaie weg war“, sagt Vitt. Ihr sei schon da der Gedanke durch den Kopf geschossen: „Die Person hat meinen Geldbeutel gestohlen“. Doch Vitt will erst einmal auf Nummer sicher gehen. Sie schaut im Auto. Sie ruft ihren Mann an. Gemeinsam suchen sie mit einer Taschenlampe. Das Portemonnaie bleibt verschwunden.

Diebstahl in Vellmar bei Kassel: Doris Vitt sucht den Täter im Supermarkt und geht dann zur Polizei

„Ich bin dann zurück in den Laden, ich wusste aber nicht, wie die Person aussieht.“ Die Gesichtsmasken machen die Suche nicht leichter. Vitt gibt zunächst auf. Ihr braunes Lederportemonnaie mit der kleinen Stickerei darauf ist weg. Und mit der Urlaubserinnerung auch 150 Euro Bargeld und alle Karten.

Doris Vitt geht zur Polizei. Sie erstattet Anzeige und lässt ihre Bankkarte sperren. Doch die 50-Jährige will mehr tun. Zuhause setzt sie sich vor den Computer und schreibt. „Ich habe lange überlegt, ob ich das öffentlich schreiben möchte. Aber vielleicht kann mein Beitrag jemanden vor einer solchen Situation bewahren“. Vitt erzählt, was ihr passiert ist. Dann drückt sie auf Senden und teilt ihre Geschichte mit einer Facebook-Gruppe im Netz.

Sie hofft, mit ihrer Geschichte die Aufmerksamkeit anderer zu schärfen. „Damit das nicht wieder passiert.“ Vitt ist überrumpelt. „In einer U-Bahn kann man ja damit rechnen, aber hier in Vellmar doch nicht“, sagt sie.

Alles auf einen Blick

Mit dem Kreis Kassel-Newsletter der HNA keine Neuigkeiten aus der Region mehr verpassen.

Die Polizei in Kassel erklärt: Diebstahl im Supermarkt bei Vellmar ist nicht selten

Bei der Polizei in Kassel überrascht der Diebstahl in Vellmar wenig. Laut Statistik gab es 2019 zwar nur zwei Fälle von Taschendiebstahl in der Kleinstadt, 2020 waren es dagegen schon neun Fälle. Im gesamten Landkreis, ohne Stadtgebiet, waren es 2019 rund 30 Fälle und im Jahr darauf 35. Im Trend bleibe das Niveau der Taschendiebstähle ungefähr gleich, sagt Polizeisprecherin Ulrike Schaake.

Allerdings verschiebe sich der Tatort, denn die Fälle in Supermärkten steigen. Die Beamten gehen davon aus, dass die Taschendiebe durch abgesagte Veranstaltungen in die Supermärkte getrieben werden.

Für Menschen wie Doris Vitt ist der Verlust des Portemonnaies samt Bargeld noch zu verschmerzen. Aber die Scham, einen Fehler gemacht zu haben und das Neubeantragen sämtlicher Karten, seien nervenaufreibend, sagt Vitt. Die Polizei hat der Vellmarerin deshalb empfohlen, noch abzuwarten. „Vielleicht taucht das Portemonnaie ja noch auf“, sagt die 50-Jährige.

Tipps von der Polizei

Bargeld oder Karten bei einem Taschendiebstahl zu verlieren ist ärgerlich, doch die Polizei in Kassel warnt vor noch schwerwiegenderen Folgen. Denn mit den erbeuteten Karten werden in einem Drittel der Fälle weitere Straftaten begangen. Damit es erst gar nicht zu einem Diebstahl kommt, rät die Polizei, auf der Hut zu sein. „Taschendiebe lassen sich am typisch suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer“, erklären die Beamten. Außerdem sollten Bargeld und Karten getrennt voneinander aufbewahrt werden. Und das möglichst dicht am Körper. Taschen können unter den Arm geklemmt werden. Handtaschen werden bei der Schuhanprobe oder im Restaurant über einen Stuhl gehangen und die Taschendiebe nutzen das, um zuzuschlagen. (Kim Hornickel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.