Ein Masterplan für die Werkstatt

Umwelttischler Mennickheim aus Vellmar strukturiert Arbeitsabläufe im Betrieb um

Umwelttischler Tino Hausl steht neben einem maßstabsgetreuen Modell seiner Produktionsfläche. Dort haben seine Mitarbeiter die neuen Arbeitsabläufe geplant.
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Umwelttischler Tino Hausl steht neben einem maßstabsgetreuen Modell seiner Produktionsfläche. Dort haben seine Mitarbeiter die neuen Arbeitsabläufe geplant.

Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Umweltschutz ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Vor zwei Jahrzehnten sah das anders aus. Damals waren die Umwelttischler noch Pioniere, heute müssen sich die Handwerker neu erfinden, um sich von der Industrie abzusetzen. Wie das gelingen soll?

Indem die Betriebe komplett auf links gedreht werden. Wie das geht und was am Ende dabei herauskommt, verrät Umwelttischler Tino Hausl aus Vellmar. Der 43-Jährige ist Inhaber der Tischlerei Mennickheim.

Doch wer sind die Umwelttischler überhaupt und was unterscheidet sie von anderen Handwerkern? Vor 23 Jahren hatte sich eine Gruppe von Tischlern aus ganz Hessen zusammengetan und einen Verein gegründet. Deren Ziel war es, sich von der Konkurrenz abzuheben und dem Thema Ökologie mehr Gewicht zu geben. Es ging darum, „das Gift gar nicht erst in die Wohnung zu tragen, bevor wir überlegen, wie wir es wieder herausbekommen“, erklärt Ralf Stuckardt, Vorsitzender der Umweltgemeinschaft. Die Industrie zog allerdings nach, sodass heute fast alle Hersteller eine Abfallbilanz und umweltschonende Lacke verwenden würden, heißt es vonseiten der Umwelttischler. Deshalb habe der Verein Themen wie Betriebsführung, also beispielsweise die Unternehmensziele und -organisation, den Vertrieb und die Mitarbeiterführung der Mitgliedsbetriebe unter die Lupe genommen. Bei Tino Hausl waren die Umwelttischler im vergangenen Jahr zur Betriebsbesichtigung. Dabei herausgekommen – ein Masterplan für die Umstrukturierung des Handwerksbetriebs. „Wir wollen uns gegenseitig voranbringen und haben ein vertrauensvolles Verhältnis trotz der vermeintlichen Konkurrenz“, sagt Hausl. Dieses Vertrauen sei auch nötig, schließlich lasse man im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen vor den anderen Vereinsmitgliedern herunter. „Wir begegnen uns aber immer auf Augenhöhe“, sagt Hausl, dessen Umwelttischler-Gruppe aus sechs Betrieben besteht. „Bei dem Betriebsrundgang sollen Schwachstellen aufgedeckt werden“, sagt der Tischlermeister. Der Blick von außen sei dabei von großer Bedeutung. Vor allem Mängel in der Struktur des Vellmarer Betriebs seien von den Umwelttischlern aufgedeckt worden. „Wir stecken gerade mitten in der Neustrukturierung.“

Gemeinsam mit einem unabhängigen Fachberater haben Hausls Mitarbeiter den sogenannten Masterplan entwickelt. Dazu bauten sie ein maßstabgetreues Modell der 1000 Quadratmeter großen Produktionsstätte, um die Anordnung des Lagers, der Maschinen und der Arbeitsplätze effizient zu gestalten.

Auch sonst wird bei Mennickheim Nachhaltigkeit groß geschrieben. So kommt die Tischlerei beispielsweise seit Jahren beim Heizen ohne externe Energiequellen aus. „Unsere Wärmeenergie erzeugen wir aus unserem Restholz. Hausl legt auch großen Wert auf möglichst regionale und nachverfolgbare Lieferketten beim Holzkauf. Das Kerngeschäft des Betriebs ist der Innenausbau. In der Tischlerei sind elf Mitarbeiter tätig, drei befinden sich in der Ausbildung.

Von Alia Shuhaiber

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