Hohe Anforderungen, kaum Geld

Erzieher-Azubis bekommen kein Geld – Neues Gesetz soll helfen

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Erzieher aus Leidenschaft: Kristof Müller macht seinen Job gerne. „Die Kinder geben unglaublich viel Positives zurück und der unbefangene Umgang mit ihnen ist toll“, sagt er. 

Vellmar – Das gesellschaftliche Bild und die mangelnde Wertschätzung tragen mit dazu bei, dass sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung zum Erzieher entscheiden. Kristof Müller ist einer von ihnen. 

Kristof Müller ist im letzten Jahr seiner Erzieherausbildung in der Kita Vellmar West. Der 25-Jährige macht seinen Job gerne. „Ich habe schon immer Jugendarbeit gemacht und war als Betreuer auf Jugendfreizeiten dabei, damals aber immer ehrenamtlich. Dann habe ich beschlossen, das zum Beruf zu machen“, erzählt er.

Als Mann ist er eine Seltenheit in dem Beruf. Müller glaubt, dass sich nur wenige Männer entscheiden, Erzieher zu werden, weil es kaum Aufstiegschancen gibt und auch das Gehalt vergleichsweise niedrig ist. „In der Gesellschaft gibt es immer noch ganz stark das Bild, dass der Mann die Familie ernähren muss“, sagt Müller.

Die Ausbildung dauert in der Regel etwa fünf Jahre. Ein Gehalt bekommen die Azubis aber oft erst im letzten Jahr. Hinzu kommt, dass sie während ihrer Ausbildung noch Schulgeld zahlen müssen. „Ich musste 75 Euro im Monat zahlen, aber das variiert auch sehr stark. Viele müssen deutlich mehr zahlen“, sagt Müller. Zusätzlich seien die Anforderungen für den Erzieherberuf sehr hoch, viele davon sehe man als Außenstehender gar nicht, sagt Müller.

Das gesellschaftliche Bild und die mangelnde Wertschätzung würden dazu beitragen, dass sich weniger junge Menschen für eine Ausbildung zum Erzieher entscheiden würden, sagt auch Ulrike Battefeld, Leiterin der Kita Vellmar West. „Wir merken es daran, dass die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind.“

Dadurch wird es immer schwieriger Erzieher zu finden. In den Kitas bedeutet das oft auch, dass die Qualität der Kinderbetreuung leidet, sagt Bettefeld. „Wir haben aber noch das Glück hier in Vellmar, einen guten Personalschlüssel zu haben.“

Nun will sich die Politik der Problematik annehmen. „Eine Verbesserung der Kita-Situation ist bereits auf den Weg gebracht worden“, sagt SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels. Seit dem ersten Januar ist bundesweit das sogenannte „Gute-Kita-Gesetz“ in Kraft getreten. 5,5 Milliarden Euro stellt der Bund für Kitas zur Verfügung. Das Geld soll dazu genutzt werden, die Qualität der Kitas zu verbessern und die Gebühren abzuschaffen. Zusätzlich gibt es Geld für eine Fachkräfteoffensive. „Es muss attraktiver werden, eine Erzieherausbildung anzufangen, sie abzuschließen und danach im Beruf zu bleiben“, sagt Gremmels.

Bis das Geld bei Kitas und Azubis allerdings ankommt, dauert es noch. Zunächst müssen die Länder festlegen, für welches Programm aus dem Gesetz sie das Geld nutzen möchten (siehe Hintergrund). Auch die Fachkräfteoffensive gilt erst für Auszubildende, die im Sommer 2019 ihre Ausbildung beginnen. Die Bundesregierung plant mit dieser Fachkräfteoffensive eine praxisintegrierte Ausbildung (Pia) für 5000 Ausbildungsplätze zu fördern. Die Pia ist eine duale Ausbildung. An zwei Tagen arbeiten die Auszubildenden in der Kita und an drei Tagen gehen sie zur Schule. Auszubildende bekommen dann auch bereits ab dem ersten Lehrjahr ein Gehalt.

HINTERGRUND

Erst im Dezember stimmte der Bundestag und Bundesrat über den Gesetzesentwurf von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) ab. Bereits im Januar ist das „Gute-Kita-Gesetz“ in Kraft getreten. Bis 2022 stellt der Bund den Ländern 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Laut Timon Gremmels, SPD-Bundestagsabgeordneter für Kassel und die Region, erhält Hessen 413 Millionen Euro. Jedes Bundesland könne aus zehn Programmen auswählen, die das Gesetz zur Verfügung stellt. Dazu gehören ein guter Betreuungsschlüssel, qualifizierte Fachkräfte, sprachliche Bildung, kindgerechte Räume oder eine komplette Gebührenbefreiung. Zusätzlich soll es ebenfalls bis 2022 rund 300 Millionen Euro für eine Fachkräfteoffensive für Erzieher aus dem Bundesfamilienministerium geben. Damit sollen 5000 Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherfachschülern ab dem Ausbildungsjahr 2019 gefördert werden, heißt es in einer Pressemitteilung von Gremmels.

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