Erzieherausbildung wird attraktiver

In den Kindertagesstätten in Vellmar gibt es erstmals drei Azubis

Praktisches Arbeiten und Theorie werden in der praxisintegrierten Ausbildung ab dem ersten Lehrjahr verknüpft. Auszubildende Noria Reinhardt (20) aus Habichtswald freut sich, das an dem Fröbelseminar erworbene schulische Wissen an drei Tagen die Woche in der Arbeit mit den Kindern der Kita Vellmar-West direkt anwenden zu können.
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Praktisches Arbeiten und Theorie werden in der praxisintegrierten Ausbildung ab dem ersten Lehrjahr verknüpft. Auszubildende Noria Reinhardt (20) aus Habichtswald freut sich, das an dem Fröbelseminar erworbene schulische Wissen an drei Tagen die Woche in der Arbeit mit den Kindern der Kita Vellmar-West direkt anwenden zu können.

Drei statt fünf Jahre Ausbildung, eine Vergütung statt Schulkosten und von Beginn an in der Kita arbeiten. Drei junge Frauen in Vellmar profitieren nun im Zuge ihrer Ausbildung von diesen Neuerungen.

Vellmar - Noria Reinhardt hat ihre praxisintegrierte Ausbildung (PIA) im August begonnen. Sie arbeitet an drei Wochentagen für 20 Stunden in der Kita Vellmar-West. Hinzu kommen 19 Stunden berufsbezogener Unterricht an zwei weiteren Tagen am Fröbelseminar in Kassel. „Ich fühle mich super betreut. Was ich in der Schule lerne, kann ich gleich in der Arbeit mit den Kindern in der Kita anwenden.“ Die Betreuung und Rücksprache mit ihrer Betreuerin sei eine große Hilfe. „Gemeinsam regelmäßig die eigene Arbeit zu reflektieren hilft enorm.“ Immerhin steht am Ende der Ausbildung eine Note, die sich zu zwei Drittel aus der Benotung der praktischen Arbeit in der Kita, sowie aus den Schulnoten zusammensetzt. Der Unterricht besteht aus Modulen wie wissenschaftliches Arbeiten, Englisch, Didaktik, Pädagogik und Recht. Neben Noria Reinhardt haben auch Celina Hempel (Kita Obervellmar) und Nikoletta Lib (Kita in der Aue) im August ihre PIA in Vellmar begonnen.

Die Ausbildung zum Erzieher wird durch das Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“ deutlich attraktiver gestaltet. „Ziel des Pogramms ist es, den Fachkräftemangel in Erziehungseinrichtungen entgegenzuwirken“, erklärt Ulrike Battefeld, Leiterin der Kita Vellmar-West und ausgebildete PIA-Betreuerin. Dabei setzt das Bundesfamilienministerium auf eine optimale Verknüpfung von Theorie und Praxis, erklärt Battefeld. „Bisher sah die Ausbildung zum Erzieher in der Regel jeweils zwei Jahre Sozialassistenz und Fachschule und ein Jahr Berufspraktikum in einer Erziehungseinrichtung vor“, sagt sie. Nun solle PIA ein schlankeres und attraktiveres System bieten. „Die Ausbildung setzt sich aus drei Jahren zusammen, in denen die Auszubildenden parallel zu einer schulischen Einrichtung das theoretische Wissen vermittelt bekommen“, ergänzt Reinhardt.

Praxisintegrierte Ausbildung (PIA): Drei Ausbildungsjahre, viel Praxis und Vergütung

Andrea Matheis, stellvertretende Direktorin des Fröbelseminars in Kassel erklärt: „Die praxisintegrierte Ausbildung verbindet das bei uns vermittelte schulische Wissen mit der praktischen Erziehungsarbeit.“ So sei es ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung, von Anfang an mit Kindern in Kontakt zu sein. Erlerntes Wissen direkt anwenden und wiederholen zu können, sei der entscheidende Vorteil der PIA.

Nicht nur Länge und Struktur sollen potenzielle Auszubildende überzeugen – eine wichtige Neuerung stellt nun die Vergütung da. Mussten Auszubildende im Erziehungsbereich bisher privat für ihre Schulkosten aufkommen, sieht die PIA eine Vergütung vor. Diese ist nach Lehrjahren gestaffelt und variiert von Träger zu Träger.

Battefeld schätzt, dass sich die PIA aufgrund ihrer Vorzüge etablieren und durchsetzen wird. „Ich bin zuversichtlich, dass sich nun mehr Menschen für diesen schönen und wichtigen Beruf begeistern lassen werden.“ (Raphael Digiacomo)

Praxisintegrierte Ausbildung für Erzieher (PIA)

Das Bundesprogramm zielt mit seiner „Fachkräfteoffensive“ auf eine Steigerung der Attraktivität der Erziehungsberufe ab. Durch die Dauer von drei Jahren und die duale Struktur, bestehend aus Praxis und Unterricht, sollen die Auszubildenden effektiv und praxisorientiert ausgebildet und schon möglichst früh an die Arbeit mit Kindern herangeführt werden. Die Vergütung soll nun auch Interessierte mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten die Ausbildung ermöglichen. Weitere Teile der Ausbildung sind Blockunterricht und Praktika.

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