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Fasziniert von Farben und Formen: Kasseler Mineraliensammler hat über 8000 Steine

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Von: Sebastian Schaffner

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Mehr Mineralien als manches Museum: Der Sammler Klaus Försterling, hier mit einem Geigerzähler und einem Stück schwach radioaktivem Uran aus der Pfalz, besitzt zwischen 8000 und 10 000 Exemplare.
Mehr Mineralien als manches Museum: Der Sammler Klaus Försterling, hier mit einem Geigerzähler und einem Stück schwach radioaktivem Uran aus der Pfalz, besitzt zwischen 8000 und 10 000 Exemplare. © Sebastian Schaffner

Wenn am Sonntag um 10 Uhr in der Niedervellmarer Kulturhalle die Mineralien- und Fossilienbörse beginnt, schaut Klaus Försterling ganz genau hin. „Man weiß ja nie, was man findet“, sagt er.

Vellmar/Kassel – Der 83-jährige Försterling ist Mineraliensammler und erfreut sich auch im hohen Alter noch an der Farben- und Formenpracht der steinalten Raritäten. „Mitbringen darfste am Sonntag aber nur zwei Stück“, sagt seine Frau Ellen Försterling und lacht. „Wir haben schon genug.“

Man mag ihr kaum widersprechen. Die Försterlings besitzen auf drei Etagen eine derart große Mineraliensammlung, auf die viele Naturkundemuseen neidisch sein dürften.

Insgesamt dürften es 8000 bis 10 000 penibel katalogisierte, nach Fundorten sortierte und in Vitrinen präsentierte Exponate sein, schätzt Klaus Försterling. „Viele haben wir aber doppelt“, sagt seine 81-jährige Frau, die selbst der Faszination verfallen ist. Allein mit ihren gesammelten Werken könnte sie eine kleine Mineralienmesse ausrichten.

„Klaus ist fürs Systematische und Wissenschaftliche zuständig, ich fürs Ästhetische“, sagt die Damenschneidermeisterin. Heißt: Sie sammelt die Exemplare, die besonders hübsch aussehen, verführerisch funkeln oder aparte Muster entwickelt haben. Ihr Mann analysiert unter dem Mikroskop ungewöhnliche Strukturen und könnte stundenlang über ellenlange Formeln fachsimpeln, die in manch Chemieunterricht schlagartig für Unwohlsein sorgen dürften.

„Mineralien begeistern Jung und Alt“, glaubt Försterling, der im Schulalter mit dem Steinesammeln begonnen hat. Die Anziehungskraft zeige sich auch Jahr für Jahr auf der Kasseler Börse, die nun zum 31. Mal in Vellmar gastiert. Bis zu einem Herzinfarkt 2014 war der gebürtige Karlshafener selbst zehn Jahre Börsenleiter. Auch jetzt ist er noch eine feste Größe des Organisationsteams und stellt selbst aus.

„Wir waren früher ganz viel auf Messen unterwegs“, erzählt der Ingenieur, der einst im Kasseler Staatsbauamt gearbeitet hat und seine Frau in den 60er Jahren kennenlernte. Mit dem Geld, das beide für ihre gesammelten Schätze bekamen, fuhren sie in den Urlaub – um dort nach neuen Mineralien zu suchen. Zum Beispiel in Italien. „Ich wollte unbedingt ein Stück Ätna“, erinnert sich Ellen Försterling. Das Paar kletterte sogar in den Krater des höchsten aktiven Vulkans Europas. „Aber die Steine waren so warm, dass unsere Tüte geschmolzen ist.“

Früher nahm Klaus Försterling über viele Jahre als Mitglied des Vereins für Naturkunde an Exkursionen mit Experten von Wintershall teil und lernte so viel über Gesteinsformationen und chemische Prozesse. „Das war mein Sprungbrett in die Mineralogie.“ Selbst mit 83 Jahren zieht es ihn – wenn auch seltener – mit Vorschlaghammer, Fäustel und Meißel in die Steinbrüche der Region. Zuletzt brachte er Kalkspatkristalle vom Meißner mit. „Wir brauchen immer eine Genehmigung“, betont er. Alles andere sei unverantwortlich bis illegal.

In seinem Bestand findet sich auch ein Stück Uran aus der Pfalz. Das sei aber nur schwach radioaktiv, wie er mit seinem Geigerzähler beweist. „Der Einzige, der hier im Haus strahlt, ist der Klaus“, sagt seine Frau.

Vieles spricht dafür, dass er auch am Sonntag vor Freude strahlt, wenn er durch die Reihen der Börse in Vellmar geht. „Es gibt immer etwas, an dem man einfach nicht vorbei kommt.“ Und wenn er Mineralien entdeckt, die ihm gefallen, nimmt er sie mit. Allerdings nur maximal zwei Stück. Offiziell zumindest.

„Beim letzten Mal hatte er vier Steine in einer Tasche versteckt“, sagt seine Frau augenzwinkernd. Sie ist ja selbst immer gespannt, was ihr Mann nach Hause bringt.

Hat ein Auge für optisch ansprechende Steine: Ellen Försterling. Die 81-Jährige ist wie ihr Mann fasziniert von der Mineralienwelt. Unser Bild zeigt sie mit einem Antimonit aus Rumänien.
Hat ein Auge für optisch ansprechende Steine: Ellen Försterling. Die 81-Jährige ist wie ihr Mann fasziniert von der Mineralienwelt. Unser Bild zeigt sie mit einem Antimonit aus Rumänien. © Schaffner, Sebastian

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